Immer wieder fallen vitale Bäume Neu- oder Erweiterungsbauten zum Opfer. Dabei spielen sie im urbanen Bereich eine wichtige Rolle beim Klimaschutz. Dass es auch anders geht, stellt ein Familienbetrieb aus Heideck täglich unter Beweis. Die Opitz GmbH & Co. KG hat sich seit den Anfängen auf Großbaumverpflanzung spezialisiert. Mit wachsendem Erfolg.
„Einen alten Baum verpflanzt man nicht“, lautet ein bekanntes Sprichwort. Doch genau das gehört bei Opitz zum Geschäftsmodell: Der Garten- und Landschaftsbaubetrieb im fränkischen Seenland hat sich auf die Verpflanzung von großen Bäumen spezialisiert — und besetzt damit eine zunehmend beachtete Nische im GaLaBau. Anfangs wurde Gründer Dieter Opitz noch als Spinner bezeichnet. In den 1970er Jahren war die Großbaumverpflanzung unbekannt.
In einer Garage fing alles an
Was Dieter Optiz damals antrieb, war eine tiefe Liebe zur Natur, eine Begeisterung für Technik und die Vision, Werkzeuge und Maschinen für die Arbeit im GaLaBau zu optimieren. Der ausgebildete Landschaftsgärtner gründete 1964 seinen eigenen Betrieb. Schließlich kam es während einer Reise in die USA zur Initialzündung: Dort sah Opitz Maschinen, die große Bäume verpflanzen konnten. Zurück in Deutschland tüftelte er in der Garage seine erste Pflanzmaschine aus Schrottteilen zusammen. Die Entwicklung leistungsfähiger Maschinen war teuer und aufwändig. 1971 war es endlich so weit: Mit einem eigenen Fertigungsbetrieb erstellte Opitz seine erste Rundspatenmaschine und zeigte sie auf der GaLaBau-Messe, damals in Berlin. Die Branche staunte.
Die von Opitz entwickelten Maschinen können Bäume mit einem Wurzelballendurchmesser von drei Metern verpflanzen. Größere Bäume erfordern eine Kranmethode.
„Große Bäume bringen mehr Struktur in Planungen.“
Kundennähe ist Teil des Erfolgsrezepts
Der intensive Austausch mit den Kund*innen und die große Innovationsbereitschaft ließen die Opitz-Maschinen zunehmend leistungsfähiger werden. Immer größere Bäume konnten verpflanzt werden. Schließlich weitete sich der Vertrieb der Opitz GmbH & Co. KG über ganz Deutschland aus. 2001 übergaben Dieter und Helga Opitz ihre Firma an ihre älteste Tochter Heike. Zusammen mit ihrem Mann Tom Braam übernahm sie die Geschäftsführung. Die ausgebildete Kauffrau und Steuerfachangestellte kennt den Betrieb von klein auf: „Ich bin damit aufgewachsen. Die ganzen Themen habe ich bei uns jeden Tag am Küchentisch verfolgt“, erinnert sie sich. Ihr Vater sei ständig mit seinen Maschinen beschäftigt gewesen, habe aber auch einen Blick für das Gestalterische gehabt. Große Bäume bringen mehr Struktur in Planungen, fand er.
Baumverpflanzung: Nachfrage in Städten steigt europaweit
Mit dem steigenden ökologischen Bewusstsein stieg auch die Nachfrage der Großbaumverpflanzung. Deshalb suchte die Opitz GmbH & Co. KG regionale Partnerschaften. „Die Verpflanzung ist das Eine“, erklärt Heike Braam, „aber Vorbereitung und Nachsorge müssen nach einem bestimmten System ablaufen.“ Damit die verpflanzten Bäume bestmögliche Wachstumsbedingungen erhalten, habe der Betrieb ein hochwertiges Konzept für die Nachsorge entwickelt, erläutert Sohn Ron. Dazu gehören Rehabilitationszone, Kronenschnitt, Verankerung, Wachstumsförderung, Wurzel- und Entwicklungshilfen. Entscheidend ist eine ausreichende Wassergabe nach der Verpflanzung. Um diese zu gewährleisten, arbeitet Opitz in der Firmenregion mit drei Teams und speziellen Bewässerungsfahrzeugen. „Ein verpflanzter Baum ist wie ein Patient, um den man sich kümmern muss“, weiß Heike Braam. Im Fall von entfernteren Einsatzorten übernehmen Partnerbetriebe die Nachsorge nach dem Opitz-Konzept.
Opitz setzt auf drei Säulen: Verpflanzung, Nachsorge und Pflege.
„Die Verpflanzung ist das Eine, aber Vorbereitung und Nachsorge müssen nach einem bestimmten System ablaufen.“
Auch die Größtbaumverpflanzung gehört zum Angebot
Inzwischen arbeiten auch die Braam-Söhne Wim und Ron im Familienbetrieb. Ron bringt einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund mit ein und übernimmt schrittweise Tätigkeiten wie Einsatzplanung oder Angebotserstellung von Vater Tom. Wim ist ebenso technikbegeistert wie sein Großvater und verantwortet den Maschinenbereich. 2016 hat er eine neue Methode entwickelt, mit der durch eingesetzte Kräne noch größere Bäume als bisher verpflanzt werden können. Gerade in Zeiten, wo Städte dringend Klimaschutzkonzepte brauchen, kommt großen Bäumen eine besondere Rolle zu. Allerdings sind technische Grenzen gesetzt: Bei Großbaumverpflanzungen können Bäume liegend von einem Standort zum anderen transportiert werden, bei Größtbaumverpflanzungen nur stehend. Das schränkt den Radius ein. Zudem dauert eine normale Baumverpflanzung maximal zwei Stunden, eine Größtbaumverpflanzung hingegen rund zwei Wochen. Aufträge kommen überwiegend aus dem öffentlichen Sektor oder von Unternehmen. Aber auch private Anfragen gibt es, etwa wenn bei einem Umzug der Lieblingsbaum mit auf das neue Grundstück soll.
GaLaBau-Betriebe als wichtige Partner
Längst ist Opitz auch international ein gefragter Spezialist. Länderübergreifende Partnerschaften bestehen unter anderem in Frankreich, Italien und Schweden. Befragt zu den bisher spektakulärsten Projekten nennt Heike Braam die Baumverpflanzungen an der S-Bahnstrecke in München, Marienplatz. Hierfür holte das Opitz-Team große Bäume aus der Münchener Innenstadt und brachte diese zur städtischen Baumschule. „In den Fachabteilungen der Kommunen ist nicht immer bekannt, dass man große Bäume auch verpflanzen kann, anstatt sie zu fällen“, bedauert Heike Braam. Auch seien die Kosten einer Großbaumverpflanzung im Verhältnis zu denen eines Ankaufs in der Baumschule günstiger. Zudem ist die Klimaleistung eines großen Baums signifikant größer. Hier kann auch die Zusammenarbeit mit GaLaBau-Betrieben ein wichtiger Hebel sein, betonen beide. Denn diese verfügten über Know-how, um in Kundengesprächen die Möglichkeit von Baumverpflanzungen ins Spiel zu bringen.
Was Großbäume leisten
Um die Wirkungen eines Altbaumes mit einem Kronendurchmesser von etwa 20 Metern hinsichtlich seiner Umweltleistungen wie Luftfilterung, Beschattung, Kühlung und CO2-Speicherung zu ersetzen, braucht man knapp 400 Jungbäume. (Andreas Roloff, Professor für Forstbotanik an der TU Dresden)
Alle Fotos: Martin Rottenkolber
Autorin: Conny Frühauf




















