Wertschätzung statt Fachkräftemangel – bei Naumann Garten- und Landschaftsbau

Vor zehn Jahren kam Thorsten Kreis als Betriebsleiter in den Familienbetrieb Naumann im baden-württembergischen Weil der Stadt – damals eine Übergangslösung nach dem schweren Unfall des damaligen Inhabers Peter Naumann. Heute führen Thorsten Kreis und seine Frau Eva den Betrieb mit rund 30 Mitarbeiter*innen erfolgreich weiter. Ihr Rezept für Fachkräftesicherung? Ein ganzes Bündel an Maßnahmen, geprägt von Wertschätzung, Augenhöhe – und viel Herz.

„Man muss nicht alles neu erfinden – aber kann vieles besser machen."

So beschreibt Eva Kreis den Ansatz des Ehepaars, als sie 2015 in das Unternehmen einstiegen. Naumann Garten- und Landschaftsbau blickt auf eine 60-jährige Geschichte zurück – der Name steht in der Region für Qualität. „Der Name Naumann ist eine Marke – und die wollten wir erhalten", erklärt Thorsten Kreis.

Eva Kreis

Das Ehepaar Kreis stieg 2015 bei Naumann ein.

„Wir wollen, dass unsere Leute um 17 Uhr den Hof verlassen. Dafür strukturieren wir unsere Baustellen entsprechend effizient."

Dabei hat sich unter der neuen Führung vieles verändert: Weniger Großprojekte, mehr Privatkundschaft, ein Fokus auf Pflege und Pflanzkonzeptionen, ein klar begrenzter Aktionsradius – auch im Sinne des Teams. „Wir wollen, dass unsere Kollegen um 17 Uhr den Hof verlassen. Dafür strukturieren wir unsere Baustellen entsprechend effizient."

Teamgeist auf Augenhöhe

Was bei Naumann besonders auffällt, ist der starke Gemeinschaftssinn. „Wir duzen uns alle. Auch die Praktikant*innen. Das ist bei uns selbstverständlich – genauso wie ein respektvoller Umgang, auch wenn es mal rauer wird auf der Baustelle", sagt Eva Kreis. Auch beim Einsatzplan zählen die Stimmen der Vorarbeiter. „Sie melden sich täglich bei meinem Mann zurück – und gestalten ihre Kolonnen selbstständig." Das Ziel: Vertrauen und Verantwortungsübernahme. Und das funktioniert: „Ein eingespieltes Team ist Gold wert. Wir mischen heute viel weniger als früher", sagt Thorsten Kreis. Jedes neue Teammitglied erhält darüber hinaus vor dem ersten Arbeitstag eine Onboarding-Mappe und wird individuell eingearbeitet.

„Ein eingespieltes Team ist Gold wert."

Jedes neue Teammtiglied wird bei Naumann individuell eingearbeitet.

Mitarbeiter*innen mitbestimmen lassen

Demokratie im Betrieb? Bei Naumann kein Schlagwort, sondern gelebte Praxis. „Als wir unsere Überstundenregelung reformieren wollten, haben wir vier Modelle zur Auswahl gestellt – und alle Mitarbeiter*innen abstimmen lassen", erzählt Eva Kreis. Ergebnis: Jeder zweite Freitag ist nun um 12 Uhr Feierabend. „Das war ein Wunsch aus dem Team – und wird auch so mitgetragen."

Auch Feedbackgespräche sind ein zentraler Bestandteil der Kultur: „Wertschätzung ist ein Leitprinzip bei uns. Wenn uns etwas nicht gefällt, sprechen wir es offen an – und erwarten das auch umgekehrt. So etwas funktioniert nur, wenn man auf Augenhöhe agiert", sagt Thorsten Kreis.

Thorsten Kreis

Thorsten Kreis kann sich über Fachkräftemangel in seinem Betrieb nicht beschweren.

„Wertschätzung ist ein Leitprinzip bei uns."

Benefits, die wirken – und von Herzen kommen

Der Betrieb Naumann setzt auf eine außergewöhnlich breite Palette an Benefits – und hat damit offensichtlich Erfolg: „Fachkräftemangel ist bei uns aktuell kein Thema", berichtet Eva Kreis. „Viele Bewerbungen kommen über Empfehlungen aus dem Team. Das ist für uns die beste Bestätigung." Auch der Instagram-Kanal des Betriebs wird fleißig gepflegt, mit Vorstellung jedes Teammitglieds und Reels von Betriebsfeiern.

