Nachhaltiger Wandel im GaLaBau:
die Firma Blattwerk

Nachhaltiger Wandel im GaLaBau – bei der Gründung der Firma Blattwerk Gartengestaltung im Jahr 1981 war dieser Ansatz (nicht nur) für die GaLaBau-Branche revolutionär: Damals setzten ein Gärtner und zwei Gärtnerinnen auf partnerschaftliche Strukturen, um Gärten naturnah und ökologisch anzulegen. Mit dem Anspruch, sowohl gärtnerisch als auch gestaltend hochwertig zu arbeiten.

Heute, gut 40 Jahre später, ist die Blattwerk Gartengestaltung GmbH damit auf der Höhe des Zeitgeists. Nicht zufällig hielten die Geschäftsführer Hartmut Bremer und Stefan Böhm im September 2021 einen Vortrag zum Thema „Gelebte Nachhaltigkeit und Gemeinwohlökonomie im GaLaBau“ auf dem BGL-Verbandskongress in Erfurt.
Im GaLaBau-Blog sprechen sie über Nachhaltigkeit, ihre Ansprüche und Selbstkritik.

Teamtag

Bestimmte Leute die – und das meine ich ganz positiv – egoistisch hochmotiviert sind und etwas erreichen möchten, was auch dem Betrieb guttut, finden bei uns wahrscheinlich nicht das, was Sie in einem anderen Betrieb finden.

Wie waren bei Ihrer Gründung Anfang der 80er Jahre die Reaktionen auf Ihr Unternehmen – auch in Ihrer Branche?

Hartmut Bremer: In den Anfängen wurden wir von der Branche als Außenseiter und Chaoten wahrgenommen. Da waren wir kein Verbandsmitglied. Damals haben wir uns Blattwerk-Gartengestaltung genannt. Doch die organisierte Branche erwartete die Bezeichnung „Garten- und Landschaftsbau". Entsprechend erhielten wir ein Schreiben vom GaLaBau-Verband.

Inzwischen werden wir eher als Vorreiter wahrgenommen. Denn wir haben etwas zu erzählen, von dem andere profitieren können.

Vor 20 Jahren sind Sie, Herr Böhm, dazugekommen. War das eine bewusste Entscheidung?

Stefan Böhm: Zunächst hatte ich meine Ausbildung zum Landschaftsgärtner bei der Stadt gemacht. Da gab es eine gewisse Angst vor dem rauen Ton in den Privatbetrieben. Aber Blattwerk hatte die Ausstrahlung: Da bin ich willkommen, die teilen meine Werte.

Seit einigen Jahren pflegen sie eine besondere Gesprächskultur auch in Form Ihres wöchentlichen Morgenkreises.

Stefan Böhm: Da moderieren Führungskräfte abwechselnd. Ohne dass jemand Themen sammelt oder moderiert, wird es schwierig. Dann stehen wir im Hof zusammen, und jeder kann etwas sagen, muss es aber nicht. Denn wir zerren die Stilleren nicht ins Rampenlicht, wo sie sich nicht wohl fühlen. Zu jeder Morgenrunde gibt es ein kurzes Protokoll, das man in unserem Mitarbeiterportal per Handy abrufen kann. Laut Arbeitsvertrag sind alle dazu verpflichtet, das tatsächlich nachzulesen.

Hartmut Bremer: Trotzdem braucht es jemanden, der das mit hoher Disziplin einfordert. Sonst verläuft es schnell im Sande. Auch Pünktlichkeit ist bei der Morgenrunde wichtig - und ein enges Zeitfenster von einer Viertelstunde.

Wöchentliche Morgen-Meetings im Betrieb? „Dadurch ist der Bedarf an Betriebsversammlung deutlich reduziert, weil wir viel zeitnaher viele kleine Themen und Bauchschmerzen einfangen.“
Hartmut Bremer

Welche Themen haben Vorrang?

Stefan Böhm: Dazu folgen wir dem Prinzip der Subsidiarität, also fällen Entscheidungen auf der niedrigstmöglichen Ebene. Oft ist eine Diskussion in einer großen Gruppe nicht zielführend.  Manche Themen können bis nächste Woche warten.

Früher hatten wir etwa drei Betriebsversammlungen im Jahr, da hatte sich meistens etwas angestaut. Der Morgenkreis ist ein super Überlast-Ventil, es werden nicht mehr so grundsätzliche Diskussionen.

