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Schon seit 1984 beschäftigt sich der Nürtinger Betrieb „die bäumler“ mit der naturnahen Gartengestaltung. Seitdem haben sie jede Menge Erfahrung gewonnen, die ihren Kunden zu Gute kommt. Eine Besonderheit des Unternehmens ist der Fokus auf Artenvielfalt. Werner Krempel und Norbert Mückschel, zwei der Gesellschafter, erzählen, worauf es ihnen dabei ankommt.

Nachhaltigkeit, Ökologie und viel Wertschätzung für Pflanzen: Was sich in der Gesellschaft zurzeit als Trend entwickelt, ist für „die bäumler“ in Nürtingen schon seit über 30 Jahren selbstverständlich. Sie gründeten sich in den 80er-Jahren als kooperativer Betrieb, stark geprägt durch die Naturgartenbewegung. Der Idealismus der ersten Jahre ist immer noch spürbar, zugleich hat sich die Perspektive mit den Jahren geweitet: „Eine große Artenvielfalt und umweltfreundliches Wirtschaften liegen uns sehr am Herzen, wir sind aber keine 150%-igen Ökos“, drückt es Werner Krempel, einer der vier Gesellschafter, aus. „Uns macht vielmehr die Synthese aus Naturnähe und Gestaltung aus.“

„Eine große Artenvielfalt und umweltfreundliches Wirtschaften liegen uns sehr am Herzen.”

Werner Krempel hat zusammen mit Birgit Zimmermann die Geschäftsführung inne.

Individuelle Gärten

Mit viel Herzblut und Fantasie nachhaltige Lösungen zu entwickeln, die den Wünschen ihrer Kunden – überwiegend Privatkunden im gehobenen Sektor – perfekt entsprechen, ist das selbstgesteckte Ziel der Nürtinger. Das kann eine wildromantische Oase sein, aber auch mal ein eher formaler Garten. „Unser Unternehmensclaim ‚Individuelle Gärten‘ ist nicht bloß ein Lippenbekenntnis“, erklärt Krempel, der im Betrieb neben der Geschäftsführung vor allem für Planung und Beratung zuständig ist. „Mir ist es deshalb wichtig, die Menschen persönlich kennenzulernen, um herauszufinden, was sie bewegt. Die ersten Gespräche führe ich am liebsten bei ihnen zuhause, denn dann sehe ich, wie sie leben, welche Kinder und Tiere rumwuseln. So bekomme ich ein gutes Gespür dafür, was passt.“ Dieser persönliche Kontakt stärkt umgekehrt das Vertrauen der Kunden, genau den Partner gefunden zu haben, der die eigenen Träume versteht und umsetzt.

Jahrzehntelange Erfahrung

Bei ihrer Gründung 1984 waren die bäumler mit ihrem Fokus auf Naturnähe Pioniere in der Region. Sie erprobten den Einsatz der unterschiedlichsten Pflanzen, Materialien und Methoden und fanden mit der Zeit immer besser heraus, was im Hausgarten gut funktioniert und was eher nicht. „Wir lernen ständig dazu“, sagt Krempel. „Natürlich haben wir manchmal auch Fehler gemacht: Fehler sind etwas ganz Wichtiges, um weiterzukommen. So konnten wir immer wieder nachjustieren und haben mittlerweile einen großen Erfahrungsvorsprung in der naturnahen Gartengestaltung.“

Dabei ist es hilfreich, dass viele Kunden dem Betrieb sehr lange treu sind. „Wir begleiten Menschen und Gärten oft über lange Zeit, viele schon seit 20 oder 30 Jahren. So bekommen wir mit, wie die Kinder größer werden und wie sich die Pflanzen über die Jahre entwickeln“, freut sich Norbert Mückschel, ebenfalls ein Gesellschafter des Unternehmens.

Bei vielen bäumler-Gärten steht Naturnähe im Mittelpunkt.

