Bernhard von Ehren steht für eine Perspektive, die stark vom Denken in Generationen geprägt ist. Seit über 160 Jahren beschäftigt sich seine Familie mit Bäumen, heute führt er die Baumschule Lorenz von Ehren in fünfter Generation. Diese langfristige Ausrichtung prägt eine Branche, die stärker als viele andere auf Zeiträume von Jahrzehnten angewiesen ist.
Gleichzeitig haben sich aber die Rahmenbedingungen grundlegend gewandelt. „Mein persönlicher Blick auf den Baum hat sich nicht verändert“, sagt von Ehren. „Was sich verändert hat, sind die äußeren Umstände.“ Der Klimawandel stellt die Baumschulwirtschaft vor neue Herausforderungen – und prägt auch die Themen der GaLaBau 2026, deren Hauptsponsor sein Unternehmen ist.
Zukunft pflanzen heißt Unsicherheit managen
Wer heute einen Baum pflanzt, pflanzt Zukunft. Doch wie plant man Zukunft in Zeiten, in denen sich Klimazonen verschieben? „Ich denke in zwei Dimensionen“, sagt von Ehren. „Zum einen in Generationen, zum anderen sind Klimaszenarien entscheidend, weil wir europaweit unter sehr unterschiedlichen klimatischen Voraussetzungen liefern.“
Hinzu kommt eine grundlegende Herausforderung: Während ein Baum Jahrzehnte zum Wachsen braucht, verändern sich die klimatischen Bedingungen immer schneller. „Darauf zu reagieren mit einem Produkt, das sehr viel Zeit braucht, ist eine echte Herausforderung.“ Parallel steigt die Nachfrage nach klimafesten Arten, doch diese sind oft noch nicht in ausreichender Menge verfügbar.
So entsteht eine zentrale Herausforderung der Branche: Die Zukunft wird schneller nachgefragt, als sie wachsen kann.
Klimatauglichkeit ist kein Label – sondern Überlebensstrategie
Über 90 Prozent aller Bäume werden heute in Städten gepflanzt. Und genau dort entscheidet sich ihre Zukunft. „Die Stadt ist ein extremer Standort: Beton, Verkehr, Hitze“, erklärt von Ehren. „Wenn dann noch Extremwetter dazukommt, wird es schwierig.“
Klimatauglichkeit ist deshalb kein abstrakter Begriff, sondern eine Überlebensfrage. „Ein klimatauglicher Baum muss Dürreperioden überstehen. Gleichzeitig muss er auch mit Extremnässe klarkommen.“ Gerade heimische Arten stoßen hier zunehmend an ihre Grenzen. Die Konsequenz ist klar: „Es muss eine Mischung sein aus heimischen und nicht-heimischen Bäumen.“
Vielfalt wird zum Prinzip
Was früher oft als Ausnahme galt, wird heute zur Strategie: Vielfalt. „Wir brauchen Biodiversität. Eine vielfältige Natur hat deutlich bessere Überlebenschancen als eine Monokultur.“ Besonders in Städten kann der Ausfall einer einzigen Baumart ganze Straßenzüge betreffen.
Um diese Vielfalt weiterzuentwickeln, arbeitet die Baumschule in internationalen Netzwerken. „Wir sind im Austausch mit Baumschulen, Universitäten und Partner*innen – auch in Nordamerika und Asien. So lernen wir, welche Sorten funktionieren.“
Ein Beispiel für diesen Ansatz ist der sogenannte Klimabaumhain der Baumschule von Ehren. „Dort können sich Kundinnen und Kunden ein Bild machen, zum Beispiel von Habitus, Borke und Blüte“, erklärt von Ehren. Doch echte Belastungstests finden woanders statt: „Mit der Stadt Hamburg pflanzen wir beispielsweise Bäume an Extremstandorten und beobachten sie.“ Das zeigt: Innovation in der Baumschulwirtschaft ist ein langfristiger Lernprozess.
Städte: Viele Stimmen, wenig Tempo
Während die Baumschulen handeln müssen, sieht von Ehren die Städte oft langsamer. „Das ist eine riesige Gemengelage an unterschiedlichen Akteur*innen“, sagt er. Hinzu kommt: Die Aufmerksamkeit verschiebt sich, andere Themen stehen im Fokus, zulasten des Stadtgrüns.
Für ihn ist klar: „Das ist zu kurz gedacht. Der Klimawandel bewegt sich schneller und wird uns einholen.“ Dabei liegen viele Probleme im Detail. „Oft wird nicht ganzheitlich genug geplant“, kritisiert von Ehren. „Zum Beispiel beim Wurzelraum.“ Noch gravierender sei die Pflege: „An der Fertigstellungs- und Entwicklungspflege wird häufig gespart.“ Ein Fehler mit langfristigen Folgen. „Bäume sind Lebewesen – keine Kostenposition.“
Großbäume sind die Spezialität der Baumschule Lorenz von Ehren.
