Generationswechsel: Wie bei Meyer zu Hörste die Nachfolge gemeinsam gelingt

Wenn morgens die ersten Fahrzeuge den Hof verlassen, ist auf dem Gelände der Familie Meyer zu Hörste schon einiges los. Der alte Bauernhof in Bad Rothenfelde ist seit Generationen Lebensmittelpunkt der Familie – und zugleich Standort des eigenen Garten- und Landschaftsbau-Betriebs. Zwischen Werkstatt, Maschinenhalle und Wohnhaus verschwimmen Familie und Unternehmen bis heute ganz selbstverständlich miteinander. Dass die Firma heute erfolgreich in die nächste Generation geführt wird, ist das Ergebnis vieler Gespräche, gegenseitigen Vertrauens und eines langen gemeinsamen Prozesses.

Rolf Meyer zu Hörste

„1986 habe ich den Meister gemacht und dann neu gegründet“, erzählt Rolf Meyer zu Hörste. Die Voraussetzungen waren damals günstig: Der ehemalige landwirtschaftliche Betrieb der Familie bot Gebäude, Flächen und erste Maschinen. Der ursprüngliche Hof war 1972 abgebrannt, die Landwirtschaft danach nicht mehr im großen Stil weitergeführt worden. Stattdessen entstand Schritt für Schritt ein GaLaBau-Betrieb.

„1986 habe ich den Meister gemacht und dann neu gegründet.“
(Rolf Meyer zu Hörste)

Luftaufnahme des Garten- und Landschaftsbau-Betriebs Meyer zu Hörste

Der alte Bauernhof in Bad Rothenfelde ist seit Generationen Lebensmittelpunkt der Familie – und zugleich Standort des eigenen Garten- und Landschaftsbau-Betriebs.

Gewachsen mit der Region

Das Unternehmen entwickelte sich kontinuierlich weiter – ohne große Sprünge, aber mit klarer Linie. „Eigentlich sind wir jedes Jahr um eine Person gewachsen“, erzählt Rolf Meyer zu Hörste. Zunächst prägten kleine Privatgärten den Alltag, später kamen größere Projekte für Kliniken, Industrie und öffentliche Auftraggeber*innen hinzu. Trotzdem blieb der Betrieb bewusst regional. „Wir fahren selten weiter als eine Viertelstunde“, beschreibt sein Sohn Lars Meyer zu Hörste den Wirkungskreis des Unternehmens. Diese Nähe zur Region ist bis heute Teil der Unternehmensphilosophie. Viele Kundinnen und Kunden kennt man seit Jahren, manche Projekte entstehen über persönliche Empfehlungen. Oft entwickelt das Team komplette Gartenkonzepte selbst – von der ersten Idee bis zur fertigen Umsetzung. „Die Leute kommen nicht mit einer fertigen Ausschreibung zu uns“, erklärt Lars Meyer zu Hörste. „Sie kommen mit einem Wunsch, einem Problem oder einer Idee – und wir entwickeln gemeinsam die Lösung.“

Lars Meyer zu Hörste

Vater und Sohn führen den Betrieb gemeinsam als geschäftsführende Gesellschafter.

„Die Leute kommen mit einem Wunsch, einem Problem oder einer Idee – und wir entwickeln gemeinsam die Lösung.“
(Lars Meyer zu Hörste)

Ausbildung als Herzensangelegenheit

Besonders wichtig war der Familie schon früh die Ausbildung eigener Fachkräfte. 1992 wurde das Unternehmen Ausbildungsbetrieb, heute arbeiten viele ehemalige Auszubildende noch immer im Team. „Wir bilden alle gemeinschaftlich aus“, betont Lars Meyer zu Hörste. Ausbildung sei keine Aufgabe einzelner Personen, sondern der gesamten Mannschaft. Schon bei der Auswahl neuer Azubis wird das Team einbezogen. Bewerberinnen und Bewerber absolvieren zunächst ein Praktikum, anschließend wird gemeinsam entschieden, wer menschlich und fachlich zum Betrieb passt. Diese Haltung prägt die Unternehmenskultur insgesamt. „Freundschaftlich, partnerschaftlich und respektvoll auf Augenhöhe“, beschreiben Vater und Sohn den Umgang im Unternehmen.

2024 wurde das Unternehmen vom niedersächsischen Kultusministerium als besonders verlässlicher Ausbildungsbetrieb ausgezeichnet – eine Auszeichnung, die im niedersächsischen GaLaBau nur selten vergeben wird.

„Wir bilden alle gemeinschaftlich aus.“
(Lars Meyer zu Hörste)

Hecken Schneiden

Der Betrieb der Meyer zu Hörstes ist ausgezeichneter Ausbildungsbetrieb.

Die Nachfolge begann anders als geplant

Über die Unternehmensnachfolge wurde in der Familie früh gesprochen. „Vor etwa 15 Jahren haben wir angefangen, konkret darüber nachzudenken“, sagt Rolf Meyer zu Hörste.

Eigentlich schien die Richtung zunächst klar: Der älteste Sohn hatte eine kaufmännische Ausbildung, eine abgeschlossene GaLaBau-Lehre und später Landschaftsbau studiert –die perfekte Kombination für die Führung eines Garten- und Landschaftsbau-Betriebs. Doch nach vielen Gesprächen entschied er sich bewusst gegen die Übernahme.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Lars gerade sein Wirtschaftsinformatik-Studium abgeschlossen, war beruflich auf einem ganz anderen Weg unterwegs. „Ich hatte nie den Plan, hier einzusteigen“, erzählt er rückblickend. Trotzdem blieb die Verbindung zum Betrieb immer eng. Er war auf dem Hof aufgewachsen, kannte Team und Kundschaft seit vielen Jahren und war bereits seit 2013 Prokurist. „Da hing einfach ganz viel Herzblut dran“, sagt er heute.

