Ein guter Plan für die Zukunft: investieren, digitalisieren, vertrauen

Starkes Team: Vater und Sohn Zäh. „Mein Vater kann abgeben. (…) Er ist ein großer Ruhepol; ich bin manchmal etwas aufbrausend. Wir haben eine klare Aufgabentrennung.“

Ein guter Plan – und alles läuft besser, da ist sich Michael Zäh sicher. Denn der Junior-Chef von „Zäh-Gartengestaltung“ denkt gern voraus – und profitiert davon, dass sein Vater und Großvater das ebenfalls getan haben. Der GaLaBau-Betrieb der Familie läuft gut. Das soll auch so bleiben, sagt Michael Zäh. Daran arbeiten sein Vater Gerhard und er kontinuierlich.

Schon vor dem Abitur war Michael Zäh klar, dass er den Betrieb später übernehmen will. Damals hatten seine Eltern es ihm freigestellt, ihn auch nicht bedrängt, als er sich zuerst mehr für die Landwirtschaft und große Maschinen begeisterte. Heute sagt er, ihm tauge der Job: „Ich war von Kindesbeinen an dabei. Wenn ich mit meinem Vater zusammen sein wollte, bin ich in sein Büro gegangen. Auf dem Schoß eines Mitarbeiters habe ich als Junge Radlader fahren gelernt.“

Schwerpunkt: öffentliche Aufträge

Keine 30 Jahre alt war Michael Zäh, als er zweiter Geschäftsführer im väterlichen Betrieb wurde. Das mittelständische Garten- und Landschaftsbauunternehmen liegt im fränkischen Kreis Ansbach, ländlich im Grenzgebiet zwischen Bayern und Baden-Württemberg. Die Firma hat ihren Schwerpunkt auf öffentlichen Aufträgen. Denn die Gestaltung ihrer Privatgärten übernehmen die meisten Menschen in dieser Region selbst. „In den vergangenen Jahren haben wir viele Friedhöfe und Kindergärten angelegt. Auch einige Gartenschauen haben wir mitgebaut,“ so Michael Zäh.

„Wenn jemand behauptet, bei einer Nachfolge gäbe es keine Konflikte, dann lügt er. (…) Wir können uns auch mal kabbeln, aber dann sprechen wir darüber und ziehen einen Schlussstrich darunter.“

Michael Zäh

Im GaLaBau groß geworden: „Ich war von Kindesbeinen an dabei. Wenn ich mit meinem Vater zusammen sein wollte, bin ich in sein Büro gegangen. Auf dem Schoß eines Mitarbeiters habe ich als Junge Radlader fahren gelernt.“

Neue Erfahrungen geben Impulse

Bevor der junge Zäh Partner im Familienbetrieb wurde, sammelte er Erfahrung in anderen Firmen. Für seine zweieinhalbjährige Ausbildung ging er zu May-Landschaftsbau in München und blieb danach noch eine Weile als Geselle. Im Anschluss studierte er Landschaftsbau und Management an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Schließlich absolvierte er seein studienbegleitendes Praktikum bei Biedenbacher in Schwabach.

Schon zu Beginn seiner Ausbildung kam Michael Zäh mit neuen Ideen nach Hause: „Wenn man länger in einem anderen Betrieb arbeitet, dann sieht man, was sich bei anderen bewährt, was bei einem selbst positiv läuft – und  was man weiterentwickeln könnte.“ Bis heute schaut er sich gerne andere Unternehmen an, tauscht sich aus. Mit früheren Kolleginnen, Kollegen und ehemaligen Mit-Studierenden telefoniert er regelmäßig. „Ich nehme alles auf, was ich sehe. Es macht mich stolz, wenn mich jemand um Rat fragt. Ich helfe gern. Wer nicht fragt, ist selber schuld.“

Von GaLaBau-Netzwerken profitieren

Wie Vater Gerhard Zäh, der gerade als Präsident des GaLaBau-Verbands Bayern wiedergewählt wurde, setzt auch Sohn Michael auf‘s Netzwerken. „Durch die Kontakte im Verband konnte mein Vater unseren Betrieb weiterentwickeln. Ursprünglich Landwirt, hat er dort Unternehmen kennengelernt, die schon in der dritten Generation im GaLaBau arbeiten. Natürlich sind die auf einem anderen Level und haben ganz andere Strukturen. Von diesem Wissen hat er sehr profitiert. Dennoch: Mein Vater hat sein Netzwerk, ich habe meins.“