„Unser Unternehmensclaim ‚Individuelle Gärten‘ ist nicht bloß ein Lippenbekenntnis.“

Echte Pflanzenspezialisten

Mückschel ist der bäumler mit dem weitreichendsten Pflanzenwissen, das er auch als Dozent für Pflanzenkenntnis und -verwendung sowie Vegetationsplanung an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen weitergibt. Dank seines Know-hows und seiner Neugier steht bäumler-Kunden eine ungewöhnlich große Bandbreite an Pflanzen, insbesondere Stauden, zur Auswahl, die geschickt miteinander kombiniert werden. Ein spannungsvolles Gesamtbild entsteht zum Beispiel durch den Kontrast unterschiedlicher Laubformen und Farben, durch das Zusammenspiel hoher und niedriger Stauden und durch passende Elemente aus Stein und Holz. Eine Spezialität von Mückschel sind Blumenzwiebeln, unter anderem von verwildernden Arten.

Standortgerechter Pflanzeneinsatz

Anders als in den Anfangszeiten der bäumler, in der überwiegend heimische Pflanzen verwendet wurden, steht jetzt eine standortgerechte Pflanzenverwendung im Vordergrund. Ästhetische und ökologische Aspekte werden miteinander vereint, und auch das Potential nicht-heimischer Arten wird genutzt. „Durch die Veränderung des Klimas und die verfrühte Blütezeit blüht von der heimischen Flora im Spätsommer fast nichts mehr, und die Insekten hungern. Nordamerikanische oder mediterrane Wildstauden bieten hier eine wichtige Nahrungsquelle und bringen attraktive Blütenaspekte in den Garten“, sagt der Pflanzenspezialist.

Ähnliches gilt für Gehölze, von denen viele mit den sich verändernden klimatischen Bedingungen nicht mehr zurechtkommen. Mückschel setzt hier auf „Zukunftsarten“ wie den Tausendblütenstrauch (Tetradium daniellii), den 7-Söhne-des-Himmels-Strauch (Heptacodium myconoides) oder den Blasenbaum (Koelreuteria paniculata), die im Spätsommer blühen. „Diese Arten sind wunderschön, trockenheitsbeständig und sehr wertvoll für die Insektenwelt. Das macht sie zu sinnvollen Ergänzungen im Siedlungsbereich – allerdings nicht in der freien Landschaft“, betont er.

„Durch die Veränderung des Klimas und die verfrühte Blütezeit blüht von der heimischen Flora im Spätsommer fast nichts mehr, und die Insekten hungern. Nordamerikanische oder mediterrane Wildstauden bieten hier eine wichtige Nahrungsquelle und bringen attraktive Blütenaspekte in den Garten.“

Norbert Mückschel gibt sein Pflanzenwissen auch als Dozent an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen weiter.

Ungewöhnliche Effekte mit Wildkräutern

Seit einiger Zeit experimentiert Norbert Mückschel auch mit Wildkräutern wie Giersch oder Schachtelhalm, die, mit anderen Stauden ergänzt, eine interessante Wirkung entfalten können. Giersch, zum Beispiel, kombiniert er effektvoll mit Blattschmuckstauden, oder er pflanzt Großstauden neben das Wildkraut, die es verdrängen, sobald es vergilbt und nicht mehr schön aussieht.

Natürlich ist die Vorstellung, „Unkraut“ im Garten oder in einer Grünanlage zu haben, nicht jedermanns Sache. „Es geht deshalb darum, Denkweisen zu verändern“, so der Pflanzenexperte. „Man muss kreativ in der Gestaltung sein. Über schöne Bilder von Pflanzungsbeispielen kann man dann oft überzeugen.“

Die Pflanzenkenntnis ist im Unternehmen insgesamt auf einem hohen Niveau. Vor allem die Mitarbeiter im Bereich „Pflanzung und Pflege“ sind hier sehr gut aufgestellt. Sie bieten auch intern Kurse zu Pflanzenthemen an, denen Mitarbeiter und Kunden beiwohnen können. Die Mitarbeiter profitieren außerdem davon, dass Norbert Mückschel relativ viel selbst draußen vor Ort ist – beim Pflanzen, manchmal auch bei der Pflege – und sein umfangreiches Wissen direkt an sie weitergibt.

