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Feste Zeiten für Projektbesprechungen, einheitliche Betriebsferien und die Funktion des „Teamassistenten“ sorgen bei Thümer Landschaftsbau in Dresden für Effizienz und ein Gefühl von Sicherheit. Das offene und ehrliche Miteinander und der Ausgleich zwischen Beruf und Freizeit sind laut Inhaber Thomas Thümer aber nicht weniger wichtig für die gelungene Zusammenarbeit.

Wie können die Bauleiter entlastet werden, so dass sie mehr Freiraum für die Projektleitung und die Kundenberatung haben? Diese Frage stellte sich Thomas Thümer, Inhaber von Thümer Landschaftsbau GmbH in Dresden, vor einigen Jahren. „Die Vorbereitung der Arbeit ist ganz entscheidend für ein gutes Baustellenergebnis, hält die Bauleiter aber von anderen wichtigen Aufgaben ab“, erklärt er. „Der Tag hat nur 24 Stunden. Uns wurde deshalb immer klarer, dass die Bauleiter Unterstützung brauchen, wenn sie sich mit ihrer ganzen Energie auf die Baustellen konzentrieren wollen.“ So entstand die Idee einer Teamassistenz für administrative Aufgaben wie das Verfassen von Angeboten oder das Auslösen und Überwachen von Bestellungen.

Ursprünglich wollte Thümers Frau Steffi diese Rolle übernehmen. Sie schloss sogar einen Teamassistentenkurs in Weihenstephan ab, da sie als Quereinsteigerin im Betrieb arbeitete und ihr deshalb an einigen Stellen das fachliche Wissen fehlte. In der Praxis zeigte sich aber schnell, dass das Arbeitsvolumen viel zu groß wurde. Zumal Steffi Thümer auch in vielen anderen Unternehmensbereichen unverzichtbar ist: Als Assistentin der Geschäftsleitung „macht sie alles in der Firma“, wie Thomas Thümer sagt. Neben vielen anderen Aufgaben liegen bei ihr die Organisation von Firmenveranstaltungen und das gesamte Marketing – vom Branding der Arbeitskleidung bis hin zum betriebseigenen Magazin „Gartenpost“.

„Die Vorbereitung der Arbeit ist ganz entscheidend für ein gutes Baustellenergebnis, hält die Bauleiter aber von anderen wichtigen Aufgaben ab.“

Thomas Thümer

Thomas Thümer gründete 1992 die Firma Thümer-Landschaftsbau GmbH.

Zwei Teamassistenten-Stellen wurden geschaffen

Deshalb trat Plan B in Kraft: Zwei externe Teamassistenten wurden eingestellt. Jeder der Bauleiter – das sind Thomas Thümer selbst und seine Schwester Katja Thümer-Beyer – hat einen Teamassistenten beziehungsweise eine Teamassistentin zur Seite. So können sich die beiden auf die Betreuung der Baustellen und die Beratung der Kunden konzentrieren. Und da ist genug zu tun: Thümer Landschaftsbau betreibt immer sechs bis acht Baustellen gleichzeitig. Zudem ist der Betrieb fast ausschließlich im Privatkundenbereich aktiv, so dass eine intensive, individuelle Kundenbetreuung unverzichtbar ist.

Die beiden Teamassistenten kommen vom Fach: Die eine ist studierte Landschaftsarchitektin, der andere studierter Gartenbauer. Dadurch können sie sehr selbstständig arbeiten. Nach der Einarbeitungszeit läuft das Zusammenspiel zwischen Bauleitern und Teamassistenten fast wie von selbst. Zum Beispiel machen die Bauleiter Fotos auf der Baustelle und geben sie mit ein paar Stichworten auf dem iPad an die Teamassistenten weiter. Die erstellen daraus dann die passende Leistungsbeschreibung. Um diesen Prozess zu unterstützen, werden eine Branchensoftware und ein „Leistungsbuch“ genutzt, in dem alle Leistungen genau definiert sind.

Strukturierte Abläufe dank „Regelkommunikation“

Überhaupt sind strukturierte Prozesse nach Thomas Thümers Erfahrung für die reibungslose Zusammenarbeit im Team unverzichtbar. Ein wertvolles Werkzeug ist dabei die sogenannte „Regelkommunikation“, die Thümer durch einen Unternehmensberater kennengelernt hat. Konkret bedeutet das bei Thümer Landschaftsbau, dass die Teamassistenten jeden Morgen um 8:30 Uhr „ihren“ Bauleiter anrufen, um gemeinsam den Tagesplan durchzugehen. Ähnlich die Vorarbeiter: Sie rufen den jeweiligen Bauleiter täglich um 14 Uhr an. „So telefoniert man nicht mehr aneinander vorbei und es kommt eine unheimliche Sicherheit rein“, so Thomas Thümer.