Nach und nach übernimmt Michael Zäh einen immer größeren Teil der geschäftlichen Aufgaben. Mit dem Jahr 2020 kam der Jahresabschluss dazu, den bis dahin noch der Senior übernommen hatte. Der schaut jetzt beratend über die Schulter. Genau das ist der Vorteil bei einem fließenden Übergang, sagt Michael Zäh: die gegenseitige Unterstützung. „Mein Vater kann abgeben. Und er weiß, wie ich ticke. Zudem ist er ein großer Ruhepol; ich bin manchmal etwas aufbrausend. Wir haben eine klare Aufgabentrennung. Schließlich wissen wir, wer von uns welche Stärken und Schwächen hat. Und das nützt uns beiden.“

Herzensthema: Digitalisierung. Michael Zäh sieht seinen Betrieb gut aufgestellt, mit digitalen Vor- und Endaufmaß, Verwendung von GPS-Daten, einer 3D-Baggersteuerung. Zäh setzt auf die Leica-Totalstation in Verbindung mit Dataflor.

Natürlich gebe es auch Differenzen, damit hält Michael Zäh nicht hinterm Berg: „Wenn jemand behauptet, bei einer Nachfolge gäbe es keine Konflikte, dann lügt er. Es gibt regelmäßig Diskussionsthemen, und wir haben beide unseren eigenen Kopf. Mein Vater hat einen guten Weg genommen, sonst würde es unsere Firma nicht über 30 Jahre lang geben. Wir können uns auch mal kabbeln, aber dann sprechen wir darüber und ziehen einen Schlussstrich darunter.“

Zukunft planen: Digitale Strukturen entwickeln

Ein Herzensthema von Michael Zäh ist die Digitalisierung. Hier sieht er den Betrieb gut aufgestellt: vom digitalen Vor- und Endaufmaß, Verwendung von GPS-Daten und einer 3D-Baggersteuerung. Die Firma setzt die Leica-Totalstation in Verbindung mit Dataflor ein. Neben dem technischen Team im Büro werden immer mehr Vorarbeiterinnen und Vorarbeiter auf den Baustellen an den Geräten angelernt.

„Es gibt natürlich gewachsene Strukturen, manche versuche ich aufzubrechen. Ich könnte das jedoch nicht machen, wenn die Grundbasis durch das gute Wirtschaften meines Vaters nicht wäre. So kann ich jetzt einen schönen Betrag in Neuanschaffungen investieren. Alles vor dem Hintergrund, dass mein Vater hier mit nur zwei Leuten angefangen hat.“

Das Vertrauen in gute Führungskräfte ist wichtig, damit der Betrieb erfolgreich in die Zukunft geht: „Wenn eine Firma ohne Chef läuft, ist sie eine gute Firma.“

Ohne Team läuft im GaLaBau nichts

Gerhard Zäh hat den Betrieb zusammen mit seinem Vater aufgebaut. Seitdem ist dieser stetig gewachsen. Mittlerweile arbeiten hier knapp 50 Personen. Vertrauen in die Mitarbeitenden und ein offenes Miteinander spielen eine große Rolle, sagt Michael Zäh. „Mein Vater hat es vorgelebt, er ist ein sehr sozialer Mensch. Viele aus dem Team kommen auch mit privaten Sorgen zu uns. Die Älteren fragen eher meinen Vater, die Jüngeren kommen schon zu mir.“

Betriebsinterne Fragen regelt das Team häufig untereinander. „Ich muss mich nicht viel kümmern, die Basis ist da.“ So heißt die Devise: Vertrauen gegen Vertrauen. Das gilt auch für die Arbeitszeiten. „Morgens starten die Trupps fließend. So gibt es keinen Stau am Betriebshof. Den Baugruppen ist freigestellt, ob sie jeden Tag die gleiche Zeit arbeiten wollen oder vielleicht in der Woche länger und zum Freitag hin kürzer. Solange es funktioniert, mischen wir uns nicht ein.“

Zäh-Gartenbau baut und pflanzt im Wörnitzpark, einer Kombination von Natur und Wasser. Dort wird der Hochwasserdamm begrünt; eine gestaltete Steinlandschaft mit Bewegungs- und Spielgeräten ist Naherholungsgebiet