Die Pflanzenkenntnis ist im Unternehmen insgesamt auf einem hohen Niveau.

 „Es geht darum, Denkweisen zu verändern.“

Nachhaltigkeit als Gesamtkonzept

Das Verständnis von Nachhaltigkeit erstreckt sich bei den bäumlern über alle Unternehmensbereiche. Zum Beispiel nutzen sie für Holzbauten fast nur heimische Hölzer – vor allem Lärchenholz aus einem nur wenige Kilometer entfernten Wald. Tropenholz wird nur äußerst selten verbaut, und nur dann, wenn sich ein Kunde partout nicht davon abbringen lässt. Ein weiteres Prinzip ist der konstruktive Holzschutz. So bleiben die Hölzer in aller Regel unbehandelt und lassen sich später recyceln oder am Ende ihrer Lebenszeit im Ofen verfeuern.

Die vor Ort vorhandene Erde bereiten die Schwaben nach Möglichkeit auf und passen die Bepflanzung dem Standort an statt umgekehrt, so dass ein unnötiger Austausch von Boden weitgehend vermieden wird. Für Mauern und Beläge kommen regionale Steine zum Einsatz. „Von Anfang an haben wir Trockenmauern aus Recycling-Sandstein gebaut“, sagt Werner Krempel. „Es gibt viele sehr hochwertige recycelte Materialien, aus denen man tolle Sachen machen kann. Man sollte sie keineswegs als Baustoffe zweiter Klasse verstehen.“ Ein weiterer Ansatz ist, im Garten vorhandene Materialien nicht wegzuwerfen, sondern in einem neuen Zusammenhang wiederzuverwenden.

Respekt für bestehende Strukturen

Dieses Vorgehen passt zum Profil des Unternehmens, das zu rund 80% in bestehenden Gärten tätig ist. „Bei alten Gärten schätzen es die Kunden sehr, wenn man behutsam vorgeht und nicht alles niederreißt“, ist Mückschels Erfahrung. „Und es macht Spaß, mit bestehenden Strukturen zu arbeiten. Diese Gärten sind voller Leben. Man begegnet Menschen, die lange in dem Garten gelebt, ihn vielleicht von den Eltern oder Großeltern geerbt haben. Zu einem Baum, den einmal der Opa gepflanzt hat, hat man natürlich eine besondere Beziehung. Mit einem solchen Erbe einfühlsam umzugehen, ist etwas Schönes.“

„Bei alten Gärten schätzen es die Kunden sehr, wenn man behutsam vorgeht und nicht alles niederreißt.“

Eine soziale Firmenkultur

Gewachsene Strukturen zeichnen auch das Unternehmen selbst aus. Mit der Gründung als selbstverwalteter Betrieb ging der Anspruch eines gleichberechtigten Miteinanders einher. Bis heute sind die Hierarchien flach, ist die Unternehmensausrichtung sozial und dank flexibler Arbeitszeitmodelle ausgesprochen familienfreundlich. Es gibt unter anderem 4-Tage-Wochen oder auch die Möglichkeit, eine Woche zu arbeiten und eine nicht. Diese Modelle sind jahrelang geübt und funktionieren gut. Einige Mitarbeiter haben sogar extra deshalb bei den bäumlern angeheuert.

Das Konsensprinzip für sämtliche Entscheidungen, das in den Gründungszeiten zum Selbstanspruch gehörte, wurde mit der Zeit relativiert. Bei zentralen Themen wie der Firmenausrichtung legen die vier Gesellschafter aber nach wie vor Wert darauf, sich Zeit zu nehmen und eine Lösung zu finden, in der sich alle wiederfinden. Die Mitarbeiter werden in Betriebsversammlungen bewusst in Findungsprozesse einbezogen. Und wenn eine neue Maschine angeschafft werden soll, führen die Baustellenleiter selbst die Recherchen durch und unterbreiten der Geschäftsleitung dann Vorschläge. Dadurch ist auch die Akzeptanz größer.