Mitarbeiter GaLaBau Thümer

„Strukturierte Prozesse sind für die reibungslose Zusammenarbeit im Team unverzichtbar.”

Der Betrieb wird geschlossen – mitten im Sommer

Die Regelkommunikation ist nicht das einzige ungewöhnliche Instrument zur Optimierung der Abläufe. Ein weiteres sind gemeinsame Betriebsferien: In jedem Jahr wird der Betrieb in der dritten und vierten Woche der sächsischen Sommerschulferien komplett geschlossen – mitten in der Hauptsaison –, außerdem zwei Wochen lang über Weihnachten und Silvester.

Auf den ersten Blick mag das so wirken, als schade es dem Geschäft. Doch davon kann keine Rede sein, wie Thomas Thümer betont: „Die einheitlichen Betriebsferien bringen große Ruhe in die Urlaubsplanung. Ich finde, Mitarbeiter müssen auch im Sommer Urlaub kriegen, und betriebswirtschaftlich ist es dann egal, ob jeder zu einer anderen Zeit frei hat oder alle gleichzeitig.“ Der Betrieb funktioniert dadurch sogar noch besser. Denn es entfallen die wiederholten Übergaben und Absprachen, wenn die einzelnen Mitarbeiter in den Urlaub gehen. Zudem, so Thümer, ist es weniger effektiv, wenn immer wieder ein Vorarbeiter ausfällt und ein anderer sich in sein Projekt einfinden muss. Durch die einheitliche Urlaubsregelung können die Teams hingegen zusammenbleiben.

Sogar den Kunden ist es lieber so, weil dadurch durchgehend dieselbe Truppe bei ihnen arbeiten kann. Thomas Thümer war selbst überrascht, wie gut die Unterbrechung akzeptiert wird. „Diesen ‚Luxus‘ – der betriebswirtschaftlich gesehen ja gar kein Luxus ist – können wir uns natürlich nur leisten, weil wir fast nur private Projekte haben, bei denen die Bedingungen nicht von außen vorgegeben sind“, sagt er.

Selbstverständlich haben die Kunden für Notfälle trotzdem immer einen Ansprechpartner: Thümers Vater, der zwar schon längst im Rentenalter ist, aber nach wie vor einmal in der Woche für ein paar Stunden im Betrieb aushilft, kümmert sich in der Ferienzeit um dringende Angelegenheiten.

Ein Unternehmen, das die Familie zusammenführt

Ein schöner Nebeneffekt der Betriebsferien: Auch die Thümers können als Familie gemeinsam Urlaub machen. Denn Thümer Landschaftsbau ist in einem sehr umfassenden Sinne ein Familienunternehmen:

Thomas Thümers Ehefrau, Steffi Thümer, arbeitet schon seit 20 Jahren im Betrieb. Zunächst, als die beiden Kinder noch klein waren, in Teilzeit, inzwischen in Vollzeit. Thomas Thümers Schwester Katja Thümer-Beyer stieg vor 15 Jahren mit ein. Seine Tochter Maxi studiert in Dresden Landschaftsarchitektur und hilft nebenher schon im väterlichen Betrieb mit. Und sein Sohn Willy macht seit einigen Monaten seine Lehre hier. „Er wollte das unbedingt, und wir hatten kein Problem damit“, erzählt Thümer. Der Einstieg hat prima geklappt, und Willy wurde im Team gut aufgenommen. Thomas Thümer findet es gut, dass sein Sohn mitbekommt, wie der Betrieb tickt. Was aber keineswegs heißt, dass er ihn für immer und ewig an das Familienunternehmen binden möchte: „Nach der Lehre soll er ruhig in die weite Welt rausgehen und seinen Horizont erweitern. Wenn er danach zurückkommen möchte, kann er frischen Wind hier reinbringen.“

Darüber hinaus ist, wie schon erwähnt, auch Thomas Thümers Vater Werner Teil des Teams. In gewissem Sinne schon, seit es den Betrieb gibt – mehr dazu gleich.

„Die einheitlichen Betriebsferien bringen große Ruhe in die Urlaubsplanung.”

