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Margareta Kulmann-Rohkemper führte 40 Jahre lang den vom Vater gegründeten Betrieb in Marl, engagierte sich intensiv im Verband, rief das Netzwerk Galabau Women ins Leben – und sie wird niemals müde, schöne Gärten zu gestalten.

„Ein Gärtner wird geboren, den kann man nicht machen“, zitiert Margareta Kulmann-Rohkemper ihren Schwiegervater. Und sie ist das beste Beispiel für diese Wahrheit, eine geborene Gärtnerin und Pflanzenliebhaberin, die sich keinen anderen Beruf auf der Welt vorstellen kann. Und sie ist noch etwas: eine geborene Netzwerkerin. Schon bevor sie den Betrieb vor 40 Jahren von ihrem Vater übernahm, leistete sie Verbandsarbeit. Später war sie jahrelang im Präsidium des Landesverbands NRW, und 2006 gründete sie das Frauennetzwerk „GaLaBau Women“. 2018 hat Margareta Kulmann-Rohkemper den Betrieb offiziell an ihre Tochter Maria Rohkemper übergeben – doch das heißt noch lange nicht, dass sie ihre zwei Leidenschaften, das Netzwerken und das Gestalten mit Pflanzen, auf einmal aufgeben würde.

„Ein Gärtner wird geboren, den kann man nicht machen“

Margareta Kulmann-Rohrkemper sitzend

Margareta Kulmann-Rohkemper bezeichnet sich selbst als “Pflanzenfreak”.

Fokus Pflanze

Das Gestalten mit Pflanzen ist Schwerpunkt und Stärke des Betriebs, und das hat Tradition: Der Vater von Margareta Kulmann-Rohkemper betrieb eine BdB-Markenbaumschule und war auch in der Gartengestaltung tätig. Auch sie selbst war erst Baumschulerin und studierte dann Gartenarchitektur, um den Bereich Garten- und Landschaftsbau zu übernehmen. „Ich bin ein Pflanzenfreak“, erklärt sie. „Steinwüsten zu erschaffen, würde mir keinen Spaß machen.“ Aus diesem Grund konzentrierte sie sich immer mehr auf die Planung, Ausführung und Pflege privater Traumgärten und verabschiedete sich schließlich ganz von öffentlichen Großprojekten: „Da kann man zu wenig gestalten, und Pflanzen kommen nur am Rande vor.“ Die Liebe zu schönen Pflanzen spiegelt sich auch im Betriebshof in Marl wider: Er entspricht ganz der Vorstellung eines romantischen Gartens, mit blühenden Wiesen, Seerosenteich und vielen schönen alten Gehölzen.

Der Betriebshof von Margareta Kulmann-Rohrkemper

Der Betriebshof in Marl macht für die Besucher erlebbar, wie ein erholsamer Garten aussehen kann.

„Wir haben viel Stammpersonal: Der älteste Meister ist seit 48 Jahren im Betrieb, er hat schon bei meinem Vater gelernt. Es ist nicht selbstverständlich, dass die bei Veränderungen alle mitziehen, aber das klappt ganz toll.“

Trend naturnahe Gärten

Die aktuelle Beliebtheit naturnaher Gärten kommt der Spezialisierung des Betriebs entgegen. Die Nachfrage hat seit dem letzten Jahr extrem zugenommen, erzählt Kulmann-Rohkemper. „Vor ein oder zwei Jahren hat noch keiner unserer Kunden von insektenfreundlichen Pflanzen gesprochen, heute ist es oft das erste – ganz auffällig.“ Sie führt das auf die Berichterstattung in der Presse, etwa über das Bienensterben, zurück.

Beim Begriff naturnaher Garten ist ihr allerdings wichtig, ihn als gestalteten Garten mit natürlichen Materialien und den passenden Pflanzen zu verstehen – und nicht als Fläche, die komplett sich selbst überlassen wird, wie es in den 80er-Jahren einmal Trend war. Natürlichkeit heißt für sie nicht Wildwuchs. „Man braucht ein gutes Gestaltungkonzept“, betont sie. „Die Leute wollen es wachsen sehen, die Jahreszeiten erleben, Bienen und Vögel beobachten. Das geht in vielen Arten von Gärten, auch in einem geometrischen Garten, wenn die Bepflanzung stimmt. Es gibt so viele schöne Gartenpflanzen, die einen ökologischen Nutzen haben, zum Beispiel den Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch: Der wächst toll, blüht im Spätsommer, sieht wunderbar aus und ist sehr bienenfreundlich“.

„Steinwüsten zu erschaffen, würde mir keinen Spaß machen.”

