Guided Tour in die „Zukunft“
mit Landschaftsarchitektin Mirja Gula

Es ist der 15. September 2026, kurz nach 9 Uhr, und gerade haben sich die Tore zur internationalen Leitmesse GaLaBau in Nürnberg geöffnet. Die „Zukunft grüner LebensRäume“ in Halle 3A füllt sich langsam mit Menschen, Rollkoffern, Stimmen. Hier liegt der Geruch von frischen Pflanzen, feuchter Erde und gesägtem Holz in der Luft. An einigen Stellen glänzen Bodenflächen noch leicht vom letzten Wischen, daneben spiegelt sich der Gast in einer großen Wasserfläche. Irgendwo verschwindet ein Techniker mit Kabelbindern in einem Tiny House.

Mirja Gula

Für die 26. GaLaBau-Messe im September 2026 in Nürnberg entwickelt die erfahrene Landschaftsarchitektin und -gärtnerin Mirja Gula (Thomas Heumann GmbH) zum fünften Mal den BGL-Auftritt „Zukunft grüner LebensRäume“. Foto: Privat

„Die Leute sollen sich hier willkommen fühlen. Nicht wie auf einem Messestand. Sondern an einem Ort, der viele Plätze anbietet, wo man gerne bleibt.“

Es ist fertig geworden, „just in time“. Landschaftsarchitektin und Projektleiterin Mirja Gula steht am Hauptzugang des Messeauftritts „Zukunft grüner LebensRäume“ des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (BGL) und schaut für einen Moment einfach nur auf die Fläche – das Ergebnis starken Teamworks von BGL, Skupin Design, Thomas Heumann Gartenanlagen und über 20 Sponsor*innen. Nach Monaten der Planung, unzähligen Abstimmungen und den letzten hektischen Stunden in der Nacht davor ist jetzt „Premiere“. Wie werden die Menschen auf den Auftritt reagieren?

GaLaBau

Ankommen in der Zukunft

Sie bleiben tatsächlich stehen: Wer vom Eingang Ost kommt, läuft nicht einfach vorbei. Der Blick wird sofort nach links gezogen, zu dieser großen grünen Landschaft, die scheinbar direkt aus dem Hallenboden wächst und sich bis auf Dächer und Fassaden erstreckt. Pflanzen ziehen sich vertikal nach oben, verschwinden in einer zweiten Ebene, rahmen Wege und Aufenthaltsorte ein. Der Stand wirkt weniger wie eine Messefläche als wie ein grüner Ausschnitt einer Stadt. Einer ruhigeren und vor allem lebenswerten Stadt. „Genau dieses Innehalten wollte ich erreichen“, sagt Gula, während die ersten Gäste eintreten. „Dass Menschen hier kurz durchatmen, bleiben wollen.“

Lageplan Messe

Der Messestand des BGL auf der GaLaBau 2026. Skizze: Thomas Heumann GmbH

Begegnung im Quartier von morgen

Rechts glitzert eine Wasserfläche. Dahinter erhebt sich der Taxodium, eine acht Meter hohe Sumpfzypresse, die wie ein natürlicher Orientierungspunkt über dem gesamten Raum steht. Darüber laufen erste Bilder auf der Videowand. Noch sind die Geräusche gedämpft: Wasser, leises Stimmengewirr, Kaffeemaschinen, Schritte auf unterschiedlichen Bodenbelägen. Der Stand klingt anders als der Rest der Messe. Weniger hart, weniger hektisch.

Vor der Piazza bleiben zwei Besucherinnen stehen und schauen nach oben. Über der Theke scheint ein Tiny House mit Dachgarten-Lounge beinahe zu schweben. Vor ihnen öffnet sich der große Marktplatz mit Gastronomie, Sitzflächen und Beratungsbereichen.

„Genau dieses Innehalten wollte ich erreichen. Dass Menschen hier kurz durchatmen, bleiben wollen.“

GaLaBau 2024

Wie sich die Zukunft anfühlen könnte

„Die Leute sollen sich hier willkommen fühlen“, sagt Gula. „Nicht wie auf einem Messestand. Sondern an einem Ort, der viele Plätze anbietet, wo man gerne bleibt.“ Und tatsächlich verändern sich Tempo, Luftqualität, Raumgefühl spürbar, sobald man die Fläche betritt. Die Wege verlaufen nicht schnurgerade. Der Boden wechselt kontinuierlich seine Struktur: wassergebundene Decken, offenporige Beläge, Beton, Naturstein, wiederverwertete Materialien, ausschließlich aus Europa, die auf das so wichtige Thema Entsiegelung einzahlen. Die Wegeverbindungen führen immer wieder auf offene Flächen und zu Orten, die zum Innehalten einladen. Manche Besucher*innen schauen automatisch nach unten, bleiben kurz stehen, testen die Oberflächen mit den Füßen. Ein Mann streicht mit der Hand über das Pflaster.

„Manchen Menschen sieht man an, dass sie hier gern die Schuhe ausziehen würden, um die verschiedenen Materialien unter den Füßen zu spüren.“

Zwei Frauen diskutieren über die Wabenstruktur einer Fläche. Andere suchen sich bereits Sitzplätze an der Wasserkante. „Manchen Menschen sieht man an, dass sie hier gern die Schuhe ausziehen würden, um die verschiedenen Materialien unter den Füßen zu spüren“, sagt Gula und lacht. Man merkt ihr die Freude darüber an, dass die Fläche jetzt endlich lebt und gut bei den Menschen ankommt. Denn genau darauf zielt das Konzept: Klimaanpassung nicht erklären, sondern erlebbar machen.

