3. Forum Die grüne Stadt 2026:Kein Grün ohne Blau – Stadtwasserzwischen Sammlung, Nutzung und Risiko

Wie können unsere Städte mit Hitze, Trockenperioden und Starkregen umgehen? Und wie lässt sich Wasser besser für das Stadtgrün nutzen? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des 3. Forums Die grüne Stadt, das am 23. November in Berlin stattfindet. Unter dem Titel „Kein Grün ohne Blau“ bringt die Stiftung Die grüne Stadt unterschiedliche Akteur*innen zusammen, um über wasserbewusste Stadtentwicklung und konkrete Lösungen zu diskutieren. Philipp Sattler, Geschäftsführer der Stiftung, erklärt, warum Wasser und Grün künftig noch stärker zusammengedacht werden müssen und was GaLaBau-Unternehmer*innen vom Forum mitnehmen können.

Philipp Sattler

Philipp Sattler ist gelernter Landschaftsgärtner und hat zusätzlich ein Landschaftsarchitekturstudium an der Technischen Universität Berlin absolviert. Seit 2019 ist er der Geschäftsführer der Stiftung „Die grüne Stadt“.  Foto: Stiftung Die grüne Stadt

„Kein Grün ohne Blau“ – was steckt dahinter und warum ist Wasser gerade jetzt ein so wichtiges Thema?

Philipp Sattler: Der Begriff „Schwammstadt“ ist inzwischen sehr präsent. Mit „Kein Grün ohne Blau“ möchten wir die grundsätzliche Bedeutung des Wassers für das Stadtgrün in den Mittelpunkt rücken.

Gerade in Berlin wird deutlich, wie wichtig diese Frage ist. Wenn künftig weniger Wasser aus der Lausitz in die Spree gelangt, wird sich das auf die Trinkwasserversorgung auswirken. Gleichzeitig hat fast jeder Liter Wasser, der heute für das städtische Grün eingesetzt wird, Trinkwasserqualität. Wir müssen uns deshalb stärker damit auseinandersetzen, wie wir mit dieser Ressource umgehen.

„Die verschiedenen Anforderungen an den Stadtraum müssen gemeinsam betrachtet werden“

V. l. n. r.: Philipp Sattler, Prof. Bettina Oppermann, Präsidentin Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur e. V. (DGGL), Prof. Stephan Lenzen, Präsident Bund Deutscher Landschaftsarchitekt:innen (bdla), Prof. Antje Stokman, Hafencity-Universität Hamburg, Susanne Linnebach, Emschergenossenschaft / Lippeverband, Dr. Fabian Dosch und Stephanie Haury, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), Markus Guhl, Hauptgeschäftsführer Bund deutscher Baumschulen (BdB) e. V.

Titel des 2. Forums Die grüne Stadt 2025 lautete „Stadtgrün 4K: Kommunikation – Kompetenz – Kooperation – Kommune“. V. l. n. r.: Philipp Sattler, Prof. Bettina Oppermann, Präsidentin Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur e. V. (DGGL), Prof. Stephan Lenzen, Präsident Bund Deutscher Landschaftsarchitekt:innen (bdla), Prof. Antje Stokman, Hafencity-Universität Hamburg, Susanne Linnebach, Emschergenossenschaft / Lippeverband, Dr. Fabian Dosch und Stephanie Haury, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), Markus Guhl, Hauptgeschäftsführer Bund deutscher Baumschulen (BdB) e. V.

Was muss sich angesichts von Hitze und Trockenperioden in unseren Städten verändern?

Philipp Sattler: Wir müssen bereits bei der Anlage von Grün den späteren Unterhalt mitdenken. Es reicht nicht aus, gute Investitionen zu tätigen. Entscheidend ist, wie wir das Grün langfristig erhalten können. Dazu gehören die Wasserversorgung, die Auswahl des Stadtgrüns und der Aufbau der Pflanzungen. Bäume brauchen ausreichend Wurzelraum, damit sie ein Feinwurzelsystem entwickeln können, das langfristig eine eigenständige Wasserversorgung ermöglicht. Wenn Grünflächen dauerhaft intensiv mit Trinkwasser versorgt werden müssen, stoßen Grünflächenverwaltungen schnell an ihre Grenzen.

2025 hielt BGL-Präsident und Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung Thomas Banzhaf ein Grußwort auf dem Forum.

Stadtgrün ist kein „Nice-to-have“

Unsere Städte stehen unter enormem Flächen- und Kostendruck. Wie lassen sich die unterschiedlichen Interessen zusammenbringen?

