Vom 9. bis 11. Juni 2026 wird Berlin zum internationalen Zentrum für klimaresiliente Stadtentwicklung. Der Weltkongress Gebäudegrün bringt Fachleute aus aller Welt zusammen – mit einem klaren Ziel: Gebäudebegrünung als zentralen Baustein der Stadt von morgen voranzubringen. Wir haben mit Dr. Gunter Mann, Präsident und Geschäftsführer des Bundesverbandes GebäudeGrün e. V. (BuGG), über die Bedeutung des Kongresses und die Perspektiven der Branche gesprochen.

Herr Dr. Mann, der Weltkongress Gebäudegrün 2026 steht vor der Tür. Welche Bedeutung hat diese Veranstaltung und was kann sie leisten in Zeiten, in denen viele Fortschritte beim Klimaschutz nicht nur in den USA wieder zurückgefahren werden?
Dr. Gunter Mann: Der Weltkongress ist für uns weit mehr als ein klassisches Branchentreffen. Er ist eine internationale Plattform, auf der wir Wissen bündeln, Perspektiven zusammenbringen und konkrete Lösungen diskutieren. Wir erwarten rund 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus über 20 Ländern – das zeigt, welche globale Relevanz das Thema inzwischen hat.
Was den Kongress besonders macht, ist genau diese Vielfalt: Wissenschaft, Planung, Ausführung, Politik und Wirtschaft kommen zusammen. Nur wenn wir diese Disziplinen vernetzen, können wir Gebäudegrün wirklich in die Breite bringen. Und genau darum geht es – jetzt erst recht! Wir wollen aus Berlin ein starkes Signal in die Welt senden: Die Auswirkungen des Klimawandels nehmen global zu. Gebäudegrün ist eine wirksame Maßnahme dagegen.
Welche Rolle spielt Deutschland – und speziell Berlin – dabei?
Dr. Gunter Mann: Berlin ist der ideale Austragungsort. Die Stadt steht – wie viele Metropolen – vor enormen Aufgaben: Hitze, Starkregen, Flächenversiegelung. Und sie ist Hauptstadt und daher großem Druck ausgesetzt, hat aber auch eine besondere Vorbildfunktion. Gleichzeitig sehen wir hier viele innovative Projekte, die zeigen, wie Gebäudebegrünung konkret wirken kann. Das werden wir nicht zuletzt auf den Dächern von Berlin erlebbar machen.
Dass unser Kongress unter der Schirmherrschaft des Bundesumweltministeriums steht und hochrangige politische Vertreterinnen und Vertreter vor Ort sind, unterstreicht die Bedeutung zusätzlich. Für Deutschland ist das eine große Chance: Wir können unsere Kompetenz zeigen, aber auch lernen. Gerade im internationalen Vergleich gibt es sehr interessante Ansätze, etwa aus Asien oder Südeuropa.
Gebäudegrün wird aktuell viel diskutiert. Ist das Thema endlich in der Mitte angekommen?
Dr. Gunter Mann: Die Debatte hat sich spürbar verändert. Gebäudegrün wird heute nicht mehr als gestalterisches „Nice-to-have“ gesehen, sondern als funktionaler Bestandteil klimaangepasster Stadtentwicklung. Aber die Umsetzung hinkt hinterher. Es fehlt vielerorts an klaren Vorgaben, verbindlichen Regelungen und verlässlicher Förderung. Die Aufmerksamkeit ist da. Jetzt müssen wir ins Handeln kommen. Die Zeit drängt.
Wo sehen Sie aktuell die größten Probleme?
Dr. Gunter Mann: Der Engpass ist nicht die Technik – die Lösungen sind da. Das Hauptproblem liegt in der lückenhaften oder sogar mancherorts fehlenden Systematik, vor allem auf kommunaler Ebene. Wir brauchen mehr Verbindlichkeit: Begrünungsquoten, klare Vorgaben in Bebauungsplänen, Integration in Bauordnungen. Und wir dürfen den Pflegeaspekt nicht vergessen. Gebäudegrün ist keine Einmalmaßnahme. Ohne langfristige Pflegekonzepte verlieren viele Projekte ihre Wirkung. Hier müssen wir strukturell besser werden.
Welche Themen stehen beim Kongress im Mittelpunkt?
Dr. Gunter Mann: Die Themen spiegeln genau diese Herausforderungen wider: Klimaanpassung, Regenwassermanagement, Energieeffizienz und Biodiversität. Begrünte Gebäude leisten einen messbaren Beitrag zur Kühlung von Städten, zur Luftreinhaltung, als Lebensräume für Tiere und Pflanzen, zum Schutz vulnerabler Bevölkerungsgruppen und zur Minderung von Starkregenfolgen. Das sind keine theoretischen Ansätze, sondern konkrete Lösungen für sehr reale und aktuelle Probleme.
