Ranga Yogeshwar wird am 15. September 2026 die GaLaBau, die „Internationale Leitmesse für Urbanes Grün und Freiräume“ in Nürnberg eröffnen. Viele Menschen kennen den Astrophysiker und Wissenschaftsjournalist aus Formaten wie „Quarks & Co.“, „W wie Wissen“ oder „Die große Show der Naturwunder“, aber auch als Bestsellerautor und Talkshow-Gast.
Herr Yogeshwar, wie stellen Sie sich selbst vor?
Ranga Yogeshwar: Ich bin Opa.
Ich habe vier Enkel, und das führt dazu, dass ich noch viel mehr über Zukunft nachdenke als vorher: Wie sieht die Welt von morgen aus? Mit vier Enkeln hat diese Fragestellung eine sehr emotionale Komponente. Das ist nicht mehr ein theoretisches Gedankenspiel. Zukunft heißt Gegenwart für meine Enkelkinder. Ich empfinde eine starke Empathie für diese Generation.
Ich komme mal über den Garten rein, denn Sie haben einen.
Gibt es einen Lieblingsort in Ihrem Garten, und was tun Sie dort gern?
Ranga Yogeshwar: Wenn ich jetzt hier aus dem Büro rausgehe, dann trete ich auf eine kleine Terrasse und gucke in unseren Garten. Wenn ich das Interview dort führen würde, dann würden Sie mich fragen: Sind Sie gerade im Wald? Dort hört man Vögel, und ich bin von viel Grün umgeben. In einer Welt, die sich massiv verändert und manchmal sehr laut ist, ist der Garten nicht nur ein Rückzugsort, sondern vielleicht sogar ein Stabilisator, ein Ausgleich.
Nachts im Garten
Ich habe von einem etwas ungewöhnlichen Lieblingsort in Ihrem Garten gehört, einer Sternwarte. Wie kam es dazu?
Ranga Yogeshwar: Das war in meinem sehr dichten Arbeitsalltag schon immer ein Rückzugsort für mich. Warum im Garten? Ich wohne ländlich, hier ist es nachts sehr dunkel. Beste Voraussetzung für wirklich gute Sicht!
Meine Sternwarte ist offiziell anerkannt, denn sie misst ganz genau. Als Astrophysiker finde ich es spannend, selbst nach Planeten zu schauen, zu messen oder Aufnahmen zu machen. Das kann ich dann tun, wenn alle anderen schlafen, und das war immer kompatibel mit meinem Terminkalender. Nachts in die Sterne zu gucken, wenn das Wetter es erlaubte, das ging immer.
Wenn ich die Nacht im Garten verbringe, dann merke ich, was da los ist: Da kommen Eulen vorbeigeflogen, und wenn sich das Auge an diese Dunkelheit gewöhnt hat – was übrigens 15 Minuten dauern kann –, dann sehen wir plötzlich viel mehr Sterne.
„Ich habe hier im Garten ein Eichhörnchenpaar, denen ist völlig egal, was die US-amerikanische Politik momentan macht oder was in der Straße von Hormus abgeht. Das ist eine andere Welt, und die ist sehr wohltuend.“
Trägt Ihr Garten auch Ihre Handschrift? Oder engagieren Sie eine*n Landschaftsgärtner*in?
Ranga Yogeshwar: Meine Frau ist diejenige mit dem grünen Daumen – viel mehr als ich. Ich bin im Garten eher für die niederen Tätigkeiten zuständig. Aber wir machen das natürlich zusammen.
Wir haben auch einen großen Teich, der nicht mit Chemie oder riesigen Filteranlagen betrieben wird. Den Teich hat ein Landschaftsgärtner umgestaltet, das hätte uns überfordert. Das Ziel war, ihn möglichst naturbelassen zu gestalten. Es ist also kein steriler, dekorierter Teich. Und ich finde es immer wieder sensationell zu sehen, was da alles lebt, zum Beispiel Ringelnattern. Wir wohnen in der Natur, wenn man hier rausgeht, ist man auf den Feldern oder mitten im Wald.
Für mich ist Natur vor allem überraschend, sie lässt sich nicht in menschliche Kategorien pressen.
Ein Plädoyer für (mehr) Grün in der Stadt
Sie werden die 26. Messe „GaLaBau“ in Nürnberg eröffnen. Was interessiert Sie an dieser Aufgabe – und an der Branche?
Ranga Yogeshwar: Ich denke, dass sich unser Verhältnis zu Garten und Landschaft gerade verändert. Vor 100 Jahren hatten viele Menschen einen Nutzgarten, der tatsächlich für ihre Ernährung essenziell war. Auch ich kenne so etwas noch aus meiner Kindheit.
Heute findet der Alltag vieler Menschen an und auf Bildschirmen statt, in einer Welt von überwältigender Künstlichkeit, alles ist synthetisch. Immer öfter wissen wir nicht mehr: Was stimmt, was stimmt nicht – was ist noch echt? Da brauchen wir eine „Erdung“, als Gegengewicht – im Garten, in der Landschaft.
In meinem Garten habe ich ein Eichhörnchenpaar, denen ist völlig egal, wie die US-Politik gerade agiert oder was in der Straße von Hormus abgeht. Das ist eine andere Welt, und die ist sehr wohltuend.
