Vivian Weißmüller ist ein Role Model für junge Frauen im Garten- und Landschaftsbau. In einer traditionell männerdominierten Branche hat sie früh Verantwortung übernommen und ihren eigenen Weg konsequent verfolgt. Während ihrer Fortbildungen zur Meisterin und Technikerin sowie während ihres Bachelor- und Masterstudiums arbeitete sie – soweit es möglich war – kontinuierlich im elterlichen Betrieb mit. Ihr Werdegang zeigt: Mit Motivation, Lernbereitschaft und dem Mut, Verantwortung zu übernehmen, müssen weibliche Führungskräfte im GaLaBau längst keine Ausnahme mehr sein.
Familienbetrieb mit starken Wurzeln
Der Garten- und Landschaftsbaubetrieb Weißmüller in Neumarkt in der Oberpfalz ist ein Paradebeispiel für einen Familienbetrieb. Neben Vivian Weißmüller arbeiten dort ihre Schwester, ihre Mutter, ihr Lebensgefährte sowie weitere Familienmitglieder mit. Bereits als Kind war sie eng mit dem Unternehmen verbunden. Damals wollte sie eigentlich Pferdewirtin werden – die Leidenschaft für Pferde ist geblieben, heute besitzt sie eigene Pferde. Beruflich entschied sie sich jedoch für den Garten- und Landschaftsbau.
Gemeinsam achtsam auf der GaLaBau 2026
Mit „AwareFlair“ setzt sich die NürnbergMesse für ein sicheres und respektvolles Umfeld für alle ein. Wer sich in einer unangenehmen Situation befindet oder Unterstützung benötigt, kann sich mit dem Codewort „Ist LUISA hier?“ diskret an geschultes Sicherheits-, Garderoben- oder Cateringpersonal wenden. Zusätzlich steht ein geschützter „SaferSpace“ als Rückzugsort zur Verfügung.
Mehr zum Konzept: Awareness-Konzept "AwareFlair"
Ein ungewöhnlicher Bildungsweg
Nach der Wirtschaftsschule verbrachte Vivian Weißmüller zunächst ein halbes Jahr in Australien. Anschließend besuchte sie die Fachoberschule mit wirtschaftlichem Schwerpunkt und absolvierte parallel ein Schulpraktikum in einem Steuerbüro.
Danach begann sie ein Studium an der Hochschule Weihenstephan. Nach fünf Semestern entschied sie sich jedoch bewusst für einen Schritt zurück in die Praxis und absolvierte im elterlichen Betrieb eine zweijährige Ausbildung zur Landschaftsgärtnerin. Diese schloss sie als Zweitbeste der Oberpfalz ab. Für ihre Leistungen wurde sie unter anderem als GaLaBau-Heldin ausgezeichnet und erhielt ein Stipendium sowie eine IHK-Förderung.
Von 2018 bis 2020 besuchte sie die Meister- und Technikerschule in Veitshöchheim. Anschließend folgte das Bachelorstudium der Landschaftsarchitektur in Erfurt. Parallel dazu übernahm sie bereits zunehmend Verantwortung im Familienunternehmen. Von 2021 bis 2023 absolvierte sie zusätzlich den ALW-Lehrgang zur Betriebswirtin im Garten- und Landschaftsbau an der DEULA Freising. Ihr Masterstudium im Landschaftsbau an der Hochschule Osnabrück schloss sie 2024 ab.
Frau Weißmüller, was treibt Sie an?
Vivian Weißmüller: „Ich habe es immer genossen, Wissen ins Unternehmen zu bringen. Aus jeder Station meiner Ausbildung habe ich wertvolle Kontakte mitgenommen – zu Kommilitonen, Professoren oder Kolleginnen und Kollegen aus der Branche. Dieses Netzwerk ist bis heute unglaublich wichtig.