Auch Arbeitsunfälle, beziehungsweise Situationen, die ein Arbeitsunfall hätten werden können, besprechen wir: Wo lag das Risiko, was können wir daraus lernen?

Hartmut Bremer: Ein wichtiger Teil unserer Fehlerkultur ist, gemachte Fehler so schnell es geht öffentlich zu machen, damit andere nicht in die gleiche Falle tappen.

Nachhaltigkeit und Gemeinwohl-Ökonomie

Blattwerk Gartengestaltung ist Teil der Bewegung Gemeinwohl-Ökonomie. Ziel ist es, Nachhaltigkeit aktiv zu leben, auch über die nachhaltige Wahl der kontoführenden Bank. Die Mitarbeitenden erhalten z. B. Zuschuss zu ÖPNV-Fahrkarten und Diensträdern. Im Fuhrpark wird das kleinstmögliche Fahrzeug genutzt. Zur Betriebsphilosophie gehören Teamtage, Kommunikationstrainings sowie die Förderung eines sozialen und gerechten Betriebsklimas. Das Unternehmen verzichtet auf chemische Dünger und Pflanzenbehandlungsmittel.

Nachhaltigkeit – Wettbewerbsvorteil bei der Fachkräftesuche?

Wählen Arbeitssuchende bewusst Ihren Betrieb?

Stefan Böhm: Bis vor einigen Jahren haben wir auf der Website darüber geredet, was wir bieten. Heute schreiben wir, was wir den Menschen abverlangen. So gibt es zum Beispiel Leute, die mögen unsere ständig wechselnden Teams. Für andere ist das ein Graus, die fühlen sich bei uns nicht wohl.

Hartmut Bremer: Inzwischen gucken unsere Mitarbeitenden auch selbst nach neuen Leuten, weil sie wissen, dass ein Stinkstiefel in ihrem Team ihnen nicht hilft. Und das ist gut.

Gibt es in der Branche viele Menschen, die so denken wie Sie?

Stefan Böhm: Mehr als wir beschäftigen können!
Aber unser Konzept passt nicht für alle. Denn es erfordert von allen Mitarbeitenden, dass sie bereit sind, sich zu öffnen, empathisch zu agieren, und auch ihre Verantwortung für Lösungen zu übernehmen. Das ist nicht jedermanns Sache.

Aber wir wissen um den Wert von introvertierten Menschen. Deshalb sagen wir manchem Hochmotivierten: „Tritt mal zurück, lass die anderen teilhaben an deinem Wissen. Denk ans Team! Dass es für dich passt, reicht nicht.“

Hartmut Bremer: Wir können es nicht allen recht machen.

Stefan Böhm zur Nachhaltigkeit im GaLaBau:

Nachhaltig wird etwas erst, wenn ökologisch, sozial und ökonomisch zusammenkommen.

Sehr verkürzt sind die wesentlichen Fragen, die sich ein GaLaBau-Betrieb zum Thema Nachhaltigkeit stellen sollte:

  • Wie kann ich attraktiver für potenzielle Mitarbeitende werden?
  • Wie kann ich schon jetzt ökologischer agieren, ehe der Handlungsdruck mich dazu zwingt?
  • Wie kann ich attraktiv für meine Kundschaft bleiben und ökonomisch stabil?

Kurzfristig bedeutet das ein Invest von Zeit und Geld. Langfristig sichert es den betrieblichen Erfolg.

Stefan Böhm: Wollen wir auch nicht mehr.

Hartmut Bremer: Müssen wir auch nicht mehr, und das ist eigentlich das Schönste. Es braucht schon Leute, für die Ökonomismus nicht das Einzige ist, was zählt. Wir können nur schwer mit Leuten umgehen, die am liebsten noch samstags arbeiten, um damit ihr Häuschen zu bezahlen. Wir sind nicht in jede Richtung integrationsfähig.

Was war die schlimmste Kritik, die Sie als Unternehmen bekommen haben?

Hartmut Bremer: Aus der Mitarbeiterschaft ist das der Vorwurf der Führungsschwäche.

Und es war ein langer und auch mühsamer Prozess anzuerkennen, dass es Führungsbedarf gibt. Auch wenn Führung nicht unbedingt heißt, knallhart durchzugreifen. Denn der Job von Führung ist auch, alle mitzunehmen. Bis mir das klar war, hat es gebraucht.

