KI wird so selbstverständlich
wie der Akkuschrauber

Wer heute über künstliche Intelligenz spricht, denkt oft an ChatGPT oder an die Sorge, dass Maschinen irgendwann den Menschen ersetzen. Im Garten- und Landschaftsbau sieht Dr.-Ing. André Pomp diese Entwicklung deutlich differenzierter. Der wissenschaftliche Mitarbeiter der Bergischen Universität Wuppertal baut derzeit gemeinsam mit dem Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (BGL) und seinen Landesverbänden eine branchenspezifische KI-Plattform für die Mitgliedsbetriebe auf.

„Künstliche Intelligenz wird definitiv kein Zukunftsthema bleiben, sondern ganz normal in den betrieblichen Alltag einziehen – wie jedes andere Werkzeug auch“, sagt Pomp. Für ihn ist genau das der entscheidende Punkt: KI sei kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug. Und Werkzeuge hätten den Garten- und Landschaftsbau schon immer verändert.

GaLaBau

Auf der Messe GaLaBau, die vom 15. bis 18. September in Nürnberg stattfindet, wird die neue GaLaBau-KI erstmals vorgestellt.

Das Handwerk bleibt unersetzlich

Für viele Unternehmer*innen stellt sich die Frage, ob KI Arbeitsplätze gefährdet. Pomp begegnet dieser Sorge mit einer klaren Einschätzung: „Die KI wird den GaLaBau nicht ersetzen, sondern sie wird die Betriebe an vielen Stellen sehr stark unterstützen können.“ Denn das eigentliche Kapital eines GaLaBau-Betriebes – handwerkliche Leistung und Baustellenerfahrung – lasse sich nicht so einfach digitalisieren. Gerade deshalb bewertet er die Entwicklung im Handwerk deutlich entspannter als in vielen klassischen Bürojobs.

Unterstützung statt Ersatz

Ganz ausschließen möchte Pomp technische Veränderungen dennoch nicht. Vor allem dort, wo Arbeiten stark standardisiert und körperlich belastend sind, werde Automatisierung künftig eine größere Rolle spielen: „Arbeiten, die sehr stark wiederkehrend sind, können durch Robotik unterstützt werden. Das sehen wir heute schon. Rasenmähroboter haben die Pflege an manchen Stellen bereits verändert.“

Auch Exoskelette könnten körperlich belastende Arbeiten in Zukunft erleichtern – eine Chance angesichts des Fachkräftemangels.

Warum gerade kleine Betriebe profitieren

Viele kleinere und mittelständische Unternehmen beobachten die Entwicklung noch mit Skepsis. Für sie wirkt KI oft wie ein Thema, das nur für große Konzerne mit eigener IT-Abteilung relevant ist. Genau das hält Pomp für ein Missverständnis: „Gerade für Kleinstbetriebe und kleinere Unternehmen kann KI Aufgaben übernehmen, für die heute schlicht die Zeit fehlt.“

Tagsüber auf der Baustelle, abends oder am Wochenende im Büro – diese Situation kennen viele Betriebsinhaber*innen. „Die meisten Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer versuchen unter der Woche auf den Baustellen zu sein und sitzen am Wochenende da und machen die ganze Büroarbeit.“ Genau hier könne KI enorme Entlastung schaffen.

ChatGPT Image, Gärtner mit Tablet

Künstliche Intelligenz unterstützt den Garten- und Landschaftsbau zunehmend bei Planung, Dokumentation und Organisation – das Handwerk bleibt dabei unverzichtbar. Foto: BGL, erstellt mit KI (ChatGPT, 17.07.2026)

„Die KI wird den GaLaBau nicht ersetzen, sondern sie wird die Betriebe an vielen Stellen sehr stark unterstützen können.“

Vom Angebot bis zum Social-Media-Beitrag

Die Einsatzmöglichkeiten beginnen nicht erst bei komplexen Softwarelösungen. Viele Anwendungen stehen bereits heute zur Verfügung. Pomp nennt zahlreiche Beispiele: Heutzutage unterstützt KI bereits beim Formulieren von Stellenanzeigen und Angeboten, bei Marketingtexten, Webseiten, Bewerberkommunikation oder der Wissenssuche. „Da kann ich überall heute schon sehr gut mit künstlicher Intelligenz unterstützen.“

Auch im Marketing sieht er großes Potenzial. So berichtet er von einem GaLaBau-Unternehmen, das hochwertige Poolanlagen baut. „Der Betrieb wollte, dass die Fotos seiner Pools lebendiger wirken. Mit KI wurden Menschen in die Bilder integriert. Plötzlich hatte der Betrieb innerhalb kürzester Zeit mehr als 30 Bildvarianten – ganz ohne Statisten.“

