Landschaftsgärtner*innen
als Übersetzer der Natur:
Wie Marcus Bursian Gartenbau
sichtbar macht

Marcus Bursian ist Landschaftsgärtner – aber nicht nur auf der Baustelle. Er ist Gärtner vor der Kamera, Erzähler im Radio, Übersetzer zwischen Natur, Geschichte und Gegenwart. Einer, der Pflanzen nicht nur setzt, sondern ihre Bedeutung erklärt. Einer, der Gartenbau dorthin trägt, wo man ihn nicht unbedingt erwartet: in Fernsehsendungen, auf internationale Bühnen und an Orte von jahrhundertealter Geschichte. Mit seinem Betrieb Grünland Landschaftsbau GmbH steht er für individuelle Privatgärten, ehrliche Beratung und handwerkliche Qualität. Gleichzeitig hat er sich eine zweite, ungewöhnliche Rolle erarbeitet: die des medialen Vermittlers für Gartenbauwissen.

Natur zuerst – der Weg in den GaLaBau

Der Weg in den Garten- und Landschaftsbau war für Marcus Bursian weniger Entscheidung als Konsequenz. Schon als Kind zog es ihn nach draußen. „Ich spreche die Sprache der Tiere, der Pflanzen und der Steine“, beschreibt Bursian diese frühe Verbindung. Erst später fand er heraus, dass diese Nähe zur Natur familiäre Wurzeln hatte: Wie sich herausstellte waren beide Großväter Gärtner.

„Gärtner haben eine besondere Situation: Wir arbeiten mit Natur – und die erzählt immer Geschichten.“

Marcus Bursian Grünland

Der Weg in den Beruf war dennoch nicht selbstverständlich. In der Schule hatte er es schwer – eine Legasthenie machte Lesen und Schreiben schwierig. Doch genau dort zeigte sich bereits, was ihn später auszeichnen sollte: Ausdauer und Leidenschaft für seinen Beruf. „Ich bin Legastheniker. In der Schule war ich immer ,der Dumme‘ – aber ich wollte unbedingt Gärtner werden.“ Nach Ausbildung und Meisterprüfung, die er, wie er selbst betont, ohne die Unterstützung seiner Ausbilder*innen und Lehrer*innen nicht geschafft hätte, gründete Bursian 2001 die Grünland Landschaftsbau GmbH. Heute arbeitet ein überschaubares Team von rund zehn Mitarbeiter*innen im Betrieb. Die familiäre Struktur ist prägend: Seine Ehefrau hält dem Unternehmen bei den internen Geschäftsabwicklungen organisatorisch den Rücken frei, seine drei Söhne haben sich ebenfalls für den Beruf entschieden und werden sogar auf eigenen Wunsch von ihrem Vater ausgebildet.

Marcus Bursians Frau und seine drei Söhne sind ebenfalls im Unternehmen tätig.

„Ich bin in meinem Beruf und in meinem Leben nur deswegen erfolgreich, weil ich Legastheniker bin und eine wundervolle Frau an meiner Seite habe.“

Planung ohne Schnickschnack – Beratung auf Augenhöhe

Wer mit Marcus Bursian einen Garten plant, bekommt keine Hochglanzpräsentation, sondern ein Gespräch im Grünen. Ideen entstehen dort, wo sie später umgesetzt werden. „Wenn jemand eine Zeichnung will, nehme ich einfach Farbspray und sprühe die Linien in den Garten. Dann sieht der Kunde sofort, wie es wird – und spart sich teure Planung.“ Diese direkte, persönliche Art zieht sich durch die gesamte Arbeit des Betriebs. Kundinnen und Kunden schätzen die Klarheit, die Verlässlichkeit und das Gefühl, dass hier jemand zuhört. Gartenbau wird nicht verkauft, sondern erklärt – und genau das schafft Vertrauen. „Man muss einfach ehrlich mit den Leuten umgehen. Dann gibt es auch keine Probleme.“

„Wir Gärtnerinnen und Gärtner setzen uns in jedem Garten ein Denkmal, und die Kundinnen und Kunden bezahlen das auch noch.“

Bühne frei für den Gartenbau

Was Marcus Bursian von vielen Kolleginnen und Kollegen unterscheidet, ist seine Präsenz in den Medien. Seit Jahren ist er regelmäßig im Fernsehen zu sehen, im Radio zu hören und in Zeitungen zu lesen. Seine Themen reichen von klassischer Gartenpraxis bis zu kulturhistorischen Zusammenhängen. Dabei geht es nie um Selbstdarstellung. Medienarbeit ist für Bursian eine Form der Wissensvermittlung. „Wir machen im Fernsehen keine wissenschaftliche Sendung. Wir erzählen Geschichten über Gartenbau.“ So wird Gartenbau für Menschen greifbar, die sonst keinen Zugang dazu hätten. Pflanzen werden zu Geschichtenerzählerinnen, Gärten zu kulturellen Räumen.