Foto: AstroNova Film Inh. Gergely Bátai

Einige Highlights aus dem umfangreichen Benefit-Katalog:

  • Jobbike ohne Leasingkosten: Die Firma kauft hochwertige E-Bikes und überlässt sie den Mitarbeiter*innen steuerfrei zur privaten Nutzung.
  • Fitnessraum, Sauna und Pool direkt auf dem Firmengelände – für das körperliche Wohl nach einem langen Tag.
  • Kindergartenzuschüsse und Familienfreundlichkeit: Vom Babybody mit Firmenlogo bis zu Betriebsfesten mit Partner*innen und Kindern – hier werden auch die Familien einbezogen.
  • Betriebliche Altersvorsorge mit 30 Prozent Zuschuss – weit über dem gesetzlich vorgeschriebenen Satz.
  • Erste-Hilfe-Kurse, Hautscreenings und Gesundheitsförderung über das betriebliche Gesundheitsmanagement.
  • Work-Life-Balance: Flexible Arbeitszeitmodelle von der 3- bis zur 5-Tage-Woche, kein Samstagsdienst, möglichst kurze Arbeitswege, Homeoffice im Büro – je nach Bedarf.
  • Finanzielle Hilfen in Notlagen: Vorschüsse oder zinslose Darlehen – unbürokratisch und persönlich.

„Viele Bewerbungen kommen über Empfehlungen aus dem Team. Das ist für uns die beste Bestätigung."

Jobräder und ein eigener Fitnessraum sind nur zwei der zahlreichen Benefits, die die Firma Naumann ihren Mitarbeiter*innen bietet.

Ein Hof zum Wohlfühlen – auch für die Familie

In Naumanns großem Betriebshof gibt es ein Fitnessstudio, eine Sauna, einen Pool – und viel Platz zum Feiern. „Wir veranstalten Sommerfeste mit Sandstrand und Wasserbecken, bei denen auch die Kinder willkommen sind", sagt Thorsten Kreis. Eine gemeinsame Weihnachtsfeier ist fester Bestandteil im Jahreskalender und Betriebsausflüge gehen schon mal für ein Wochenende nach Österreich. Eine Hochzeit auf dem Hof gab es auch schon. „Wenn sich jemand so wohlfühlt, dass er hier heiraten möchte, dann haben wir irgendwas richtig gemacht", schmunzelt Eva Kreis.

Im Team

Mitbestimmung und Demokratie wird bei Naumann großgeschrieben.

„Wir duzen uns alle. Auch die Praktikanten. Das ist bei uns selbstverständlich."

Flexible Arbeitszeitmodelle – individuell abgestimmt

„Wir haben Kolleg*innen, die arbeiten drei Tage die Woche – mit voller Power. Andere kommen später oder gehen früher, weil sie Kinder haben. Bei uns geht das", erklärt Thorsten Kreis. Im Sommer arbeitet das Team 45 Stunden pro Woche, im Winter weniger – das gleicht sich über ein Jahreszeitkonto aus. Samstags wird nicht gearbeitet. „Wir schauen, dass unsere Leute pünktlich heimkommen. Dass sie sich wohlfühlen. Und dass sie wissen: Wenn sie was brauchen, dann sind wir da", fasst Eva Kreis zusammen.

Ausbildung mit Anspruch

Seit 2019 bildet der Betrieb auch wieder aus. „Aber nur, weil wir jemanden gefunden haben, der das richtig machen will", betont Thorsten Kreis. Der erste Azubi unter der neuen Leitung macht 2025 seinen Abschluss. Zwei weitere beginnen dieses Jahr. „Wir haben sogar 2 Azubis, die beide ein Jahr gewartet haben, um bei uns anfangen zu dürfen", sagt er nicht ohne Stolz.

 „Wir bauen Gärten, wir retten keine Leben."

Diesen Satz hört man im Gespräch mehrfach. Er steht sinnbildlich für den klaren Kompass des Unternehmens: Professionalität, ja – aber nicht um jeden Preis. „Wir sind ein Baustellenbetrieb. Natürlich geht's mal rauer zu. Aber immer mit Respekt", sagt Thorsten Kreis. Dass dieser Ansatz funktioniert, zeigt sich in der Unternehmensentwicklung: Von neun auf bald 30 Mitarbeiter*innen in zehn Jahren, kaum Fluktuation, ein starkes Teamgefühl – und Menschen, die gerne zur Arbeit kommen.

„Vielleicht ist das der Grund, warum sich viele hier bewerben – obwohl wir keine Anzeigen schalten", ergänzt seine Frau. „Wir tun viel. Und das lohnt sich."

Autorin: Kim Lüftner

Fotos, wenn nicht anders angegeben: Martin Rottenkolber

Carsten Peters2025-07-28T09:10:35+02:00
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