Thomas Thümer im Weinberg

Dass Thomas Thümer einen Betrieb für Garten- und Landschaftsbau gründen würde, war zunächst nicht besonders naheliegend: Er hatte zu DDR-Zeiten erst einmal zwei Jahre lang einen Metallberuf gelernt.

Ungewöhnlicher Berufseinstieg

Dass Thomas Thümer einen Betrieb für Garten- und Landschaftsbau gründen würde, war zunächst nicht besonders naheliegend: Er hatte zu DDR-Zeiten zwei Jahre lang einen Metallberuf gelernt und in einer Werkhalle Blechrohre und -verkleidungen gebaut. Mit 18 musste er zur Armee, und als seine Ausbildung dort beendet war, war „zum Glück“, wie Thümer sagt, auch die DDR am Ende.

1990 zog er zu seiner Freundin in den Westen, nach Lippstadt, und suchte in den Stellenanzeigen der Tageszeitung nach Gelegenheitsjobs. „Ich weiß das noch, als wäre es gestern gewesen“, erzählt er. „Es gab drei Stellen: eine als Autowäscher, die war schon weg, eine als Aushilfe im Mediamarkt, die war auch schon weg, und eine als Aushilfe in einem Garten- und Landschaftsbaubetrieb. Ich dachte mir, ein bisschen Rasenmähen und Rosenschneiden kann so schwer nicht sein, und bewarb mich.“ Er konnte direkt anfangen, doch statt Rasen zu mähen oder Rosen zu schneiden, baute er eine Garageneinfahrt aus Betonpflastersteinen – in nur einem Tag. „Das hat mich so begeistert!“, erinnert er sich. „In meiner Ausbildung hatte ich ausschließlich in der Werkhalle gestanden, und hier baute ich innerhalb eines Tages etwas Sinnvolles, übergab es am Abend dem Kunden, und der freute sich über das Ergebnis! Auch das Material hat mich beeindruckt, die Betonpflastersteine. So etwas kannten wir in der DDR gar nicht.“

Thomas Thümer mit Hund

“Hier baute ich innerhalb eines Tages etwas Sinnvolles, übergab es am Abend dem Kunden, und der freute sich über das Ergebnis.”

Rückkehr nach Dresden und Aufbau des Betriebs

Diese Erfahrung war prägend. Thümer blieb in dem GaLaBau-Betrieb, bis sein Vater ihm mitteilte, zuhause in Dresden gebe es eine Firma, die einen neuen Betriebshof bräuchte. Dieser Betriebshof wurde der erste Auftrag von Thomas Thümers eigenem Unternehmen. Er blieb in seiner alten Heimat, beschriftete sein Auto mit dem Slogan „Wir verschönern Dresden“, und Kunden riefen an. So einfach ging es los.

Im Mai 1992 gründete er eine GmbH – gemeinsam mit seinem Vater, der damals noch nicht aktiv mitarbeitete, aber einen Teil der Investition übernahm. Als der Betrieb wuchs und eine Bürokraft gebraucht wurde, übernahm Werner Thümer diese Rolle. Auch er war Quereinsteiger, hatte Landtechnik studiert und war später Geschäftsführer einer Firma für Elektrotechnik geworden. Mit seiner Berufserfahrung konnte er seinen Sohn in der Buchhaltung und im Kaufmännischen von Anfang an unterstützen. Aber das reichte ihm noch nicht: Ein Jahr lang arbeitete er außerdem auf Baustellen mit, um zu lernen, wie der Beruf funktioniert. Und heute, Jahrzehnte später, ist er immer noch Teil des Unternehmens, wenn auch nur stundenweise.

1996 holte Thomas Thümer noch seinen Meister im Garten- und Landschaftsbau an der Abendschule nach. Sein GaLabau-Betrieb entwickelte sich unterdessen immer weiter, die Projekte wurden anspruchsvoller, es wurden immer mehr Mitarbeiter angestellt. Heute umfasst das Team etwa 30 Kräfte. Das Unternehmen übernimmt alle Aufgaben vom Aufräumen bis zur schlüsselfertigen Übergabe des Gartens, inklusive Rollrasen, Schiebetor, Licht und Koi-Becken. Für einige Gewerke arbeitet es mit Subunternehmern zusammen

Gegenüber Kunden und dem gesamten Team liegt Thomas Thümer ein familiärer Umgang am Herzen.