GaLaBau-Kulmann-Rohrkemper

Drei Bereiche im Unternehmensverbund

Seit der Unternehmensübergabe an ihre Tochter hilft Margareta Kulmann-Rohkemper weiter im Betrieb mit und kann sich dabei mehr denn je auf ihre liebste Aufgabe konzentrieren: neue Gärten im Detail zu planen. Das Planen ist im Planungskontor angesiedelt – einem von drei unabhängigen Betrieben, die im Unternehmensverbund als Kulmann-Rohkemper Gärtner von Eden firmieren. Neben dem Planungskontor sind das der Garten- und Landschaftsbaubetrieb und die Baumschule. Die drei Unternehmensfelder sind „sauber voneinander getrennt“, wie sie betont, auch wenn es bei den Projekten viel Überschneidung gibt. So kosten alle Pläne des Planungskontors Geld. Erst wenn einem Kunden ein Plan gefällt, macht der GaLaBau-Betrieb ein Angebot dazu. Die Baumschule wird heute nur noch für die eigenen Gartenprojekte betrieben, nicht mehr für den Verkauf. Der Markt hat sich zu sehr verändert: „Man muss sich heute spezialisieren, und auch der Direktverkauf als Gartencenter kommt für uns nicht in Frage. Da geht es fast nur noch über den Preis.“ Besser, sich auf die Gartenbauprojekte zu konzentrieren und nicht zu verzetteln.

Gelungene Betriebsübergabe

Den gesamten Unternehmensverbund hat Margareta Kulmann-Rohkemper im letzten Jahr an ihre jüngere Tochter, Maria Rohkemper, übergeben, eine gelernte Agrarbetriebswirtin. Das Planungskontor leitet die ältere Tochter, Annegret Rohkemper, die einen Bachelor-Abschluss in Gartenarchitektur hat. Sie ist außerdem bei ihrer Schwester im GaLaBau-Betrieb angestellt und kümmert sich dort um die Pflege und um die Pflanzung, vom Einkauf über Pflanzpläne bis hin zur Bepflanzung. Beide Schwestern sind sozusagen im Betrieb groß geworden und hatten auch schon einige Zeit darin mitgearbeitet – trotzdem bedeutete die Betriebsübernahme natürlich eine einschneidende Veränderung.

Heute ist der Betrieb mit der neuen Führungsgeneration sehr gut aufgestellt. Die beiden Schwestern verstehen sich hervorragend, „weil sie so unterschiedlich sind“, so die Mutter. Privat gehen sie ihrem gemeinsamen Hobby, der Jagd, nach, das sie zusätzlich zusammenschweißt. Die Zusammenarbeit von Mutter und Töchtern ist ebenfalls gut und entspannt, und auch die Mitarbeiter haben die neue Führung gut angenommen, was Kulmann-Rohkemper sichtlich stolz macht: „Wir haben viel Stammpersonal: Der älteste Meister ist seit 48 Jahren im Betrieb, er hat schon bei meinem Vater gelernt. Es ist nicht selbstverständlich, dass die bei Veränderungen alle mitziehen, aber das klappt ganz toll.“

Und das, obwohl es im Rahmen der Unternehmensübergabe natürlich auch Neuerungen gibt. So wird in der Organisation des Betriebs einiges umstrukturiert und die Mitarbeiterführung optimiert – Prozesse, die Maria Rohkemper vorantreibt und in denen sie unter anderem in ERFA-Gruppen und von ihrem alten Lehrmeister unterstützt wird. Die Mitarbeiter sehen natürlich auch: Es geht weiter, es wird investiert – zum Beispiel in neue Autos und einen neuen Radlader. Das motiviert. Außerdem hilft es, dass Maria Rohkemper bei Landunter noch selbst mit anpackt. Das verschafft ihr ein hohes Ansehen.

Margareta Kulmann-Rohkemper war klar, dass nur jemand das Unternehmen übernehmen konnte, der die Arbeit mit Herzblut macht und die passende Persönlichkeit hat. Von den vier Kindern, zwei Söhne und zwei Töchter, zeigten die Letzteren Interesse am Betrieb. Kulmann-Rohkemper riet ihnen, sich gut zu überlegen, ob sie die Verantwortung tatsächlich übernehmen wollten. Sie warnte sie davor, dass es nicht nur schöne, sondern manchmal auch sehr schwere Phasen gebe. Dass sich die beiden trotzdem dafür entschieden und schnell in ihren neuen Rollen einfanden, ist eine große Erleichterung für sie: „Ich weiß jetzt, dass alles gut organisiert ist und gut weitergeht, auch wenn mir etwas passieren sollte.“ Vor allem wollte sie ihren Töchtern die Erfahrungen ersparen, die sie selbst machen musste, als sie vor 40 Jahren – recht unvermittelt – das Unternehmen von ihrem Vater übernahm.

Schaugarten

Schöne Gärten zu gestalten, macht Margareta Kulmann-Rohkemper nach wie vor große Freude.

„Man muss sich heute spezialisieren.”