Seit ich aktiv im Unternehmen mitarbeite, haben wir viele Strukturen und Abläufe weiterentwickelt und modernisiert. Dadurch blieb ein gesundes Wachstum nicht aus. Ich glaube, die Grundlage dafür liegt in meinem Weg und den Erfahrungen, die ich außerhalb unseres Unternehmens sammeln durfte.“
Plötzlich Verantwortung übernehmen
Sie sind früh Mitglied der Geschäftsführung geworden. Wie kam es dazu?
Vivian Weißmüller: „Das kam sehr unerwartet. Mein Vater wurde während meines Studiums plötzlich schwer krank. Von einem Tag auf den anderen musste ich Verantwortung übernehmen.
Was mir damals enorm geholfen hat, war unsere Mannschaft. Unsere Mitarbeitenden sind tief in ihren Aufgaben verwurzelt und haben mir sehr schnell Vertrauen entgegengebracht. Natürlich gab es auch Momente, in denen jemand sagte, mein Vater hätte etwas anders gemacht. Aber ich musste meinen eigenen Weg finden. Mein Team war in dieser Zeit definitiv mein Rettungsschirm.“
Zum großen Glück erholte sich ihr Vater wieder vollständig. Heute bringt er seine Erfahrung weiterhin aktiv ins Unternehmen ein und konzentriert sich auf die Aufgaben, die ihm besonders am Herzen liegen.
„Früher hat er mich vor allem unterstützt, beschützt und in die richtigen Bahnen gelenkt. Heute schenken wir uns gegenseitig großes Vertrauen. Diese schwierige Zeit war rückblickend der Best Case in einer schweren Situation – wir haben gelernt, uns gegenseitig noch mehr wertzuschätzen.“
Gemeinsam Zukunft gestalten
Heute besteht die Unternehmensleitung aus drei Geschäftsführern und zwei Prokuristen.
Die Schwerpunkte des Unternehmens liegen bei öffentlichen Auftraggebern – beispielsweise Kindertagesstätten, Schulen, Parks und Spielplätzen – einschließlich der Fertigstellungspflege. Hinzu kommen der Sport- und Reitplatzbau, hochwertige Privatgärten mit Pools und Pflegekonzepten sowie der Außenanlagenbau für Gewerbebetriebe.
Bildungspreis als Anerkennung für Leistung und Engagement
Vivian Weißmüller wurde mit dem BGL-Bildungspreis 2017 ausgezeichnet.
„Der Preis zeichnet in erster Linie hervorragende Leistungen in Ausbildung und Weiterbildung aus“, erklärt sie. „Entscheidend sind unter anderem die schulischen Leistungen, die Abschlussprüfung sowie ein aussagekräftiges Motivationsschreiben.“
Darüber hinaus fließt auch gesellschaftliches Engagement in die Bewertung ein. Dazu gehörte bei Vivian Weißmüller unter anderem ein Hochschulprojekt nach der Hochwasserkatastrophe in Passau. Gemeinsam mit anderen Studierenden half sie dabei, den vollständig zerstörten Garten einer Familie wiederherzustellen, die sich während der Flut unermüdlich für andere Menschen eingesetzt hatte.
Auch ihr Engagement innerhalb des Berufsstandes begann früh. Bereits in jungen Jahren nahm sie gemeinsam mit ihrem Vater an Mitgliederversammlungen und Verbandsveranstaltungen teil und lernte dadurch früh die Bedeutung eines starken Netzwerks kennen.
Familie und Unternehmen
Sie sind heute nicht nur Unternehmerin, sondern auch Mutter eines kleinen Kindes. Wie gelingt dieser Spagat – und ärgern Sie solche Fragen eigentlich?
Vivian Weißmüller: „Mein Sohn wächst mitten in unserem Familienunternehmen auf. Das funktioniert nur, weil unsere Familie zusammenhält und sich gegenseitig unterstützt.
Ich habe aber auch erlebt, wie schwierig das Thema Schwangerschaft für Selbstständige sein kann. Ich war bis zwei Tage vor der Entbindung im Betrieb und bereits vier Tage später wieder zurück – weil es einfach notwendig war.“
Die häufig gestellte Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf nimmt sie heute gelassen.
