Digitalisierung als Erfolgsfaktor:
Wie Haas Garten- und Landschaftsbau
den Wandel gestaltet

Die Digitalisierung verändert die Baubranche grundlegend – und auch der Garten- und Landschaftsbau bleibt davon nicht unberührt. Doch während viele Betriebe noch abwarten oder erste zaghafte Schritte unternehmen, nutzt Haas Garten- und Landschaftsbau in Wangen im Allgäu den technologischen Wandel schon seit Jahren als strategischen Vorteil. Für Geschäftsführer Florian Haas ist klar: „Digitalisierung muss uns besser machen – nicht nur moderner.“

Vom klassischen GaLaBau zum Innovationsbetrieb

Gegründet im Jahr 1980 von Helmut Haas, entwickelte sich das Unternehmen zunächst aus einem kleinen Pflegedienstleister heraus. Bald wurde der Hausgartenbau das Hauptstandbein, später kam der Sportplatzbau hinzu. Ein besonderer Meilenstein war 1995 die Gründung des Netzwerks GALANET durch Helmut Haas, das inzwischen über 40 Betriebe aus der DACH-Region vereint und bis heute Impulsgeber und Experimentierfeld für Innovationen in der Branche ist. Durch die enge Vernetzung griff die Unternehmerfamilie immer wieder Innovationen frühzeitig auf und entwickelte so eigene Prozesse kontinuierlich weiter.

Florian Haas, Sohn des Unternehmensgründers, der 2008 ins Unternehmen einstieg und seit 2018 die Mehrheitsanteile hält, treibt diese Tradition entschlossen weiter. Heute beschäftigt Haas Garten- und Landschaftsbau rund 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die gemeinsam ein großes Spektrum des GaLaBaus abdecken: hochwertige Privatgärten, Sportplatzbau, Dachbegrünungen und Pflegeprojekte. Gerade in dieser Vielseitigkeit sieht Haas eine große Stärke – aber auch eine Herausforderung: „Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Prozesse klug steuern und transparent gestalten.“

Tablet mit Datentabelle

 

„Früher hatte man oft nur ein Bauchgefühl. Heute liefern uns die Systeme objektive Daten – und zwar sofort.“

Schrittweise zum digitalen Vorreiter

Deshalb spielt die Digitalisierung eine zentrale Rolle. Dabei verfolgt das Unternehmen einen systematischen Ansatz: Basis bildet die umfassende Nutzung von Microsoft Office 365. Doch für Florian Haas ist das weit mehr als E-Mail und Word-Dokumente: „Wir nutzen die Plattform sehr intensiv, haben eigene Tools entwickelt, etwa für die Mitarbeiterentwicklung oder das Bewerbermanagement.“ Der gesamte Einstellungsprozess sowie die regelmäßigen Mitarbeiterbeurteilungen werden über eine selbst aufgebaute digitale Plattform organisiert. Dabei werden nicht nur die Mitarbeiter*innen, sondern auch die Führungskräfte beurteilt – eine echte 360-Grad-Rückmeldung, die neue Perspektiven eröffnet.

Materiallogistik digital gedacht

Effizienz ist nicht nur im Büro, sondern vor allem auf der Baustelle gefragt: Ein intern betriebener Onlineshop für Materialien bildet ein weiteres Herzstück der digitalen Infrastruktur. Die rund 1.600 gelisteten Artikel können Mitarbeiter*innen über ihre iPads bestellen, die auf jeder Baustelle im Einsatz sind. Die Lagerausgabe organisiert dann die Bereitstellung. „Das spart enorm viel Zeit und reduziert Fehlerquellen“, erklärt Haas. Im Hintergrund sorgt eine intelligente Warenwirtschaft für automatisierte Bestellungen und optimale Lagerhaltung. Zudem ist jede Kolonne mit eigenem Fahrzeug, Anhänger und Maschinenpark ausgestattet – klare Zuständigkeiten sorgen für reibungslose Abläufe.

„Es reicht nicht, neue Systeme einzuführen. Man muss auch dafür sorgen, dass die Leute sie verstehen und gerne damit arbeiten.“

Frau arbeitet am Computer

 

Datenbasiertes Arbeiten als Erfolgsmodell

Transparenz zieht sich durch alle Ebenen des Unternehmens. Mittels des Programms “Power BI” wertet Florian Haas Echtzeitdaten aus: Produktivzeiten, Abrechnungspotenziale – alle relevanten Unternehmenskennzahlen sind rund um die Uhr aufbereitet und jederzeit einsehbar. Für ihn ein echter Gamechanger: „Früher hatte man oft nur ein Bauchgefühl. Heute liefern uns die Systeme objektive Daten – und zwar sofort.“

Auch bei der Vermessung setzt der Betrieb auf Digitalisierung. Zwei Drohnen erfassen Baustellen präzise: Die Daten erhöhen die Genauigkeit und sparen auf Baustellen viel Zeit. Ein eigens angestellter Vermesser sorgt dafür, dass die Ergebnisse zuverlässig ausgewertet und nutzbar gemacht werden.