Generationenwechsel in einer anderen Zeit

Damals waren Baumschule und GaLaBau noch ein einziger Betrieb, wobei sich der Vater um die Baumschule kümmerte und Tochter Margareta um den Garten- und Landschaftsbau. Diese Aufteilung blieb auch nach der Übergabe bestehen. Leider starb der Vater jedoch schon zwei Jahre später, da war Margareta Kulmann-Rohkemper 25. „Das war die Hölle“, erinnert sie sich. „Es war so viel, auf einmal beide Betriebe zu leiten. Ich habe rund um die Uhr nur noch gearbeitet, das war sehr hart. Und damals gab es noch kein Netzwerken, da war nur Konkurrenz unter den Betrieben. Deshalb ist es mir so wichtig, gute Beziehungen zu haben, auch zu Kollegen aus anderen Unternehmen. Gemeinsam kommt man doch immer weiter.“

A propos Netzwerken: Wie schon erwähnt, spielt die Beziehungspflege in Leben von Margareta Kulmann-Rohkemper eine große Rolle. Seit sie im Beruf ist, engagiert sie sich im Verband, denn ihr war immer bewusst, wie wichtig das Miteinander ist: sich einbringen, einander helfen, über den Tellerrand blicken. Man nimmt viel mit dabei, kann einiges bewegen, sagt sie. Hinzu kommt eine ordentliche Portion Idealismus: „Ich war immer versorgt, musste nie hungern. Ich möchte der Gesellschaft deshalb etwas zurückgeben, das war mir immer wichtig.“

„Damals gab es noch kein Netzwerken, da war nur Konkurrenz unter den Betrieben. Deshalb ist es mir so wichtig, gute Beziehungen zu haben, auch zu Kollegen aus anderen Unternehmen. Gemeinsam kommt man doch immer weiter.“

Betriebshof

Großes Interesse am Netzwerk „GaLaBau Women“

Als langjähriges Präsidiumsmitglied des Verbands fiel Kulmann-Rohkemper auf, dass Frauen im GaLaBau oft kein Sprachrohr hatten. Das galt vor allem für die Frauen, die als Quereinsteigerinnen in den Unternehmen arbeiten, häufig die Ehefrauen der Inhaber. Sie verantworten in vielen Betrieben die fachfremden Bereiche wie Organisation, Marketing, Buchhaltung oder Personal, kümmern sich um die Sorgen der Kunden und Mitarbeiter und zugleich um die Familie – und sie sind ganz maßgeblich an der Unternehmensentwicklung beteiligt. Um diese Frauen mit ihrem wichtigen Beitrag zum Erfolg ihrer Betriebe sichtbarer zu machen und gegenseitigen Austausch und Unterstützung zu etablieren, gründete Kulmann-Rohkemper 2006 das Netzwerk „GaLaBau Women“.

Die Mitgliederinnen entwickeln gemeinsam Strategien und Konzepte und bauen regelmäßig in Exkursionen und in Workshops mit externen Referenten ihr Fachwissen aus. Zugleich spielt auch der persönliche Kontakt schon immer eine wesentliche Rolle. Man kommt sich schnell auch privat näher – das ist möglicherweise das typisch Weibliche an diesem Netzwerk. Die Nähe führt dazu, dass die Frauen bei Problemen immer auf Unterstützung zählen können – nicht nur im Rahmen der offiziellen Treffen, sondern zum Beispiel auch kurzfristig in einer WhatsApp-Gruppe. Und sie arbeiten mittlerweile eng zusammen. So taten sich beispielswiese zwei Betriebe zusammen, um einen gemeinsamen Beitrag auf der Landesgartenschau in Bad Lippspringe zu präsentieren.

Inzwischen gibt es bereits drei Gruppen in NRW, und in allen Gruppen sind Frauen jeder Altersstufe aktiv. Sie haben über die Jahre viel zur Wahrnehmung und Wertschätzung von Frauen in GaLaBau-Betrieben beigetragen. Wurde Margareta Kulmann-Rohkempers Initiative zunächst von einigen Verbandsmitgliedern belächelt und von anderen misstrauisch beäugt („Wollen die Frauen jetzt die Betriebe übernehmen?“), so genießt sie heute viel Anerkennung. Und die Frauen fühlen sich durch die Unterstützung in ihren Betrieben gestärkt. „Ich begegne bei unseren Treffen starken Persönlichkeiten, die selbstbewusst auftreten und viel bewegen“, freut sich die Gründerin.  Ganz wie sie selbst es immer getan hat, möchte man hinzufügen.

Wie geht es weiter? Eins ist sicher: So lange sie kann, wird Margareta Kulmann-Rohkemper ihre Leidenschaften leben. Denn: „Ein Gärtner wird geboren, den kann man nicht machen.“

Veröffentlicht am 01.04.2020
2020-04-01T16:32:36+02:00
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