Gelungene Kommunikation und Aufgabenverteilung

Es gibt wenig Reibungsverluste durch schlechte Kommunikation, und das ist laut Werner Krempel einer der Gründe für das gute Miteinander und die sehr geringe Fluktuation (die Betriebszugehörigkeit beträgt im Schnitt 20 Jahre!). Und dafür, dass die vier Gründer die Geschicke der Firma seit Jahrzehnten ohne Unterbrechung gemeinschaftlich lenken.

Dabei wurde die Verteilung der Aufgaben über die Jahre ein wenig angepasst: In Gründungszeiten „haben alle alles gemacht“. Mittlerweile haben sich dort Schwerpunkte herausgebildet, wo die individuellen Neigungen liegen. Bei Norbert Mückschel sind das die intensive Auseinandersetzung mit Pflanzen und die Zusammenarbeit mit Hochschulen, bei Peter Thibaut die Planung, Beratung und Akquise sowie das Werbekonzept und der Internetauftritt. Die Geschäftsführung bestreiten Werner Krempel und Birgit Zimmermann seit 1995 gemeinsam. Birgit Zimmermann kümmert sich darüber hinaus um die Auszubildenden und um die Mitarbeiter mit einem Fluchthintergrund.

„Wir haben in Ausführung und Gestaltung einen sehr hohen Qualitätsanspruch“, unterstreicht Mückschel. „Da bewährt es sich, dass wir alle das gesamte Aufgabenspektrum gut kennen und gleichzeitig eigene Bereiche haben, in den wir besonders stark sind.“

„Wir haben in Ausführung und Gestaltung einen sehr hohen Qualitätsanspruch.“

Einsatz für Geflüchtete

Stichwort Geflüchtete: Zwei junge Männer aus Kamerun und Pakistan sind zurzeit bei den bäumlern in der Ausbildung, ein junger Mann aus dem Iran arbeitet im Werkstattbereich. Vor allem Birgit Zimmermann unterstützt diese Mitarbeiter nach Kräften, sowohl bei schulischen und fachlichen Fragen als auch bei schwierigen Behördengängen. Aber auch die Belegschaft trägt viel dazu bei, dass diese Mitarbeiter sich immer besser zurechtfinden.

Den vier Gesellschaftern ist es ein Anliegen, den jungen Männern nach der Ausbildung eine langfristige Perspektive anbieten zu können. Hier ist allerdings auch die Politik gefragt: „Wir brauchen solche gut ausgebildeten jungen Menschen“, betont Werner Krempel. „Deshalb engagieren wir uns in der Unternehmerinitiative ‚Bleiberecht durch Arbeit‘ und versuchen so, auch politisch einzuwirken.“ Die Initiative hatte immerhin schon einen Termin im baden-württembergischen Innenministerium, erzählt er. „Man wird angehört. Das heißt aber leider nicht automatisch, dass man auch gehört wird.“

Mitgliedschaft im Verband

Nicht zuletzt in diesem Zusammenhang schätzen es die bäumler, den Verband als Partner im Rücken zu haben. „Man braucht bei Themen wie diesem eine starke Lobby“, sagt Krempel. Am Verband gefallen ihm außerdem der Austausch mit anderen Mitgliedern und die zahlreichen Fortbildungen. Dabei hat es lange gedauert, bis sich die vier Gesellschafter auf die Mitgliedschaft eingelassen haben. Erst vor etwa 10 Jahren überwanden sie ihre Vorbehalte. „Wir hatten Berührungsängste und fürchteten die berüchtigte ‚Verbandsmeierei‘“, erinnert sich Mückschel schmunzelnd. „Daher waren wir überrascht, wie kreativ der Verband ist. Mit seinen interessanten Fortbildungen und zuletzt mit den regelmäßigen Informationen zu Corona ist er wirklich am Nerv der Zeit.“

Veröffentlicht am 15.10.2020
2020-10-15T15:49:27+02:00
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