Lars und Rolf Meyer zu Hörste

Als studierter Wirtschaftsinformatiker hatte Lars Meyer zu Hörste eigentlich andere Pläne, als ins väterliche Unternehmen einzusteigen. Die Verbindung zum Betrieb war jedoch immer eng.

„Da hing einfach ganz viel Herzblut dran.“ (Lars Meyer zu Hörste)

„Passt das wirklich?“

2014 begann schließlich der Einstieg in die Nachfolge – zunächst vorsichtig und mit offenem Ausgang. Gemeinsam mit externer Beratung entwickelte die Familie einen Fahrplan. Lars Meyer zu Hörste stieg in den kaufmännischen Bereich ein, erstmal mit einer Art Probezeit.

Dass er keine klassische gärtnerische Ausbildung mitbrachte, war anfangs durchaus ein Thema. „Wir haben uns gefragt: Wie wichtig ist die fachliche Kompetenz für so ein Unternehmen?“, erinnert sich sein Vater. Die Entscheidung fiel schneller als gedacht. Bereits nach rund einem Jahr war klar, dass beide den Weg gemeinsam weitergehen wollen. Seit 2017 sind Vater und Sohn geschäftsführende Gesellschafter. Heute sieht Rolf Meyer zu Hörste den fachfremden Hintergrund seines Sohnes sogar als Vorteil: „Mit dem Wissen von heute ist es sehr gut, dass Lars keine Baustellenverantwortung hat.“ Während er selbst sich weiterhin stark mit Qualitätskontrolle, Maschinen und technischen Lösungen beschäftigt, kümmert sich sein Sohn vor allem um Organisation, Mitarbeiter*innen, Prozesse und Bürokratie. Und davon gibt es inzwischen mehr als genug.

Rolf und Lars Meyer zu Hörste

Vom „Kumpel“ zum Geschäftsführer

Einfach war der Rollenwechsel trotzdem nicht immer. Viele Mitarbeiter*innen kannte Lars eher aus privaten Situationen – von Hoffesten, Betriebsfeiern oder gemeinsamen Veranstaltungen im Dorf. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ein langjähriger Mitarbeiter, der direkt nach der offiziellen Bekanntgabe zu ihm kam und sagte: „Ich weiß nicht, ob ich mir vorstellen kann, dass du mein Chef bist.“ Der Mitarbeiter hatte im selben Jahr im Betrieb angefangen, in dem Lars geboren wurde. „Aber auch das hat am Ende hervorragend funktioniert“, sagt er heute.

Vertrauen als Grundlage der Übergabe

Bis heute ist die Nachfolge formal noch nicht vollständig abgeschlossen. Gesellschaftsanteile und organisatorische Fragen werden Schritt für Schritt weiter geregelt. Dass der Prozess trotzdem so ruhig und harmonisch verläuft, führen beide vor allem auf Vertrauen und offene Kommunikation zurück.  „Ich hatte nie das Gefühl, ausgebremst zu werden“, sagt Lars Meyer zu Hörste. Sein Vater habe ihm früh freie Hand gelassen – auch bei Entscheidungen, die Veränderungen mit sich brachten.

Gleichzeitig wurde auch innerhalb der Familie offen gesprochen. Die Geschwister wurden von Anfang an in die Gespräche eingebunden. „Man muss offen und transparent kommunizieren, damit keine Mutmaßungen entstehen.“ Dazu gehörte auch, frühzeitig über Eigentum, Zuständigkeiten und finanzielle Fragen zu sprechen. Dass der Betrieb wirtschaftlich gesund aufgestellt war, habe die Übergabe zusätzlich erleichtert. „Es gab keinen Investitionsstau und keine Altlasten“, sagt Lars Meyer zu Hörste. Genau das sei bei vielen Nachfolgen ein Problem.

„Ich hatte nie das Gefühl, ausgebremst zu werden.“
(Lars Meyer zu Hörste)

Familie Meyer zu Hörste

Die offene Kommunikation innerhalb der Familie erleichterte den Nachfolgeprozess enorm.

Nachfolge braucht Zeit – und ehrliche Entscheidungen

Was würden die beiden anderen Betrieben raten? Vor allem eines: früh anfangen und ehrlich prüfen, ob die Selbstständigkeit wirklich zum eigenen Leben passt.

„Man muss sich fragen: Will man diese Verantwortung wirklich übernehmen?“, so Lars Meyer zu Hörste. Unternehmer*in zu sein bedeute eben nicht nur Freiheit, sondern auch ständige Verantwortung. Gleichzeitig beschreibt er die Nachfolge als große Chance: „Es macht Spaß, Dinge selbst gestalten zu können.“

Vielleicht funktioniert der Generationswechsel bei Meyer zu Hörste deshalb so gut, weil dort nie versucht wurde, möglichst schnell „zu übergeben“. Stattdessen ist die Nachfolge zu einem gemeinsamen Weg geworden – getragen von Vertrauen, Gesprächen und dem festen Willen, den Betrieb langfristig weiterzuführen.

Alle Fotos: Martin Rottenkolber
Autorin: Kim Lüftner

Carsten Peters2026-10-06T08:56:48+02:00
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