Auch mit schwerem Gerät ist Landschaftsgärtner Steffen Kapfer aus Aalen leise unterwegs: Seine Baumaschinen arbeiten elektrisch. Damit, sagt er, sei er noch ein Exot in der Branche – trotz der vielen Vorteile von Elektrobaumaschinen. Er rät: Einfach mal ausprobieren!
Herr Kapfer, Sie arbeiten mit E-Bagger und E-Radlader und sind überzeugt von Ihren Maschinen.
Steffen Kapfer: Ja, mit Elektrobaumaschinen zu arbeiten, ist wesentlich komfortabler. Sie verursachen keine Abgase und keinen Lärm und haben niedrige Betriebskosten.
Dennoch gibt es in der Branche weiterhin viele Vorbehalte gegen Elektrobaumaschinen. Warum?
Steffen Kapfer: Das liegt vor allem daran, dass das Wissen und die Erfahrungen fehlen. Es sind viele Ängste da: Dass die Maschinen nicht funktionieren, wenn sie gebraucht werden, dass die Akkus sofort leer sind.
Ein bisschen mehr Planung nötig
Was entgegnen Sie dem?
Steffen Kapfer: Ich zeige, dass es funktioniert. Und spreche mit den Kolleg*innen darüber. Es passiert nicht, dass der Akku plötzlich leer ist. Der einzige Unterschied zu Dieselmaschinen ist, dass ich mehr planen muss. Vor allem beim Bagger muss ich daran denken, ihn aufzuladen, wenn er den ganzen Tag im Einsatz ist. Ansonsten ist es wie bei Dieselmaschinen: Eine Anzeige zeigt, wie voll der Akku noch ist. Der ist nicht von jetzt auf gleich leer.
Kein Lärm, keine Abgase, niedrige Betriebskosten: Steffen Kapfer ist überzeugt von seinen Elektrobaumaschinen.
„Der Akku des Radladers reicht bei mir eine Woche.“
Beim Absteigen Energie sparen
Mit einer Akku-Ladung kommen Sie also gut durch den Baustellen-Tag?
Steffen Kapfer: Auf jeden Fall. Der Akku des Radladers reicht bei mir sogar eine Woche. Den Radlader brauche ich im Durchschnitt ein bis zwei Stunden am Tag. Nach sechs bis acht Stunden Arbeit mit einer Akku-Ladung hänge ich ihn eine Nacht an die Steckdose – auf meinem Betriebshof oder auch beim Kunden –, und am nächsten Morgen ist der Akku wieder voll. Ein weiterer Unterschied zum Diesel: Wenn ich die E-Baumaschinen auf der Baustelle mal kurz nicht brauche, schaltet sich der Motor komplett ab. Denn ein Elektromotor muss sich nicht drehen, um betriebsbereit zu bleiben.
Weniger Leerlauf, weniger Verschleiß
Oft ist es im Baustellenablauf so, dass man mal eben vom Bagger absteigt. Beziehungsweise denkt man, man steigt kurz ab, und dann ist doch plötzlich eine halbe Stunde rum. Der Dieselbagger läuft so lange weiter. Meine Elektrobaumaschinen dagegen brauchen im Stillstand keine Energie.
Dadurch haben sie wesentlich weniger Leerlaufzeiten.
Steffen Kapfer: Richtig. Und der Verschleiß ist geringer, es stehen weniger Stunden auf der Uhr. Jede Baumaschine hat einen Betriebsstundenzähler, der anzeigt, wann die Maschine wieder gewartet werden muss. Der läuft beim Diesel immer weiter, bei den Elektrobaumaschinen nicht.
Elektrobaumaschinen rechnen sich
Im Betrieb arbeiten Elektrobaumaschinen also wirtschaftlicher als Diesel-Modelle. Aber die Anschaffungskosten sind viel höher. Rechnet sich der Kauf trotzdem?
Steffen Kapfer: Für den Kauf des E-Radladers habe ich eine Förderung über ein Bundesprogramm bekommen, deshalb waren die Anschaffungskosten nicht höher als für eine Dieselmaschine (Anmerkung der Redaktion: siehe Infokasten). Der E-Bagger wurde nicht gefördert, der war bestimmt ein Drittel teurer als ein Dieselbagger. Aber am Ende wird der Kauf sich rechnen, weil ich viel geringere Betriebskosten habe. Ich habe praktisch keine Wartungskosten mehr. Der E-Bagger arbeitet viel effizienter als ein Dieselbagger. Und Strom ist wesentlich günstiger als Diesel. Die Preise steigen ja gerade zurzeit wieder stark an. Ich habe außerdem eine Photovoltaik-Anlage auf dem Betriebsgebäude. Damit lade ich meine Elektrobaumaschinen meistens. Durch Elektromobilität macht man sich wesentlich unabhängiger.
Mobile Ladelösung für Elektrowerkzeuge
Für meine kleinen Akku-Geräte wie Heckenschere, Kettensäge oder Vibrationsstampfer habe ich übrigens eine Ladelösung für unterwegs installiert.
Wie sieht die aus?
Steffen Kapfer: In meinem E-Lieferwagen mit Werkstattausrüstung habe ich eine mobile Power-Station mit einer eigenen 230-Volt-Steckdose. Damit lade ich die Geräte. Die Power-Station wird durch drei Solarmodule geladen, die auf dem Fahrzeugdach montiert habe.
Sie sagten vorhin: Wissen und Erfahrungen im Umgang mit Elektrobaumaschinen fehlen. Wie lässt sich das ändern?
Steffen Kapfer: Einfach mal ausprobieren. Wahrscheinlich müssen alle erst einmal selbst die Erfahrung machen, wie es ist, beispielsweise mit einem E-Bagger zu arbeiten.
Kein Lärm, keine Abgase – das überzeugt
Das hat auch der Händler erzählt, bei dem ich meine Elektrobaumaschinen gekauft habe. Der hatte sehr viele Kundinnen und Kunden mit Vorurteilen. Die haben dann die Maschinen getestet und direkt die Vorteile gespürt - wie es sich anfühlt, wenn der Lärm und die Abgase weg sind. Danach waren eigentlich alle davon überzeugt.

Steffen Kapfer – Ihr Landschaftsgärtner: Umweltschutz im Garten
Der gelernte Landschaftsgärtner Steffen Kapfer, Jahrgang 1984, hat sich 2014 mit seinem eigenen Betrieb in Aalen selbstständig gemacht, nach einem Studium der Verfahrens- und Umwelttechnik und seinem Meister im Garten- und Landschaftsbau. Er arbeitet vor allem in Privatgärten. Dabei legt er Wert auf Naturmaterialien, insektenfreundliche Pflanzenvielfalt, umweltverträgliche Düngung und ökologischen Pflanzenschutz. Für größere Aufträge arbeitet er mit seinem ehemaligen Azubi zusammen, der sich nach der Ausbildung ebenfalls selbstständig gemacht hat.
Förderung für E-Baumaschinen finden
Autorin: Kirsten Lange
Alle Fotos: Martin Rottenkolber
