Philipp Sattler: Entscheidend ist, dass wir stärker vermitteln, welche Wirkung Stadtgrün hat. Es darf nicht als „Nice-to-have“ betrachtet werden, auf das man verzichten kann, sobald das Geld knapp wird. Stadtgrün ist ein wesentlicher Bestandteil der Wohn- und Lebensqualität und erfüllt konkrete Funktionen – auch im Zusammenspiel mit der blau-grünen Infrastruktur und der Wasserwirtschaft. Gleichzeitig ist es ein Faktor für Wohnzufriedenheit, Lebensqualität und psychisches Wohlbefinden. Dafür braucht es ein abgestimmtes Vorgehen auf unterschiedlichen Ebenen. Wenn beispielsweise Verkehrsflächen zurückgebaut werden sollen, muss zugleich ein attraktives öffentliches Nahverkehrsnetz vorhanden sein. Die verschiedenen Anforderungen an den Stadtraum müssen deshalb gemeinsam betrachtet werden.

Sie wollen beim Forum ausdrücklich nicht bei der Problemanalyse stehen bleiben, sondern Lösungen entwickeln. Wie könnte die wasserbewusste Stadt konkret funktionieren?

Philipp Sattler: Ein wichtiges Stichwort ist „Abkoppeln“. Quartiere müssen wieder stärker in einen kleinen Wasserkreislauf eingebunden werden. Niederschlagswasser sollte nicht einfach über die Kanalisation abgeführt werden. Die Regenwasseragentur Berlin beschäftigt sich bereits sehr konkret mit solchen Ansätzen.

Die große Herausforderung liegt dabei weniger im Neubau. Dort kann man beispielsweise vorgeben, dass Niederschlagswasser auf den Grundstücken versickert werden muss. Schwieriger sind bestehende Quartiere, denn dort müssen technische, juristische und auch verhaltensbedingte Hindernisse überwunden werden.

Ziel muss es sein, Niederschlagswasser aufzufangen und für die Bewässerung des Stadtgrüns zu nutzen. Davon profitiert zugleich das Mikroklima: Vegetation kann über Beschattung und Verdunstung großflächig zur Abkühlung beitragen.

Philipp Sattler im Gespräch mit Dr. Achim Schloemer (M.), Geschäftsführer Deutsche Bundesgartenschau-Gesellschaft mbH (DBG), und Jens Spanjer (r.), Vorstandsvorsitzender Stiftung Die grüne Stadt.

Philipp Sattler im Gespräch mit Dr. Achim Schloemer (M.), Geschäftsführer Deutsche Bundesgartenschau-Gesellschaft mbH (DBG), und Jens Spanjer (r.), Vorstandsvorsitzender Stiftung Die grüne Stadt.

„Bei einer persönlichen Begegnung kann man sich selbst einbringen, Kontakte knüpfen und neue Verbindungen schaffen“

Der GaLaBau setzt die Lösungen um

Welche Rolle kann der Garten- und Landschaftsbau bei der wasserbewussten Stadtentwicklung übernehmen?

Philipp Sattler: Der GaLaBau ist direkt an der Umsetzung beteiligt, denn solche Anlagen müssen schließlich gebaut werden. Dabei verändert sich auch der Umgang mit Wasser: Statt es möglichst schnell über Drainagen und Ableitungen wegzuführen, müssen wir stärker in zirkulären Lösungen denken. Wichtig ist, dass sich die Unternehmen kontinuierlich damit auseinandersetzen, welche Möglichkeiten es gibt, und sich an gelungenen Beispielen aus anderen Städten und Ländern orientieren.

Kopenhagen ist ein Beispiel für den Umgang mit Überflutungsereignissen. Gleichzeitig lohnt sich der Blick in südeuropäische Länder, in denen Wasser eine besonders knappe Ressource ist. Auch daraus können wir lernen, verantwortungsvoller mit Wasser umzugehen.

Welche Themen und Referentinnen und Referenten erwarten die Besucherinnen und Besucher beim Forum?

Philipp Sattler: Lisa Junghans von der Regenwasseragentur wird deren Berliner Programme vorstellen. Mit Dr. Friedrich Hetzel, dem Leiter der Allianz für wasserbewusste Stadtentwicklung, wollen wir bewusst den Schulterschluss mit der Siedlungswasserwirtschaft suchen. Solche Herausforderungen lassen sich aus meiner Sicht nur lösen, wenn unterschiedliche Akteur*innen im kommunalen Verbund zusammenarbeiten.

Mit dabei ist außerdem Maya Kothe, die im Ahrtal am Aufbau der grünen Infrastruktur und am Umgang mit möglichen künftigen Ereignissen beteiligt ist und dem Präsidium der GALK angehört. Wir möchten aber auch Aktivitäten auf einer kleineren Ebene vorstellen. Deshalb sind zwei Vertreterinnen der Initiative „abpflastern“ dabei. Auch Heinrich Strößenreuther, der wesentlich am Berliner Baumentscheid beteiligt war, soll in das Forum eingebunden werden.

„Unsere Erfahrungen aus den ersten beiden Veranstaltungen haben gezeigt, wie wichtig der persönliche Austausch ist“

Publikum beim 3. Forum Die grüne Stadt

Beim 3. Forum Die grüne Stadt soll die Interaktion mit dem Publikum verstärkt stattfinden.

