Ein Jahr in den USA leben, studieren und arbeiten – für Johannes Jeutter wurde daraus weit mehr als ein Auslandsaufenthalt. Über das Parlamentarische Patenschafts-Programm (PPP) des Deutschen Bundestages verbrachte der junge Landschaftsgärtner zwölf Monate in den Vereinigten Staaten. Dort vertiefte er seine Leidenschaft für Natursteinarbeiten, sammelte internationale Berufserfahrung und fand neue Freunde. Vor allem aber gewann er neue Perspektiven – für seinen Beruf und für sich selbst. Warum sich diese Chance gerade für junge Landschaftsgärtner*innen lohnt, erzählt er im Interview.
Wie bist du auf das Parlamentarische Patenschafts-Programm aufmerksam geworden – und warum wolltest du unbedingt teilnehmen?
Johannes Jeutter: „Auf das PPP bin ich durch ein Rundschreiben des Verbandes aufmerksam geworden. Ich wollte unbedingt einen internationalen Einblick in den Gartenbau bekommen – vor allem in die Natursteinarbeiten. Ich habe die amerikanischen ‚Stonemasons‘ schon lange verfolgt und war von ihrer Handwerkskunst begeistert. Als ich vom PPP erfahren habe, habe ich mich noch am selben Abend beworben. Dass das Ganze zusätzlich einen politischen und kulturellen Hintergrund hat, hat meine Entscheidung noch leichter gemacht.“
Mit welchen Erwartungen bist du in die USA gereist?
Johannes Jeutter: „Ehrlich gesagt waren meine Erwartungen gar nicht besonders hoch. Natürlich hatte ich Bilder aus Filmen, Musik und Social Media im Kopf. Vieles davon hat sich tatsächlich bestätigt – Kalifornien ist wirklich so, wie man es sich vorstellt, und in Texas gehören Cowboystiefel tatsächlich zum Alltag. Irgendwann habe ich selbst Cowboystiefel bei der Arbeit getragen. Noch viel beeindruckender waren aber die Zeit an der Universität, die Freundschaften und die Arbeit im Natursteinbetrieb. Das hat meine Erwartungen deutlich übertroffen.“
Neugier öffnet Türen
Wie lief die Bewerbung ab und welchen Rat würdest du anderen jungen Landschaftsgärtner*innen geben?
Johannes Jeutter: „Nach der Online-Bewerbung mit Lebenslauf und Motivationsschreiben wurde ich zu einem Auswahlgespräch eingeladen. Dort ging es unter anderem um Englischkenntnisse, politisches Wissen und die persönliche Motivation.
Allen, die sich bewerben möchten, würde ich vor allem eines mitgeben: Seid neugierig. Auf andere Kulturen, auf Politik und auf die Sprache. Und traut euch, eure Komfortzone zu verlassen. Genau dort entstehen neue Freundschaften und man entwickelt Fähigkeiten, die man sonst vielleicht nie entdeckt hätte.“
Zwischen Hörsaal und Baustelle
Während seines Austauschjahres wohnte Johannes Jeutter direkt auf dem Universitätscampus. Sein Alltag spielte sich zwischen Hörsaal, Studentenwohnheim und Baustelle ab – eine Kombination, die ihn fachlich und persönlich gleichermaßen geprägt hat. Drei Tage pro Woche besuchte er Vorlesungen, anschließend ging es direkt auf die Baustelle.
Wie hast du diese Zeit erlebt?
Johannes Jeutter: „Ich habe das ganze Jahr über im Studentenwohnheim auf dem Campus gewohnt. Dadurch war ich direkt Teil des Universitätslebens. Morgens hatte ich Vorlesungen, unter anderem in Biologie und Geologie, anschließend ging es auf die Baustelle. Je nach Einsatzort war ich zwischen 45 Minuten und anderthalb Stunden unterwegs – deshalb war ich froh, wenn ich den ganzen Tag auf der Baustelle nutzen konnte.
Ich habe bei einem Betrieb gearbeitet, der auf regionalen Naturstein spezialisiert ist. Wir haben Kamine gemauert, historische Schulhäuser wieder aufgebaut, Stützmauern errichtet und Gewölbekeller gebaut – immer mit einem sehr hohen handwerklichen Anspruch. Besonders die Trockenmauern im Garten haben mich begeistert.
Mindestens genauso prägend war aber die Zeit nach Feierabend. Abends und an den Wochenenden war ich viel mit anderen Studierenden unterwegs. Mit einem guten Freund bin ich regelmäßig zum Skateboardfahren nach Kansas City gefahren. Außerdem habe ich mich immer wieder mit anderen PPP-Teilnehmer*innen getroffen. Gerade diese Begegnungen haben das Jahr für mich zu etwas ganz Besonderem gemacht.