Stellen Sie sich vor, sie sind heute irgendwo in einer Shopping Mall, da können Sie gar nicht mehr unterscheiden, wo Sie gerade sind: Sie wissen nicht mehr, in welcher Stadt Sie sind. Sie merken nicht, ob Winter oder Sommer ist.
Und dann kommen Sie in einen Garten, und Sie merken, wie sich Tages- und Jahreszeiten verändern, wie aus dem Grau plötzlich Grün wird. Im Garten und in der Natur, da passiert etwas, ohne dass ich die Kontrolle darüber habe. Das läuft nach ganz anderen, natürlichen Gesetzmäßigkeiten, und ich bin ein Teil davon.
„In welcher Zeit wollen Sie leben? Ich bin überzeugt, die Antwort ist schnell: 'im Hier und Jetzt'. Denn es gab nie eine Generation vor uns, der es so gut ging, wie uns heute.“
Eine Frage der Perspektive
Sie haben eingangs erzählt, dass Sie sich oft fragen, wie die Welt künftig aussieht, als Wissenschaftler, aber vor allem als Opa. Was denken Sie: Wie werden wir 2100 leben?
Ranga Yogeshwar: Wenn ich mit meinen Enkeln in unserem Garten zuschaue, wie sich die Bienen am Lavendel erfreuen und den Nektar aufsaugen, dann glaube ich: Das wird in 100 Jahren noch so sein. Und das war auch vor 100 Jahren so.
Ich glaube aber auch, wir brauchen einen Perspektivwechsel. Also schauen wir mal in die Geschichte, 200 oder 100 Jahre zurück: In welcher Zeit wollen wir denn leben? Ich bin überzeugt, die Antwort lautet dann schnell: „im Hier und Jetzt“. Denn es gab nie eine Generation vor uns, der es so gut ging, wie uns heute.
Jede Zeit hat ihre Herausforderungen – unsere auch. Wie werden wir 2100 leben? Ich denke in Städten, die grün sind, denn das sind Städte, in denen wir uns wohlfühlen. Grüne Städte haben bessere Luftqualität; Grün dämpft Geräusche und trägt zur Gesundheit bei. Natürliches Grün ist ein echter Cooling- und Wellbeing-Faktor für aufgeheizte Städte.
Wenn Sie den Gästen der Welcome-Veranstaltung aus dem Garten- und Landschaftsbau eine konkrete Botschaft oder einen Appell mitgeben können:
Was könnte das sein?
Ranga Yogeshwar: Wer die Nachrichten sieht, der hat oft das Gefühl, wir stehen kurz vor dem Untergang. Das entspricht aber nicht der Realität. Übertreibung ist Teil des medialen Geschäftsmodells.
Wie beim Fernsehen mit der Fernbedienung in der Hand kann ich dieses dystopische Programm einschalten, und alles scheint verloren. Oder ich kann umschalten und sagen: Okay, natürlich gibt es Herausforderungen, aber es gibt auch viele schöne Dinge und Chancen.
Zuversicht ist eine Frage der inneren Haltung. Ich entscheide, wie meine Perspektive auf den Tag und auf die Welt ist. Und sie ist so, wie ich das will.
Literatur
- Website von Ranga Yogeshwar
- Autor von: Nächste Ausfahrt Zukunft. Geschichten aus einer Welt im Wandel. Kiepenheuer & Witsch (2019).
- Aktueller Buchtipp von Ranga Yogeshwar: Christopher Clark: Die Schlafwandler. Wie Europa in den ersten Weltkrieg zog. Pantheon (2015).

Ranga Yogeshwar (67) ist einer der führenden Wissenschaftsjournalisten in Deutschland. Er hat Astrophysik und Experimentelle Elementarteilchenphysik studiert, hat die Ehrendoktorwürde der Universität Wuppertal, das Bundesverdienstkreuz der BRD (und viele andere Auszeichnungen) und lebt im Rhein-Sieg-Kreis. (Foto: HGEsch/Ranga Yogeshwar)
Vita: Ranga Yogeshwar
- wurde in Luxemburg als Sohn eines indischen Ingenieurs und einer luxemburgischen Künstlerin geboren
- verbrachte seine frühe Kindheit überwiegend in Indien
- studierte Experimentelle Elementarteilchenphysik und Astrophysik und arbeitete am Schweizer Institut für Nuklearforschung (SIN), am CERN in Genf und am Forschungszentrum Jülich
- begann seine journalistische Laufbahn bei Verlagen, es folgten Hörfunk und Fernsehen
- wurde Redakteur beim WDR Köln und leitete später das Ressort Wissenschaft
- entwickelte und moderierte TV-Sendungen wie „Kopfball“ (ARD), „Quarks & Co“ (WDR) und „Die große Show der Naturwunder“ (ARD)
- schreibt regelmäßig Beiträge in führenden Zeitungen und ist gern gesehener Experte in zahlreichen Talkshows
- ist bekannt als Autor von Büchern wie „Sonst noch Fragen?”, „Ach so!“ oder „Nächste Ausfahrt Zukunft“ – Bestseller, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden
- erhielt über 60 Fachpreise und wurde vielfach ausgezeichnet, zum Beispiel mit der Ehrendoktorwürde der Universität Wuppertal, dem Bundesverdienstkreuz der BRD, dem Verdienstorden des Landes NRW und dem Ordre de Mérite du Grand-Duché de Luxembourg
Interview: Katrin Block