Mehr Raum für Austausch und Diskussion

Das Forum findet 2026 bereits zum dritten Mal statt. Was haben Sie aus den ersten beiden Veranstaltungen gelernt?

Philipp Sattler: Wir wollen die Interaktion mit dem Publikum noch einmal stärken. Es soll keine Veranstaltung sein, bei der die Kommunikation nur von der Bühne in Richtung Publikum läuft. Außerdem möchten wir unsere Unterstützerinnen und Unterstützer stärker einbeziehen, beispielsweise Hersteller*innen aus den Bereichen Pflanzen, Beläge oder Wassertechnik. Damit wollen wir den Querschnittscharakter des Forums weiter stärken und möglichst viele Beteiligte an einen Tisch bringen.

Unsere Erfahrungen aus den ersten beiden Veranstaltungen haben außerdem gezeigt, wie wichtig der persönliche Austausch ist. Diesen Austausch möchten wir weiter fördern.

Denn die Lösungen, die wir brauchen, bedeuten größere Schritte, die wir als Branche gemeinsam gehen müssen.

Philipp Sattler

Worauf freuen Sie sich persönlich besonders?

Philipp Sattler: Jochen Sandner hat beim ersten Forum 2024 gesagt, eine solche Veranstaltung sei auch ein kleines Lagerfeuer, an dem man sich wärmen könne. Dieses Bild finde ich sehr passend. Man trifft Kolleginnen und Kollegen und kann sich unmittelbar miteinander austauschen.

Genau diese persönliche Begegnung ist wichtig. Wenn ich einen Menschen über ein Thema sprechen höre, ist das für mich viel lebendiger, als wenn ich mir die gleichen Informationen nur aus dem Internet hole. Man verbindet Entwicklungen mit einer Stimme und einem Gesicht.

Im Arbeitsalltag verbringen wir ohnehin viel Zeit vor dem Rechner und bekommen eine große Menge an Sachinformationen. Bei einer persönlichen Begegnung kann man sich dagegen selbst einbringen, Kontakte knüpfen und neue Verbindungen schaffen.

Impulse für neue Geschäftsfelder

Zum Schluss ganz konkret: Warum sollte eine Unternehmerin oder ein Unternehmer aus dem Garten- und Landschaftsbau am 23. November nach Berlin kommen?

Philipp Sattler Sie können Ansätze kennenlernen, die an anderen Orten bereits umgesetzt werden, Kontakte knüpfen und neues Know-how mitnehmen. Solche Entwicklungen gehen häufig von größeren Städten aus und verbreiten sich anschließend weiter in der Branche. Wer sich frühzeitig damit beschäftigt, kann sich entsprechend weiterbilden und möglicherweise auch das eigene Geschäftsfeld weiterentwickeln. Beim Forum geht es deshalb nicht nur darum, was technisch bereits möglich ist, sondern auch darum, welche Menschen dahinterstehen und wo sich das eigene Wissen weiter vertiefen lässt.

Die Stiftung Die grüne Stadt

Die Stiftung Die grüne Stadt setzt sich dafür ein, den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wert von Stadtgrün stärker ins Bewusstsein von Öffentlichkeit, Politik, Verwaltung und Wirtschaft zu rücken. Ihre Wurzeln reichen bis 2003 zurück, 2009 wurde das damalige Forum in eine Stiftung überführt. Im Mittelpunkt stehen der interdisziplinäre Austausch, die Bündelung von Wissen und die Vernetzung unterschiedlicher Akteur*innen. Mit Workshops, Symposien, Publikationen und Praxisbeispielen fördert die Stiftung den Wissenstransfer rund um das Grün in Städten und Gemeinden.

Unterstützt wird die Stiftung von Verbänden, Unternehmen und weiteren Organisationen der grünen Branche. Zu den Partnern gehören unter anderem der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (BGL), der Bund deutscher Baumschulen e. V. (BdB), der Zentralverband Gartenbau e. V. (ZVG), der Bundesverband GebäudeGrün e. V. (BuGG) sowie mehrere Landesverbände des Garten- und Landschaftsbaus. Hinzu kommen Partner*innen aus Wirtschaft und weiteren Bereichen. Im Kuratorium vertreten sind außerdem der Bund Deutscher Landschaftsarchitekt:innen (bdla), die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur e. V. (DGGL) und der Präsident der Gartenamtsleiterkonferenz e. V. (GALK).

https://die-gruene-stadt.de/

Alle Infos zum Programm des 3. Forums Die grüne Stadt gibt es hier:

Autorin: Kim Lüftner
Alle Fotos (sofern nicht anders angegeben): Oliver Kleinschmidt/DGS
Header-Bild: Stiftung Die grüne Stadt

Kim Lüftner2026-10-12T08:51:55+02:00
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