„Mich persönlich stört sie inzwischen kaum noch. Aber ich verstehe jede Frau, die sich darüber ärgert. Ich möchte vielmehr zeigen, dass beides möglich ist – auch wenn es manchmal viel Organisation und Unterstützung braucht.“
Dabei weiß sie genau, dass der Erfolg eines Familienunternehmens oft von Menschen getragen wird, die selten im Mittelpunkt stehen.
Ein Beruf – viele Wege
Was sagen Sie jungen Frauen, die Landschaftsgärtnerin werden wollen?
Vivian Weißmüller: „Der Beruf verlangt körperlichen Einsatz und manchmal auch ein dickes Fell. Gleichzeitig eröffnet der Garten- und Landschaftsbau unglaublich viele Entwicklungsmöglichkeiten – gerade auch für Frauen.
Viele verbinden unsere Branche zunächst mit Floristik oder Gartenplanung. Tatsächlich gestalten wir Lebensräume. Wir kommen auf die Baustelle, wenn das Gebäude fast fertig ist, und schaffen Außenanlagen, Parks und Gärten, in denen Menschen sich begegnen und wohlfühlen.“
Außerdem ermutigt sie ihre Auszubildenden regelmäßig, sich selbst für den BGL-Bildungspreis zu bewerben.
„Ich bin stolz auf meinen Weg und auf das, was wir als Familie und Unternehmen gemeinsam erreicht haben.“
Netzwerke als Erfolgsfaktor
Wie wichtig ist ein gutes Netzwerk für Sie?
Vivian Weißmüller: „Ein gutes Netzwerk ist für mich heute wichtiger denn je. Natürlich tauschen wir uns über Digitalisierung aus, vor allem aber über die aktuelle Marktlage, Herausforderungen im Unternehmeralltag oder Erfahrungen aus anderen Betrieben.
Viele Unternehmen beschäftigen dieselben Themen, aber nicht jeder spricht offen darüber. Genau deshalb sind der Verband und andere Netzwerke so wertvoll. Wer bereit ist, sich auszutauschen und voneinander zu lernen, profitiert langfristig – fachlich genauso wie persönlich.“
women@GaLaBau
Auf der internationalen Leitmesse GaLaBau in Nürnberg startet mit women@GaLaBau erstmals eine Plattform für weibliche Fach- und Führungskräfte der Branche. Vivian Weißmüller gehört zu den Speakerinnen.
Wie kam es dazu und was erwarten Sie von diesem neuen Format?
Vivian Weißmüller: „2025 war die NürnbergMesse mit einem Team bei uns im Betrieb zu Besuch. Damals entstand die Idee, dass ich mich bei einem solchen Format gerne einbringen würde.
Frauen stehen im Berufsalltag häufig vor anderen Herausforderungen als Männer. Deshalb freue ich mich besonders auf den Austausch: Wie haben andere Unternehmerinnen Familie und Beruf miteinander vereinbart? Wie behaupten sie sich auf der Baustelle, wo der Umgangston durchaus rau sein kann? Welche Erfahrungen machen sie als weibliche Führungskraft in einer männerdominierten Branche?
Ich bin überzeugt, dass wir Frauen im Garten- und Landschaftsbau voneinander lernen können. Wenn wir uns vernetzen und unsere Erfahrungen teilen, werden wir gemeinsam stärker.“
Mit ihrem Engagement als Unternehmerin, Ausbilderin und Speakerin möchte Vivian Weißmüller dazu beitragen, mehr junge Menschen – insbesondere Frauen – für den Garten- und Landschaftsbau zu begeistern. Ihr eigener Werdegang zeigt, wie vielfältig die Entwicklungsmöglichkeiten in der Branche sind und welchen Unterschied Weiterbildung, Zusammenhalt und der Mut machen können, Verantwortung zu übernehmen.
Linktipps:
Autorin: Katrin Block
Alle Fotos (sofern nicht anders angegeben): Garten- und Landschaftsbau Weißmüller GmbH & Co. KG