„Der Baum ist kein Nice-to-have mehr“
Die Dringlichkeit hat deutlich zugenommen. Für von Ehren ist deshalb klar: „Wir müssen radikal anders denken. Wir brauchen mehr grüne Lungen, um das Mikroklima zu stabilisieren. Der Baum ist kein ‚nice to have‘ mehr.“
Gleichzeitig sieht er auch die Politik in der Verantwortung. „Der Scheinwerfer muss wieder stärker auf die Natur gerichtet werden.“ Zu oft höre er, es gäbe andere Sorgen als Geld für Grün. Für ihn ein gefährlicher Irrtum. „Die Natur ist unsere Lebensgrundlage. Wenn wir sie nicht schützen, wird das Leben in Städten nicht lebenswert bleiben.“ Er plädiert daher für eine verbindliche Baumstrategie auf politischer Ebene. Denn ohne klare Rahmenbedingungen und konsequente Umsetzung wird die Anpassung an den Klimawandel nicht gelingen.
Hecken: Das unterschätzte Klimasystem
Doch es geht nicht mehr nur um den Baum allein. „Hecken sind super wichtig – als Rückzugsraum, Windschutz und Klimaverbesserer“, betont von Ehren. Und doch verschwinden sie zunehmend aus dem Stadtbild. „Viele verzichten darauf, weil die Pflege als zu aufwendig empfunden wird.“ Eine problematische Entwicklung: Denn Hecken leisten im Kleinen einen wichtigen Beitrag zum Stadtklima und zur Biodiversität. Sie strukturieren Räume, bieten Lebensräume und verbessern das Mikroklima, gerade dort, wo kein Platz für große Bäume ist. Gleichzeitig tragen sie dazu bei, urbane Räume kleinteiliger und damit klimaresilienter zu gestalten. Auch für Insekten und Vögel sind sie unverzichtbare Rückzugsorte im verdichteten Stadtgefüge.
„Wir müssen wieder stärker für die Hecke werben“, sagt er. Auch hier sieht er die grüne Branche – von der Baumschule bis zum GaLaBau – in der Verantwortung: aufklären, inspirieren, motivieren.
Die Stadt der Zukunft: Grün auf allen Ebenen
Doch wie sieht sie aus, die ideale „Baum-Stadt“? Für Bernhard von Ehren ist die Antwort klar – und zugleich vielschichtig: „Große Pflanzflächen, spürbare Abkühlung, Grün an und auf Gebäuden.“ Entscheidend ist nicht nur die Anzahl der Bäume, sondern ihre Einbindung in ein ganzheitliches Stadtbild. Grünflächen müssen ausreichend dimensioniert sein, damit Bäume ihr Potenzial entfalten können: als Schattenspender, Klimaregulator und Lebensraum. Gleichzeitig rückt die vertikale Begrünung stärker in den Fokus. Dächer und Fassaden bieten zusätzliche Flächen, die bislang oft ungenutzt bleiben.
Auch beim Blick auf den „Baum der Zukunft“ bleibt er bewusst differenziert. „Es gibt nicht den einen Superbaum.“ Stattdessen gehe es um die richtige Mischung: „Wir brauchen robuste, gesunde, vielfältige Arten.“ Maßgeblich ist nicht die einzelne Art, sondern das Zusammenspiel: Nur eine breite Palette an Gehölzen kann langfristig stabile und klimaresiliente Stadträume sichern.
GaLaBau 2026: Impulse für die Stadt von morgen
Diese Vielfalt und das Zusammenspiel unterschiedlicher Arten werden auch auf der GaLaBau 2026 eine zentrale Rolle spielen. Als Hauptsponsor nutzt die Baumschule Lorenz von Ehren die Messe bewusst als Plattform, um genau diese Bandbreite sichtbar zu machen. „Wir zeigen nicht nur Standard-Sorten, sondern auch die weniger bekannten, zukunftsfähigen Gehölze“, so von Ehren.
Ziel ist es, konkrete Impulse für die Praxis zu geben und gleichzeitig den Blick für neue Lösungen im urbanen Raum zu öffnen. Denn die Stadt der Zukunft entsteht nicht im Konzept, sondern vor Ort – dort, wo entschieden wird, wie lebenswert unsere Städte morgen sein werden.
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Links:
Alle Bilder: Baumschule Lorenz von Ehren
Autorin: Christina Steinsträßer