Pflanzen und Pläne können wachsen

Künftig würde Michael Zäh gern häufiger gewerbliche Außenanlagen realisieren. Durch die ländlichen Strukturen in der Umgebung ist der Markt in diesem Bereich jedoch begrenzt. Hauptsächlich bewerben sich die Zähs auf öffentliche Aufträge. Bei den Submissionen zählen die Vergabekriterien, „und das ist leider immer noch in 95 Prozent der Fälle der Preis“, sagt Zäh junior. Über 500 Angebote habe Zäh Senior im vergangenen Jahr abgegeben, aus ca. einem Zehntel davon seien Aufträge geworden. „Mein Vater ist ein „Kalkulationsmonster“. Er weiß, auf welchen Gebieten wir stark sind. Entscheidend sind oft die Schlüsselpositionen, sie machen bis zu 80 Prozent der Auftragssumme aus. Da kann er, wenn nötig, ein wenig korrigieren.“

Michael Zäh

Von 0 auf 50: Gerhard Zäh hat den Betrieb gegründet – heute arbeiten rund 50 Menschen bei Zäh-Gartengestaltung.

„(…) wir (dürfen) nicht immer größer, sondern müssen effektiver werden. Wir investieren gezielt und erarbeiten uns einen Puffer. Das habe ich von meinem Vater gelernt.“

Kommunales Interesse an Entwicklungspflege nimmt zu

Einen besonders guten Namen in der Region hat der Betrieb im Bereich Vegetationstechnik. Dabei spielt neben der Pflanzung auch das langfristige Entwickeln und Erhalten der Pflanzen eine wichtige Rolle. Die Firma Zäh bietet Fertigstellungs-, Entwicklungs- und Unterhaltungspflege aus dem eigenen Haus an. Bisher reagierten die Auftraggeberinnen und Auftraggeber verhalten. Doch nun schreiben immer mehr Kommunen neben der Fertigstellungspflege auch die Entwicklungspflege mit aus. So sollen in trockenen Sommern die neuen Anlagen überleben.

Noch seien Bewässerungsanlagen bei öffentlichen Flächen nicht sonderlich gefragt, sagt Michael Zäh. Aber es könnten mehr werden: „Wir haben einen Stadtmauerweg mit einem Freilichttheater in einer Kommune gebaut, dort hat der Rasen eine Beregnung und die Pflanzen haben Tröpfchenbewässerung. Als zuverlässige Partner für öffentliche Anlagen sind wir bekannt.“ Dabei stehen die Qualität der Pflege und die Wertschätzung der Pflanzen natürlich im Vordergrund. Entsprechend liegt die Ausfallquote bei Pflanzungen unter 5 Prozent. Ein Ergebnis, das zufrieden macht.

„Mein Ziel ist es, mehr Zeit fürs Entwickeln der Firma zu haben. Mein Vater soll sich immer mehr Freizeit gönnen. Von mir aus sollen meine Eltern jedes Wochenende in den Urlaub fahren.“

Mehr Zeit fürs Planen und Entwickeln

Michael Zäh hat klare Ideen für die Zukunft, bleibt dabei jedoch realistisch: „Seitdem ich in der Landschaftsbaubranche bin, haben wir nur rosige Zeiten, jedes Jahr neue Umsatzrekorde. Wir müssen uns darauf einstellen, dass diese irgendwann stagnieren. Vielleicht nach der Bundestagwahl. Irgendwann steigen die Steuern, dann wird weniger investiert, privat und öffentlich. Darum dürfen wir nicht immer größer, sondern müssen effektiver werden. Wir investieren gezielt und erarbeiten uns einen Puffer. Das habe ich von meinem Vater gelernt.“

Und in 10 Jahren? Wo möchte Michael Zäh dann stehen? „Für mich ist das das wichtigste Ziel, mehr Zeit fürs Entwickeln der Firma zu haben. Mein Vater soll sich immer mehr Freizeit gönnen. Von mir aus sollen meine Eltern jedes Wochenende in den Urlaub fahren.“

Zäh junior selbst möchte immer mehr abgeben, das Operative intelligent strukturieren, um Zeit für das Geschäftliche, Kaufmännische und das Entwickeln zu haben. Mit einem verlässlichen Team, auf das er heute schon bauen kann. Denn gegenseitiges Vertrauen, auch zu den Mitarbeitenden, ist für ihn das A und O. „Die Firma ist nicht nur von mir abhängig. Ich möchte einige Angestellte in Führungspositionen haben, auf die ich mich verlassen kann. Wenn eine Firma ohne Chef läuft, ist sie eine gute Firma.“

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2021-12-28T08:38:04+01:00
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