Der erste Ansprechpartner könnte künftig eine KI sein

Auch die Kommunikation mit Kund*innen wird sich verändern. Allerdings anders, als viele vermuten. Ein KI-gestützter Chatbot auf der Unternehmenswebseite könne künftig häufig gestellte Fragen beantworten oder Interessent*innen vorsortieren. „Das ersetzt vielleicht fünf oder sechs Telefonanrufe, die sonst im Betrieb eingehen würden.“

Die eigentliche Kundenbeziehung bleibe davon jedoch unberührt: „Niemand, der bereits Kontakt zum Geschäftsführer eines kleinen Betriebs hat, wird danach nur noch mit einem Chatbot sprechen.“

Kundenberatung 2.0

Auch die Kund*innen nutzen längst künstliche Intelligenz – und das verändert die Beratung. „Ein Kunde oder eine Kundin bekommt heute ein Angebot, lädt es in ChatGPT hoch und fragt, ob die Preise angemessen sind oder ob alle Leistungen enthalten sind“, beschreibt Pomp eine Entwicklung, die viele Unternehmen bereits beobachten. „Das KI-System kann jedoch veraltet sein. Neue Normen kennt es möglicherweise noch gar nicht, und die Preise kommen eventuell aus anderen Regionen. Das weiß der Kunde aber nicht.“ Gerade hier sieht Pomp die Chance für echte Fachbetriebe: Fachwissen allein reicht künftig nicht mehr aus. Es muss auch verständlich vermittelt werden.

„KI wird nicht mehr weggehen. Sie wird ein Werkzeug sein wie jedes andere Werkzeug, das man künftig sinnvoll nutzen kann.“

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Immer mehr Kundinnen und Kunden nutzen KI, um Ideen für ihre Gartengestaltung zu entwickeln – die fachliche Beratung durch den GaLaBau-Betrieb bleibt dabei entscheidend. Foto: BGL, erstellt mit KI (ChatGPT, 17.07.2026)

KI muss erlebbar werden

Warum also zögern viele Betriebe noch? Pomp glaubt, dass es weniger an der Technik als an der Unsicherheit liegt. „Die Menschen müssen Stück für Stück an das Thema herangeführt werden. KI ist kein Hexenwerk.“ Deshalb seien niedrigschwellige Angebote besonders wichtig. „Workshops und praktische Anwendungen helfen dabei, Berührungsängste abzubauen und einfach auszuprobieren.“

Mitarbeiter*innen mitnehmen statt überrollen

Kaum ein Thema sorgt im Zusammenhang mit KI für so viele Diskussionen wie die Sorge der Beschäftigten. Pomp hält diese Ängste für nachvollziehbar – warnt aber davor, KI ohne Einbindung der Beschäftigten einzuführen. „Die größte Gefahr besteht darin, KI einfach über die Mitarbeiter*innen zu stülpen.“

Von Anfang an müsse klar sein, welchen Zweck die KI verfolgt: „Das Team muss verstehen, dass KI seiner Entlastung dient.“ Dabei dürfe man auch nicht verschweigen, dass neue Werkzeuge zunächst zusätzlichen Aufwand verursachen. „In den ersten Wochen bedeuten neue Systeme oft sogar mehr Arbeit. Erst wenn man gelernt hat, damit umzugehen, entsteht die eigentliche Entlastung.“

Die neue GaLaBau-KI

Das aktuelle Projekt von Dr. André Pomp verbindet all diese branchenspezifischen Fragestellungen und bietet eine Lösung. Gemeinsam mit dem BGL und seinen Landesverbänden entsteht derzeit eine branchenspezifische KI, die speziell auf die Bedürfnisse der Mitgliedsbetriebe zugeschnitten ist. Anders als frei verfügbare Sprachmodelle soll sie auf verlässliche branchenspezifische Informationen zurückgreifen und die Besonderheiten des Garten- und Landschaftsbaus berücksichtigen. Erstmals vorgestellt wird die GaLaBau-KI auf der Messe GaLaBau 2026 in Nürnberg. Dort können Besucherinnen und Besucher sich einen Eindruck verschaffen, wie sie Betriebe künftig im Arbeitsalltag unterstützen soll.

Für Pomp ist klar: „KI wird nicht mehr weggehen. Sie wird ein Werkzeug sein wie jedes andere Werkzeug, das man künftig sinnvoll nutzen kann.“

Pomp André Juli 2026

Dr.-Ing. André Pomp ist Forschungsbereichsleiter am TMDT der Bergischen Universität Wuppertal. Er forscht an datenbasierten Systemen, insbesondere im Bereich der Künstlichen Intelligenz und großer Sprachmodelle. Dabei liegt ein Schwerpunkt darauf, Daten und Informationen verständlicher, besser auffindbar und praxisnah nutzbar zu machen. Diese Expertise bringt er in anwendungsnahe Projekte ein, unter anderem in den Bereichen Handwerk und Smart City. Zusammen mit seinem Team verantwortet er die Entwicklung der GaLaBau-KI.

Foto: Thomas Schürmann, TMDT

Autorin: Christina Steinsträßer

Carsten Peters2026-07-29T08:01:14+02:00
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