Resilientes Stadtgrün:
Welche Maßnahmen sind nötig?

Stadtbäume leiden enorm unter den Folgen des Klimawandels. Diese werden verstärkt durch versiegelte Flächen, dichte Bebauung oder mangelnde Durchlüftung. Daniel Blume hat Landschaftsarchitektur an der TU Dresden studiert und für seine Promotion zwei Jahre lang Bäume in vier Städten untersucht. Die Ergebnisse sowie konkrete Vorschläge für Maßnahmen liegen jetzt als Buch vor.

Herr Blume, Sie haben die Vitalität und Trockenstressbelastung von über 15.000 Bäumen in Dresden, Leipzig, Berlin und Bautzen untersucht. Wie lautet der Befund?

Daniel Blume: Der Fokus der untersuchten Bäume lag auf Klimastressbereichen, also auf Orten mit hoher Versiegelung, wetterbedingter Erhitzung oder einer mäßigen Durchlüftung. Dabei waren Bäume mit erheblichen Vitalitätsschäden in der Überzahl, was sich an ausgefallenen Kronenteilen, skelettartiger Baumstruktur oder vielen Kurztrieben zeigt. Zwar konnte man das nach den Dürrejahren 2018 und 2020 ahnen. Dennoch hat mich überrascht, dass der Anteil an vollkommen vitalen Bäumen im ersten Forschungsjahr, also 2021, bei nur 6,5 Prozent lag.

Hitzewellen, Starkregen, anhaltende Dürren setzen einheimischen Bäumen zu

Standen die untersuchten Bäume an straßennahen Standorten?

Daniel Blume: Nicht ausschließlich. Denn die Studie zielte auf verschiedene Freiraumtypen ab, um bestehende resiliente Strukturen aufzudecken. Die vier ausgewählten Städte sind bereits heute vom Klimawandel betroffen. Daher zeigen sie beispielhaft, welche Effekte sich daraus in Zukunft für ganz Deutschland ergeben könnten.

Gab es Unterschiede zwischen den Städten?

Daniel Blume: Entgegen den Erwartungen waren die Stadtbäume in Bautzen genauso stark beeinträchtigt wie die in den größeren und stärker versiegelten Städten Berlin, Dresden und Leipzig. Allerdings unterschieden sich die Schäden bei den verschiedenen Freiraumtypen. Beispielsweise hat die „straßennahe Grünfläche“ in Berlin ungefähr zehn Prozent vollkommen vitale Bäume, der Typ „Straße“ nur zwei Prozent.

Strukturvielfalt

Gruppen mit verschiedenen Baumarten sowie strukturreiches Grün erhöhen die Pflanzenvitalität.

„In der Stadt existiert kein einheitlicher Standort, der für alle zukünftigen Bäume gleichermaßen geeignet wäre.“

Welche der untersuchten Baumarten sind besonders gestresst?

Daniel Blume: Leider haben die häufig verwendeten, einheimischen Baumarten zunehmend Probleme mit veränderten Klimabedingungen und gesteigerten urbanen Nutzungsanforderungen. Etwa Spitzahorn, Stieleiche, Winterlinde oder Bergahorn. In der Stadt existiert kein einheitlicher Standort, der für alle zukünftigen Bäume gleichermaßen geeignet wäre. Stattdessen brauchen unterschiedliche Bäume unterschiedliche Standorte – genau wie in der Natur.

Baumvielfalt erhöht Resilienz, Biodiversität und Funktionalität!

Was bedeutet das für die Planung von Stadtgrün?   

Daniel Blume: Einerseits müssen Bäume künftig viel leisten, etwa den städtischen Wasserkreislauf schließen, die Umgebung kühlen, die Luft filtern. Hinzu kommt ein psychologischer Effekt: Bäume tragen, wie Stadtgrün insgesamt, nachweislich dazu bei, dass Menschen in deren unmittelbarer Umgebung gesünder sind. Andererseits nehmen die Extremstandorte zu, zum Beispiel durch Hitze und Dürren, Starkregen und Überflutungen.  Deshalb müssen Baumstandorte so gestaltet werden, dass sowohl die Bäume einen großen Teil des Wassers aufnehmen können als auch ihre unmittelbare Umgebung, etwa in Form von Staudenbepflanzungen oder großzügigen Baumscheiben. So gesehen haben wir es mit echten Baumhelden zu tun.