Natürlich habe ich auch Unterschiede zum Garten- und Landschaftsbau in Deutschland erlebt. Einen klassischen Vergleich kann ich zwar nicht ziehen, weil ich nicht als typischer ,Landscaper’ gearbeitet habe. Aber während bei uns häufig der Minibagger zum Einsatz kommt, arbeitet dort fast jeder mit einem Kompaktlader. Auch das Mulchen von Solitärgehölzen ist deutlich verbreiteter als in Deutschland.“
Mehr als Arbeit
Das PPP besteht nicht nur aus Studium und Praktikum. Für Johannes gehörten auch das Leben auf dem Campus, gemeinsame Unternehmungen und neue Freundschaften zu den Erfahrungen, die das Austauschjahr so besonders gemacht haben. Rückblickend sind es genau diese Begegnungen, die ihm neben den beruflichen Erfahrungen besonders in Erinnerung geblieben sind.
Was hat dir das PPP persönlich und beruflich gebracht?
Johannes Jeutter: „Beruflich habe ich vor allem im Bereich Naturstein unglaublich viel gelernt. Persönlich hat mich das Jahr ebenfalls geprägt. Ich bin deutlich selbstständiger geworden und habe heute klare Ziele für meinen weiteren Berufsweg. Englisch spricht man irgendwann ganz selbstverständlich. Vor allem aber habe ich Freundschaften geschlossen, die bis heute bestehen.
Die Erfahrungen aus den USA wirken sich auch auf den Familienbetrieb aus. Schon während meines Aufenthalts habe ich mich für die Meisterschule beworben, inzwischen habe ich den Meisterbrief. Heute möchte ich die Bedeutung von Naturstein und insbesondere den Bau von Trockenmauern bei uns im Betrieb weiter stärken.“
Was war die größte Herausforderung?
Johannes Jeutter: „Überraschenderweise nicht der Schritt in die USA. Die größte Herausforderung war die Rückkehr nach Deutschland. Ich hatte dort so viel gelernt und gleichzeitig das Gefühl, dass ich noch längst nicht alles gesehen hatte. Das Land zu verlassen, fiel mir deutlich schwerer, als dorthin aufzubrechen.“
Warum sich die Bewerbung lohnt
Warum sollten sich junge Landschaftsgärtner*innen für das PPP bewerben?
Johannes Jeutter: „Das PPP ist eine einmalige Chance. Man lernt neue Arbeitsweisen kennen, entwickelt sich persönlich weiter und knüpft Freundschaften über Ländergrenzen hinweg. Wir sollten neugierig bleiben, uns als Gesellschaft immer wieder hinterfragen und voneinander lernen. Genau dafür bietet das PPP die perfekte Gelegenheit.“
Johannes Jeutter hat aus den USA nicht nur neue fachliche Kenntnisse mitgebracht. Das Austauschjahr hat ihn persönlich wachsen lassen und seine Begeisterung für den Beruf weiter gefestigt. Für junge Landschaftsgärtner*innen, die offen für neue Erfahrungen sind, ist das PPP für ihn deshalb eine Chance, die man sich nicht entgehen lassen sollte.
Parlamentarisches Patenschafts-Programm (PPP)
Ein Jahr USA – als Junior-Botschafter*in Deutschlands
Das Parlamentarische Patenschafts-Programm (PPP) ist ein gemeinsames Stipendienprogramm des Deutschen Bundestages und des US-Kongresses. Seit 1983 ermöglicht es jungen Menschen aus Deutschland und den USA einen einjährigen Austausch. Die Teilnehmer*innen leben in einer Gastfamilie, besuchen ein College und absolvieren anschließend ein Praktikum in einem amerikanischen Unternehmen. Während dieser Zeit vertreten sie ihr Heimatland als sogenannte Junior-Botschafter*innen.
Wer kann sich bewerben?
- junge Berufstätige und Auszubildende nach Abschluss ihrer Ausbildung
- in der Regel bis 24 Jahre (maßgeblich sind die Bedingungen der jeweiligen Ausschreibung)
- Interesse an Kultur, Politik und internationalem Austausch
Was bietet das PPP?
- Vollstipendium für ein Austauschjahr in den USA: https://usa-ppp.de/das-programm/programmkosten/
- Collegebesuch und Betriebspraktikum
- Unterbringung in einer Gastfamilie
- internationale Berufserfahrung und persönliche Weiterentwicklung
Bewerbung
Die Bewerbung erfolgt online über den Deutschen Bundestag. Die Bewerbungsphase für das Austauschjahr beginnt üblicherweise im Frühjahr und endet Anfang September des Vorjahres der Ausreise.
Weitere Informationen und Bewerbung:
Alle Fotos: Johannes Jeutter
Autorin: Kim Lüftner