Stefan Böhm: Wir kommen von der Basisdemokratie, die an Schwarmintelligenz glaubt. Besonders schmerzhaft ist es immer, wenn wir hoffen, dass jemand zu einem Thema eine Idee entwickelt. Und dann ducken sich im Zweifelsfall 10 Leute weg.

Hartmut Bremer: Wir merken: Manche Kolleginnen und Kollegen sind froh in der zweiten, dritten oder sogar vierten Reihe. Wenn sie sich mit großen Themen beschäftigen sollen, sind sie überfordert. Dann schafft es Vertrauen zu sagen: „Ich denke darüber nach, und wir haben ein Gremium, das sich damit beschäftigt.“

Wie treten Sie beim Kunden auf?

Hartmut Bremer: Natürlich brauchen sie einen Ansprechpartner, dem sie ihr Haupt auf die Schulter legen können. Dazu müssen wir zuhören und die Metathemen erkennen, die für den Kunden, die Kundin wichtig sind. Und dann mehr liefern, als sie sich erträumt haben.

Dazu braucht es natürlich Selbstbewusstsein und die Erfahrung. Dass die Nische, die wir in Stuttgart besetzen können, wohl nicht in Mecklenburg-Vorpommern auf dem Land funktionieren würde, muss ich selbstkritisch sagen.

Stefan Böhm: Mir ist das ein bisschen fatalistisch. Denn es wäre nicht schlimm, wenn wir kleiner wären, wenn es wirtschaftlich funktioniert. Wachstum an sich ist erstmal keine Größe.

Hartmut Bremer: Wenn wir auf die letzten fünf Jahre blicken, stimmt das.

Doch die Gründungsabsichten, mit der ich und die Kolleginnen angefangen haben, waren sehr idealistisch. So gab es zum Beispiel keine Motorsägen. Mit Anfang 30 musste ich dann feststellen: Wenn ich so weitermache, ende ich definitiv in Altersarmut.

In den Nuller-Jahren war das Motto dann: „Geld ist das Entscheidende“. Jetzt, wo die Ernte eingefahren ist, kann ich natürlich große Töne spucken.

Man muss sehr aufpassen, aus welcher Lebensphase heraus Menschen argumentieren. Gründerinnen und Gründer, die in der Familienphase sind und eine Familie ernähren müssen, haben oft überhaupt keine Zeit für gesellschaftliche Themen.

Stefan Böhm: Die Chancen für uns steigen, wenn Leute sagen: Nachhaltigkeit und ökologischer Umgang sind uns wichtig. Immer mehr Menschen sind bereit, dafür und für „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus artgerechter Haltung“ einen Mehrpreis zu zahlen.

Der große Hebel, an dem wir ansetzen müssen, sind die Materialien, die wir in den Garten fahren.

ökologischer ressourcensparender Mauerbau: Steckmauer

CO2-Bilanz? „Ein bisschen desillusionierend …“

Sie haben bei der Selbstanalyse festgestellt, dass Sie nicht so ökologisch sind, wie Sie gerne wären …

Hartmut Bremer: Das treibt die ganze Branche um. Erstmal sind wir überzeugt davon, wir seien per se ökologisch. Schließlich arbeiten wir im Garten und tun etwas für die Umwelt.

2021 haben wir eine CO2-Bilanz erstellt. Unser Klimabericht ist online. Es ist ein bisschen desillusionierend: Die Bautätigkeit als solche ist der „Klimakiller“. Denn ohne Beton könnten wir bestimmte Dinge nicht machen, das ist ein Riesenbatzen. Wenn wir weniger bauen, sind wir umweltfreundlicher. Doch dann beschäftigen wir auch weniger Menschen.

Positiv sind unsere Gärten, die haben eine höhere Artenvielfalt als viele andere. Wir bemühen uns, das bei Pflanzungen zu berücksichtigen. Die Kolleginnen und Kollegen wissen inzwischen, wie gut es ist, Gestrüpphaufen liegen zu lassen. Aber das sind natürlich keine wirklich durchschlagenden Maßnahmen.

Sind Ihre Kunden schon ökologisch, nachhaltig und sozial? Und welche Chancen haben Sie, diese Haltung durch Ihre Arbeit zu beeinflussen?

Hartmut Bremer: Zumindest ein Stück weit können wir Einfluss nehmen. Dabei haben wir auch die Chance, eine neue Ästhetik zu vermitteln. So brauche ich nicht überall Rasen, ich brauche auch raumbildende Strukturen.