Grün und Blau – ein lebendiges Ganzes

Das zeigt sich besonders rund um den Taxodium: Der mächtige alte Baum durchbricht kraftvoll den Belag des Stadtplatzes. „Eindrücklich und klar zeigt sich hier, was zu unseren zentralen Aufgaben gehört: Entsiegelung zu denken und zu gestalten“, so Gula. Den Platz begleiten bepflanzte Retentionsflächen und angedeutete Wasserläufe, die die Entsiegelung erlebbar machen.

Das „Blaue Band“ zieht sich von dort weiter über den gesamten Stand. Wasser, Pflanzen und Aufenthaltsflächen greifen ineinander. Grün und Blau werden hier nicht getrennt gedacht, sie bilden ein lebendiges, organisches Ganzes. „Mein Lieblingsort?“ Mirja Gula überlegt nur kurz: „Bevor ich am Abend den Messestand verlasse, werde ich auf die Empore nebenan gehen, nochmal runterschauen, durchatmen.“

Perspektiven verändern

Während sich die Piazza langsam füllt, wandern die ersten Blicke nach oben. Besucher*innen entdecken die begrünte Dachlandschaft, Menschen lehnen bereits an Geländern oder sitzen auf der „Dachlounge“ unterm Sonnenschirm. Bei denen unten geht der Blick nach oben, und schnell ist der Wunsch da: Da möchte ich hinauf.

„Mein Lieblingsort? Bevor ich am Abend den Messestand verlasse, werde ich auf die Empore nebenan gehen, nochmal runterschauen, durchatmen.“

GaLaBau 2024

In der Dachlounge auf dem Tiny House lässt es sich wunderbar entspannen.

Oben verändert sich die Perspektive erneut. Erst von dort wird die eigentliche Idee des Standes erkennbar: die Verzahnung aller Ebenen. Flächen wie kleine Pocket-Parks, Fassadengrün, Tiny Houses, ein Bereich für das Thema Mobilität, Wasserflächen und Aufenthaltsräume wirken nicht wie Einzelobjekte, sondern wie Bestandteile eines zusammenhängenden Stadtraumes. Links öffnet sich der Blick auf eine kleine Sauna mit Pool. Daneben Loungeflächen, Pflanzmöbel und ein Rückzugsbereich mit eleganten Sitzgelegenheiten, wie im Sterne-Hotel.

Unten auf der Piazza laufen inzwischen die ersten Gespräche. Menschen bleiben deutlich länger stehen als auf anderen Messeflächen. Einige fotografieren das Fassadengrün, andere diskutieren über wasserdurchlässige Beläge oder klimaresiliente Bepflanzung.

Die perfekte Lösung ist immer ein Mix

Für Gula ist genau das der entscheidende Moment. „Mich überrascht und freut immer wieder, wie viele Menschen in dieser Branche trotz der aktuell schwierig erscheinenden Rahmenbedingungen und schlechter Nachrichten ständig weiter mutig an Lösungen arbeiten“, sagt sie. „Nicht als grünes Feigenblatt. Sondern ernsthaft, beharrlich, auch gegen politische Widerstände. Jetzt erst recht.“

Sie spricht über Entsiegelung, regionale Materialien, klimaangepasste Pflanzen und die Notwendigkeit, Orte genauer anzuschauen und zu lesen, statt überall dieselben Lösungen anzuwenden. „Es gibt nicht die eine Lösung, es ist immer ein Mix“, sagt sie. „Unsere Stärke im GaLaBau ist doch gerade das – dieser Mix aus Fachwissen zu Grün, Wasser, Material, Erfahrung und neuen Ideen. Nur unsere Branche bringt das alles zusammen.“

Ein vielfältiges Stadtleben, wie ein Mikrokosmos

Die „Zukunft grüner LebensRäume“ erzählt davon: von einer Haltung, Städte klimaresilienter, lebenswerter und menschlicher umzubauen – pragmatisch, aber auch technisch anspruchsvoll und zugleich am Menschen orientiert. Dazu passen auch der Standbereich, in dem die BAMAKA in einem „Baustellen-Stillleben“ berät, daneben das TinyHouse mit Wallbox und E-Mobilität und die große Sommerarkade. Ein vielfältiges Stadtleben auf insgesamt 1.600 Quadratmetern, wie ein eigener Mikrokosmos.

In der Fotobox auf dem BGL-Stand haben Besucher*innen die Möglichkeit, ihr eigenes Kampagnenfoto zu schießen. Darüber hinaus wird es einen Selfie-Wettbewerb geben, bei dem die Gewinner*innen einen Zuschuss zu ihrem Betriebsfest erhalten. Fotos: BGL

Der Zauber des Moments

Später, wenn die Halle voller wird, wird es auf der Piazza lauter werden. Viel mehr Menschen werden sich an der Wasserkante treffen, Vorträge im GaLaBau Experten-Forum von bekannten Köpfen aus Wissenschaft und Praxis verfolgen, emotionale Ehrungen miterleben, durch die Tiny Houses spazieren, in der Fotobox ihr persönliches „Stadtgrün-Helden“-Porträt machen lassen oder von oben über die Fläche schauen.

Doch jetzt, in diesen ersten morgendlichen Minuten des ersten Messetages, liegt über allem noch etwas anderes: Der Zauber des Moments, in dem eine Idee zum Leben erwacht.

Um diesen Beitrag ansprechend zu illustrieren, haben wir Fotos von der "Zukunft grüner LebensRäume" 2024 verwendet. Der neue BGL-Auftritt wird erst kurz vor Eröffnung der GaLaBau sichtbar werden.

Alle Fotos, sofern nicht anders angegeben: BGL/Karmann
Autorin: Katrin Block

Carsten Peters2026-07-01T09:55:51+02:00
Nach oben