Mitarbeiter*innen als Schlüssel zur erfolgreichen Digitalisierung

Technik allein genügt nicht: All diese Tools funktionieren nur, weil sie im Betrieb akzeptiert und richtig angewendet werden. Deshalb legt Haas großen Wert auf ein intensives Schulungssystem. Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchlaufen strukturierte Onboarding-Prozesse. Zusätzlich gibt es regelmäßige „Impulsschulungen“ zu diversen Themen, von Bautagebuch-Dokumentation über digitale Werkzeuge bis hin zu klassischen Fachschulungen. „Es reicht nicht, neue Systeme einzuführen. Man muss auch dafür sorgen, dass die Leute sie verstehen und gerne damit arbeiten“, betont Haas. Für jedes neue digitale Projekt wird zudem eine verantwortliche Person bestimmt, die sich intensiv einarbeitet und als Multiplikator*in im Team wirkt. Denn: „Nichts ist schlimmer, als wenn ein Vorarbeiter mit einem neuen Gerät allein gelassen wird“, sagt Haas.

Handy mit WhatsApp

 

„Gerade die junge Generation erreicht man mit WhatsApp wesentlich besser als mit klassischen Wegen.“

Digitale Kommunikation: einfach, schnell, effizient

Auch in der Kommunikation setzt das Unternehmen auf moderne Wege. Bereits rund 90 Prozent der Kundenanfragen erreichen Haas Garten- und Landschaftsbau über die Website oder Social-Media-Kanäle. Neben klassischen E-Mails wird zunehmend auch WhatsApp eingesetzt – etwa im Rahmen von gezielten Kampagnen zur Nachwuchsgewinnung. So gelang es dem Betrieb bereits, mithilfe von Chatbots mehrere Praktikant*innen und sogar neue Auszubildende direkt über WhatsApp zu gewinnen. „Gerade die junge Generation erreicht man auf diese Weise wesentlich besser als mit klassischen Wegen“, erklärt Haas.

Künstliche Intelligenz: Perspektiven und Herausforderungen

Erste Erfahrungen beim Einsatz Künstlicher Intelligenz sammelt das Unternehmen im Bereich Dokumentenmanagement und Textassistenz über ChatGPT. Doch das Potenzial reicht weiter, ist Florian Haas überzeugt: „KI könnte in Zukunft bei der Kalkulation oder der automatisierten Auswertung von Drohnendaten eine entscheidende Rolle spielen. Dafür muss sie allerdings zunächst tief in den branchenspezifischen Systemen integriert sein.“ Gleichzeitig warnt er vor einer möglichen Abhängigkeit: „Man darf nie blind auf Technik vertrauen. Die fachliche Kompetenz muss erhalten bleiben.“ Deshalb arbeitet das Unternehmen gemeinsam mit GALANET an einem „KI-Führerschein“, der Grundlagenwissen vermittelt und den bewussten Umgang mit KI fördert.

„KI muss tief in die branchenspezifischen Systeme integriert sein, sonst bleiben es Insellösungen.“

Digitalisierung mit Augenmaß

Was rät Florian Haas Kolleg*innen, die die Digitalisierung in ihrem Unternehmen vorantreiben wollen? „Der größte Fehler wäre, zu viele Baustellen gleichzeitig aufzumachen“, sagt er. Entscheidend sind ein durchdachtes Konzept, die Einbindung des Teams und eine pragmatische Umsetzung - immer mit dem Ziel, den tatsächlichen Arbeitsalltag zu erleichtern und nicht künstlich zu verkomplizieren. “Man darf den Wandel nicht scheuen, sondern man muss ihn gestalten.”

„Man darf den Wandel nicht scheuen, sondern man muss ihn gestalten.“

Florian Haas mit Kollegen

 

Foto Hotelanlage: Helmut Haas GmbH
Alle anderen Fotos: Martin Rottenkolber
Autorin: Kim Lüftner

Carsten Peters2026-03-24T10:34:18+01:00
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