Ein Buchstabe, ein Denkmal, eine Haltung: Prag

Ein besonders prägendes Beispiel dieser Vermittlungsarbeit ist ein Ereignis in der deutschen Botschaft in Prag, nahe der Hungermauer des Klosters Strahov. Dort wurde der „Baum der Freiheit“, eine Ulme, gepflanzt – ein symbolträchtiges Projekt, verbunden mit einer Gedenkplatte mit dem berühmten Zitat von Hans-Dietrich Genscher „Wir sind heute zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass …“. Doch in das Zitat hatte sich ein Rechtschreibfehler eingeschlichen. Der Botschafter machte deutlich, dass der berühmteste unvollendete Satz der deutschen Geschichte nicht fehlerhaft verewigt werden könne.

Doch statt den Kopf einzuziehen, ging Marcus Bursian offensiv mit dem Fehler um. Die Platte wurde überarbeitet, das fehlende „s“ kunstvoll ergänzt – sichtbar, aber stimmig. Wichtig war die öffentliche Diskussion, die daraus entstand: In einem Zeitungsartikel sprach Bursian offen über Legasthenie, über den Umgang mit Fehlern und darüber, wie schnell Menschen bewertet werden. „Ich bin Legastheniker und fühle mich bei solchen Dingen schnell verurteilt. Aber darüber muss man offen sprechen.“ Ein vermeintlicher Schreibfehler wurde so zum Ausgangspunkt für eine gesellschaftliche Debatte. Und Gartenbau plötzlich Teil einer größeren Geschichte.

Marcus Bursian ist regelmäßig im Fernsehen zu sehen, im Radio zu hören und in Zeitungen zu lesen, wo er Wissen über Gartenbau vermittelt.

„Wir Gärtnerinnen und Gärtner setzen uns in jedem Garten ein Denkmal, und die Kundinnen und Kunden bezahlen das auch noch.“

Eine Palme für Rom – und ein Moment, der bleibt

Noch weiter führte ihn seine Medienarbeit in den Vatikan. Was zunächst wie eine spontane Idee klingt, war das Ergebnis jahrelanger Kontakte, Vertrauen und ungewöhnlicher Fähigkeiten. Bursian ist nicht nur Gärtner, sondern auch Sänger. Er beherrscht Lieder und Gedichte in vielen Sprachen. „Ich kann in 20 Sprachen rund 64 Lieder oder Gedichte“, erzählt er. „Bei passenden Gelegenheiten kann man immer etwas vortragen – und das öffnet Herzen.“ Bei Aufenthalten im Vatikan nutzte er diese Gabe nicht als Show, sondern als Brücke. Im Petersdom sang er ein Ave Maria, ein polnisches Lied und das hebräische Gebet. „Dann kam der Prälat des Papstes zu mir, und wir kamen ins Gespräch. Und ich sagte: Ich würde gern einmal eine Gartensendung im Vatikan machen.“

Drei Jahre später wurde daraus mit einer symbolischen Pflanzung Realität: Eine Palme wurde auf dem Campo Santo Teutonico, dem deutschen Friedhof auf dem vatikanischen Gelände, gesetzt – verbunden mit einer historischen Geschichte, die von Magdeburg nach Rom führte. Die Aktion wurde medial begleitet, gefilmt, erzählt. Bursian sang dabei auch das „Vaterunser“ auf Aramäisch. Selbst der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt war vor Ort und griff zur Gießkanne. Für Marcus Bursian war das kein Prestigeprojekt. Es war ein Beispiel dafür, wie Gartenbau Menschen zusammenbringt, wie Pflanzen Geschichten tragen und wie Wissen über Natur kulturelle Bedeutung bekommt.

„Ich spreche die Sprache der Tiere, der Pflanzen und der Steine.“

Marcus Bursian Grünland

Wissen vermitteln, nicht dozieren

Ob im Vatikan, in Prag oder im heimischen Garten – Bursians Art der Wissensvermittlung folgt einem klaren Prinzip. Er erklärt, ohne zu belehren und erzählt, ohne zu vereinfachen: „Klare Worte, nicht zu viel Wissenschaft – eher Unterhaltung. So hören die Menschen zu.“ In seinen Fernsehsendungen geht es um Mykorrhiza bei Baumpflanzungen, um Heilpflanzen im Wald oder um Pflanzenmotive in historischen Bauwerken. Gartenbau wird dabei nie isoliert betrachtet, sondern immer im Zusammenhang mit Geschichte, Medizin oder Alltagswissen. Diese Art der Vermittlung kommt an. Zuschauerinnen und Zuschauer melden sich, stellen Fragen, setzen Tipps um. Gartenbau wird greifbar, lebendig und relevant.

Gartenbau als Sprache

Marcus Bursian baut Gärten. Aber vor allem übersetzt er Natur. Er macht Pflanzen verständlich, ordnet sie ein, verknüpft sie mit Geschichte und Gegenwart. „Gärtner haben eine besondere Situation: Wir arbeiten mit Natur – und die erzählt immer Geschichten.“ Seine Medienarbeit zeigt, welches Potenzial im GaLaBau steckt, wenn Fachwissen geteilt wird und Haltung sichtbar bleibt. Grünland Landschaftsbau steht damit nicht nur für gute Gärten, sondern für eine klare Botschaft: Gartenbau ist Kulturarbeit. Und wer sie verständlich erzählt, erreicht weit mehr als nur den Gartenzaun.

Zur Webseite: Grünland Landschaftsbau

Alle Fotos: Martin Rottenkolber
Autorin: Christina Steinsträßer

Carsten Peters2026-06-02T10:05:07+02:00
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