Den Weltkongress 2025 machte vor allem die Mischung aus Fachvorträgen, Keynotes, Fachausstellung und Exkursionen so spannend. Auch 2026 setzt man auf das bewährte Konzept.
„Dass der Kongress unter der Schirmherrschaft des Bundesumweltministeriums steht und hochrangige politische Vertreterinnen und Vertreter vor Ort sind, unterstreicht die Bedeutung zusätzlich.“
Was können Besucherinnen und Besucher konkret erwarten?
Dr. Gunter Mann: Ein sehr dichtes Programm mit über 80 Fachvorträgen, internationale Keynotes und eine große Bandbreite an Perspektiven. Dazu kommen Exkursionen zu starken Projekten in und um Berlin – das ist mir persönlich besonders wichtig. Denn dort sieht man, was möglich ist, wenn Planung, Ausführung und politische Rahmenbedingungen zusammenpassen. Und natürlich unsere Fachausstellung, bei der sich unsere Sponsoren und Kongresspartner vorstellen und über ihre Produkte informieren. Hier trifft Innovation auf Praxis.
„Begrünte Gebäude leisten einen messbaren Beitrag zur Kühlung von Städten, zur Luftreinhaltung, als Lebensräume für Tiere und Pflanzen, zum Schutz vulnerabler Bevölkerungsgruppen und zur Minderung von Starkregenfolgen.”
Blick nach vorn: Wo steht Gebäudegrün im Jahr 2030?
Dr. Gunter Mann: Meine Vision ist: 2030 ist Gebäudegrün vom Pilotprojekt zur Selbstverständlichkeit geworden. Jede größere Bau- oder Sanierungsmaßnahme denkt Begrünung systematisch mit. Gerade in dicht bebauten Städten liegt ein enormes Potenzial auf den Dächern, das wir bis 2030 im deutlich zweistelligen Prozentbereich gehoben haben. Zunehmende Wetterextreme, ein weltweiter Anstieg der Durchschnittstemperatur: Spätestens 2030 werden wir Klimaziele, Biodiversität und Gesundheitsschutz ganz oben auf der Agenda haben, da führt an Gebäudegrün kein Weg vorbei. Entscheidend ist, dass wir jetzt die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, technisch, planerisch und politisch.
Das bietet der Weltkongress Gebäudegrün 2026
Breite Fachkompetenz aus Praxis und Forschung
Über 80 Referent*innen aus aller Welt
Die Liste der Referent*innen reicht von spezialisierten Planer*innen bis hin zu internationalen Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen.
Visionäre der Gebäudebegrünung
Internationale Keynotes mit großer Strahlkraft
Dr. Patrick Blanc (Frankreich)
Botaniker, Erfinder der vertikalen Gärten („Mur Végétal“)
Blanc gilt als Pionier der Fassadenbegrünung weltweit. Seine Projekte prägen Städte auf allen Kontinenten und zeigen, wie Architektur und Natur verschmelzen können.
Prof. Dr. Manfred Köhler (Deutschland)
Langjähriger Forscher im Bereich Dachbegrünung
Seit Jahrzehnten untersucht Köhler die Wirkung begrünter Dächer – von Mikroklima bis Wasserrückhalt. Seine Arbeiten liefern zentrale Grundlagen für Planung und Praxis.
Prof. Dr. Michael Braungart (Deutschland)
Mitbegründer des Cradle-to-Cradle-Prinzips
Braungart bringt die Perspektive der Kreislaufwirtschaft in den Kongress ein – mit dem Anspruch, Gebäude und Materialien konsequent nachhaltig zu denken.
Thomas Kraubitz (Deutschland)
Mitglied des Präsidiums der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB)
Kraubitz ist Architekt und Stadtplaner sowie Mitinitiator der DGNB. Als Mitglied des Präsidiums bringt er seine Expertise in nachhaltiger Stadtentwicklung, Zertifizierungssystemen und strategischer Planung in den Kongress ein.
Architektur und Innovation
Wie Gebäudebegrünung in die gebaute Umwelt integriert wird
Prof. Werner Sobek (Deutschland)
Architekt und Ingenieur, Werner Sobek AG
Steht für nachhaltiges, ressourcenschonendes Bauen auf höchstem Niveau – mit klarer Verbindung von Architektur und Umweltverantwortung.
Livia Shamir (Italien)
Stefano Boeri Architetti
Arbeitet an internationalen Projekten, die Gebäudebegrünung konsequent in urbane Architektur integrieren – etwa bei vertikalen Wäldern.
Weitere Informationen und Anmeldung:
Alle Fotos: Bundesverband GebäudeGrün e. V.
Autorin: Kim Lüftner
