„So gesehen haben wir es mit echten Baumhelden zu tun.“

japanischer Schnurbaum

Der Schnurbaum hat sich in den letzten Jahren an Stadtplätzen sehr bewährt.

Welche Maßnahmen empfehlen Sie, die auch GaLaBau-Betriebe umsetzen könnten?

Daniel Blume: Meiner Studie zufolge geht es Bäumen da besser, wo verschiedene Baumarten in einem Freiraumtyp vorkommen. Durch Vielfalt könnten wir auch eine Resilienzbrücke zu heimischen Baumarten bauen. Die Bäume können dann dynamischer auf Veränderungen reagieren. Selbst unter extremen Klimabedingungen hätten wir durch eine hohe Artenvielfalt immer noch den Vorteil, dass Restbaumarten kühlen oder Wasser aufnehmen könnten. Auch die Biodiversität wäre so erhöht. Zudem müssen Bäume mindestens 40 bis 60 Jahre am selben Standort stehen können, damit sie ihre klimatische Wirkung entfalten können. Daher muss dieser durch mehr Wurzelraum und weniger Versiegelung im Baumumfeld verbessert werden. Wo Versiegelung aufgrund der vorgesehenen Nutzung nötig ist, sollten wassergebundene Wege mit einem besseren Luftaustausch und Versickerungsmöglichkeiten geplant werden.

Berlin: große und unversiegelte Baumscheibe

Berlin: Große und unversiegelte Baumscheiben unterstützen auch das Schwammstadtprinzip.

„Bäume müssen mindestens 40 bis 60 Jahre am selben Standort stehen können, damit sie ihre klimatische Wirkung entfalten können.“

Baumlisten immer mit Erfahrungswerten kombinieren!

Auf welche Zukunftsbäume sollten Kommunen setzen?

Daniel Blume: Leider funktionieren Baumlisten immer weniger, weil der Klimawandel schnell fortschreitet und das Artenspektrum längst unzureichend ist. Es gibt unter den Bäumen keine Alleskönner, jede Baumart ist auf einen bestimmten Bereich spezialisiert. Baumlisten fördern oft Modebäume. Dabei bräuchten Kommunen eher dynamische Listen, die auf verschiedene Standorte angepasst sind, lokale Erfahrungen dokumentieren und stetig fortgeschrieben werden. Zudem wäre es für künftige Planungsgrundlagen hilfreicher, statt Baumarten auch Baumqualitäten festzuhalten.

Welche Baumarten sind laut Ihrer Studie im Bestand besonders resilient?  

Daniel Blume: In Dresden hat sich der Blasenbaum als erstaunlich hitzetolerant erwiesen, selbst an versiegelten Standorten. Dabei ist er wunderschön. Auf Plätzen in der Stadt funktionieren bislang der Lederhülsenbaum, der Schnurbaum oder auch der amerikanische Zürgelbaum gut. In kleinen Parks sind die einheimischen Arten Hainbuche und Vogelbeere positiv bewertet worden. Ich empfehle, mehrere Baumlisten auszuwerten und mit Fachwissen und Erfahrungswerten zu kombinieren.

Gestaltungsbeispiel Toolbox Fachbuch Resilientes_ Stadtgrün

In seinem Fachbuch übersetzt Daniel Blume seine Forschungsergebnisse mittels „Toolboxen“ in Praxiswissen.

Baumlisten

Folgende Listen für klimaresiliente Bäume können bei der Suche nach einer möglichen Erweiterung der Artenzahl verwendet werden. Sie sollten jedoch nicht als "starres Instrument" verstanden werden.

Zur Person:

Daniel Blume hat Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung in Dresden und Osnabrück studiert. Seine thematischen Schwerpunkte liegen u. a. bei der Pflanzenverwendung in der Architektur, der baulichen Anpassung an den Klimawandel und konzeptionellen Lösungen für Transformationsprozesse in der Stadtentwicklung. Ein besonderer Forschungsschwerpunkt ist die stadtlandschaftliche Resilienz. Daniel Blume ist Mitglied der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft e. V. (DDG), des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekt:innen (bdla) und FLL-zertifizierter Baumkontrolleur.

Alle Bilder: Daniel Blume
Autorin: Conny Frühauf

Carsten Peters2026-04-21T09:17:35+02:00
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