Azubs der Firma Thümer

Familiärer Umgang

Auch gegenüber Kunden und dem gesamten Team liegt Thomas Thümer ein familiärer Umgang am Herzen. Zum Beispiel bringen er, seine Schwester mit Kindern, seine Frau mit Kindern und seine Eltern den Stammkunden jedes Jahr persönlich einen Weihnachtsbaum vorbei. Zur Stärkung des Zusammenhalts findet jedes Jahr ein Betriebsausflug, oft mit Übernachtung, statt. Die Mitarbeiter richten zu runden Geburtstagen Grillabende auf dem Betriebshof aus, und zur Weihnachtsfeier sind sie zusammen mit ihren Partnern eingeladen. Gemeinsame Aktivitäten wie diese gibt es viele.

„Natürlich sind Ansagen manchmal nötig, aber im Großen und Ganzen soll die Atmosphäre entspannt und familiär sein“, betont Thümer. Er weiß, dass eine direkte, ehrliche Kommunikation dafür unerlässlich ist, und er weiß auch, dass gute Kommunikation eine Kunst ist, ob beruflich oder privat. Er selbst lebt sie so gut wie möglich vor, indem er geradeheraus mit allen spricht und auch die Mitarbeiter dazu ermutigt, offen zu sagen, was sie stört – nach dem Motto: „Meckert bei dem, der etwas beeinflussen kann, dann könnt ihr auch was erreichen.“

Austausch im Verband

Ein offenes und ehrliches Verhältnis schätzt Thomas Thümer auch unter Kollegen, und dabei hilft die Mitgliedschaft im Verband. „Man kommt Berufskollegen viel näher, verliert die Berührungsängste“, sagt er. „Man tauscht sich aus und hilft einander. Zu einigen Kollegen habe ich sogar privat Kontakt. Und man kann bei Fragen den Landesverband anrufen und bekommt immer Unterstützung.“ Thümer nutzt auch die Nachwuchswerbung des AuGaLa (des Ausbildungsförderwerks Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau) gerne. Ziel ist, jedes Jahr zwei neue Nachwuchskräfte auszubilden, in den letzten Jahren hat das geklappt. Hilfreich ist dabei auch, dass Steffi Thümer auf der Karrieremesse des Verbands regelmäßig die Branche und auch den eigenen Betrieb vorstellt.

Weinberg von Thomas Thümer

Der Weinberg mit Blick auf das Erzgebirge

Thümer hat eine eigene Parzelle mit 150 Weinstöcken im „Königlichen Weinberg Pillnitz“.

Ein Weinberg zum Ausgleich

Thomas Thümer geht in seinem Beruf auf, könnte sich aber zum Beispiel auch vorstellen, Winzer zu sein. Ein bisschen ist er das sogar: Thümer hat eine eigene Parzelle mit 150 Weinstöcken im „Königlichen Weinberg Pillnitz“, in dem er gemeinsam mit der Familie seine Freizeit genießt.

„Wir gehen rüber“ heißt es in der Familie, wenn ein Ausflug in den Weinberg ansteht. Steffi und Thomas Thümer lieben es, mit der Fähre ans andere Ufer der Elbe überzusetzen („schon das ist wie Urlaub!“) und in ihrem Weingarten mit Blick auf Schloss Pillnitz, Weinberge und Erzgebirge zu picknicken. Ein Höhepunkt jedes Jahres ist die Weinlese. Dann kommt die gesamte Familie zusammen, um die reifen Trauben zu ernten und das Leben zu feiern.

Einen guten Ausgleich zur Arbeit zu finden und das Private vom Beruflichen zu trennen, war Thümer immer wichtig. Er arbeitet zuhause nie, samstags nur sehr selten, und wenn, dann vor oder nach dem Familienfrühstück. „Ich denke, das haben wir den Kindern gut vorgelebt, so dass sie jetzt selbst Lust auf den Beruf haben“, sagt er.

Auf jeden Fall wirkt Thümer wie ein Familienunternehmen im besten Sinne des Wortes, das die nächste Generation dazu einlädt, es weiterzuführen. Aber natürlich weiß man nie, was kommt. Und vielleicht möchte der eine oder die andere ja auch noch Winzer werden …

Einen guten Ausgleich zur Arbeit zu finden und das Private vom Beruflichen zu trennen, war Thümer immer wichtig.

Weinberg
Veröffentlicht am 19.02.2020
2020-04-01T09:55:36+02:00
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