Zwar werden wir nicht die reine Lehre leben können, aber wir können Einfluss darauf nehmen. Wir müssen den Lieferanten klarmachen, wie wichtig das ist. Da hoffen wir, mehr Druck aus der Branche machen zu können.

Ökologische Herausforderung

Stefan Böhm: Man schaut: Wer bewegt sich als Erster – und jeder hat Angst davor, sich zu bewegen.
Auch wir haben Sorge, dass ein ökologisch hochwertigeres Produkt beim Kunden nicht so gut ankommt. Also brauchen wir alle ein bisschen mehr Mut und müssen uns gegenseitig unterstützen. Das ist die Herausforderung in der Transformation.

Hartmut Bremer: Das betrifft auch die Kolleginnen und Kollegen im High-End-Bereich: da, wo Schwimmteiche und Pools eingefordert werden, wo Geld keine Rolle spielt. Dort haben sie echte Not, wenn sie sich an Nachhaltigkeit und Ökologie orientieren wollen. Klimabezug spielt für diese Kundinnen und Kunden oft keine Rolle. 

Wie sehen Sie die ökologische Entwicklung im GaLaBau in Zukunft?

Stefan Böhm: Das Engagement im ökologischen Bereich ist betriebswirtschaftlich sinnvoll. Die Politik wird strengere Vorgaben machen müssen, und unsere Kundschaft wird von uns wissen wollen, wie ökologisch wir agieren. Kurzfristig lässt sich dieses Thema womöglich ignorieren – langfristig aber sicher nicht. Dann ist es ein Wettbewerbsvorteil, wenn man Veränderungen aktiv mitgestaltet hat und nicht vom Veränderungsdruck getrieben wird.

Nachhaltigkeit verhindert Gewinn nicht, sondern fördert ihn langfristig.

Die Blattwerk Gartengestaltung GmbH war nominiert für den Umweltpreis Baden-Württemberg 2022

Der Garten- und Landschaftsbaubetrieb Blattwerk wurde für den renommierten Umweltpreis Baden-Württemberg in der Kategorie „Handwerk“ nominiert. Insgesamt wurden 60.000 Euro Preisgeld vergeben, die wiederum in den betrieblichen Umweltschutz zu investieren sind. Die Preisverleihung fand am 1. Dezember 2022 in Stuttgart statt, die Preise vergab Umweltministerin Thekla Walker.

„Es ehrt uns, dass wir für den Umweltpreis nominiert wurden. Es war inspirierend zu sehen, wie sich die Mitbewerber*innen für den Umwelt- und Klimaschutz engagieren. Besonders gefreut hat uns, dass der Gärtnerhof Jeutter den diesjährigen Umweltpreis gewonnen hat.“ (Stefan Böhm)

Seit 1993 wird der Umweltpreis für Unternehmen vergeben. In diesem Jahr fand der Wettbewerb zum 20. Mal statt. Auszeichnungskriterien sind besondere Leistungen im betrieblichen Umweltschutz sowie eine vorbildliche umweltorientierte Unternehmensführung. Dabei werden insbesondere Umwelt- und Klimaschutz, Ressourcenschonung und Energieeffizienz der Unternehmen bewertet. Die Jury besteht aus Vertreterinnen und Vertretern von Wirtschaftsorganisationen, wissenschaftlichen Instituten, des Gewerkschaftsbundes, dem Bankenverband Baden-Württemberg, dem Handelsverband Baden-Württemberg, Umwelt- und Naturschutzverbänden sowie dem Wirtschaftsministerium.

Mehr zum Umweltpreis: Der Preis: Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg (baden-wuerttemberg.de)

Umweltpreis BaWü

Ayla Cataltepe (MdL Fraktion GRÜNE), Nicole Jeutter (Gärtnerhof Jeutter), Stefan Böhm (Blattwerk), Thekla Walker (Umweltministerin Baden-Württemberg), Hartmut Bremer (Blattwerk), J. Martin Jeutter (Gärtnerhof Jeutter) (v.l.n.r.)

Blattwerk Gartengestaltung

  • Standort Stuttgart
  • Rund 35 Mitarbeitende
  • Kundschaft/Projekte: private Hausgärten, Träger sozialer Einrichtungen (insbes. Kindergärten), Gewerbeunternehmen
  • Schwerpunkt auf Eigenplanungen
  • zur Website: Blattwerk Gartengestaltung

Vortrag: Gelebte Nachhaltigkeit

2022-12-23T13:10:19+01:00
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