Naturnahe Firmengärten:
Zukunftsfähige Ideen im Team umsetzen

Oliver und Maria Daxauer aus Baierbach bei Landshut gestalten Grünflächen und naturnahe Gärten, auch für Unternehmen. Sie erzählen, weshalb die Umstellung auf naturnahen Landschaftsbau herausfordernd war, worauf es bei der Zusammenarbeit mit Unternehmen ankommt und warum die Gestaltung naturnaher Firmengärten nicht teuer sein muss.

Herr Daxauer, Sie haben den Betrieb Ihres Vaters übernommen und ihn konsequent auf naturnahen Landschaftsbau ausgerichtet. Warum?

Oliver Daxauer: Weil ich davon überzeugt bin, dass das die sinnvollste und zukunftsfähigste Form der Landschaftsgestaltung ist. Sie wird Pflanzen, Tieren und Menschen gerecht. Naturnaher Landschaftsbau ist zudem wirtschaftlich sinnvoll, beispielsweise mit Blick auf die Pflege: Pflanzen, die optimal an unsere Klimabedingungen angepasst und widerstandsfähig sind, machen bei der Pflege wenig Arbeit, etwa in punkto Bewässerung.

Firmengelände Daxauer in Baierbach

Der Betrieb der Daxauers liegt auf einer kleinen Anhöhe im Vilstal, etwa 25 km südlich von Landshut.

„Ich bin davon überzeugt, dass naturnaher Landschaftsbau die sinnvollste und zukunftsfähigste Form der Landschaftsgestaltung ist.“

Kein geradliniger Weg

Wie war der Weg vom konventionellen zum naturnahen Landschaftsbau?

Oliver Daxauer: Der war durchaus herausfordernd zwischendurch und nicht immer geradlinig. Mein Vater hatte den Betrieb 1997 gegründet, mit dem Arbeitsschwerpunkt kommunale Ausgleichsflächen und allem, was dazugehört: Grünflächen und Blumenwiesen anlegen, Sträucher und Bäume pflanzen, Pflege. Als ich 2015 den Betrieb übernahm, zeichnete sich ab, dass die Margen bei diesen Ausschreibungen immer schmaler wurden, während der Aufwand für die Angebotserstellung und die Arbeitsbelastung weiter wuchsen. Deshalb überlegten wir, in welche Richtung wir uns mit dem Betrieb entwickeln können.

Kompetenz auf Firmengärten ausgeweitet

Zu dem Zeitpunkt hatten wir uns bewusst dazu entschieden, den langjährigen Pflegevertrag mit der BMW AG München nicht mehr zu verlängern. Wir beschlossen, unsere Kernkompetenz auszuweiten auf den Bereich Privat- und Firmengärten – direkt mit der ausdrücklichen Maßgabe, naturnah zu bauen. Das gelang uns anfangs nicht so gut.

Warum nicht?

Oliver Daxauer: Aus der Angst heraus, nicht genügend Kundschaft zu bekommen und unsere Mitarbeiter*innen nicht beschäftigen zu können, haben wir doch Aufträge angenommen, die unserem Prinzip widersprachen. Rückblickend muss ich sagen, dass Angst der schlechteste Ratgeber ist.

„Aus der Angst raus, nicht genügend Kundschaft zu bekommen und unsere Mitarbeiter*innen nicht beschäftigen zu können, haben wir zunächst auch Aufträge angenommen, die unserem Prinzip widersprachen.“

Oliver Daxauer hat den Betrieb seines Vaters 2015 übernommen und konsequent auf naturnahe Landschaftsgestaltung ausgerichtet.

Wunsch nach „naturnah“ sollte von Geschäftsleitung kommen

Mittlerweile nehmen Sie also nur noch Aufträge an, hinter denen Sie stehen können?

Oliver Daxauer: Ja, bei Privat- und Firmenkunden, bei denen wir mittlerweile die komplette Planung, die Umsetzung und die anschließende Pflege selber machen, ist das so.

Das heißt, müssen Sie bei diesen Kund*innen keine Überzeugungsarbeit mehr leisten?

Oliver Daxauer: Das ist grundsätzlich nicht mein Ansatz. Der Wunsch nach naturnaher Gestaltung sollte aus eigenem Antrieb kommen – aus dem Bewusstsein der Geschäftsleitung, dass es wichtig ist, im Bereich Artenvielfalt und Klimaanpassung etwas zu tun. Über so viele Kanäle werden die Menschen mittlerweile wachgerüttelt, es wird deutlich, dass wir alle handeln müssen. Und Firmengelände bieten in jeder Größe Möglichkeiten, die Artenvielfalt zu unterstützen.

Miteinander eine gute Umsetzung finden

Maria Daxauer: Bei Firmenkund*innen machen wir die Erfahrung, dass sie sich im Vorfeld sehr intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt haben und oft ganz genau wissen, was sie wollen. Wir schauen dann, dass wir miteinander eine gute Umsetzung finden.

Welcher Auftrag für naturnahes Firmengrün hat Ihnen besonders viel Spaß gemacht?

Maria Daxauer: Für eine Metallbearbeitungs-Firma aus Roding haben wir 2022 das Gelände naturnah gestaltet. Da sind wir nun im dritten Pflegejahr. Die Firma wurde dafür 2023 vom Bayerischen Umweltministerium im Rahmen des Blühpakts Bayern als „Blühender Betrieb“ ausgezeichnet. Wenn wir uns ein Projekt hätten wünschen können, dann wäre es genau das gewesen.

Maria Daxauer

„Bei Firmenkund*innen machen wir die Erfahrung, dass sie sich im Vorfeld sehr intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt haben und oft ganz genau wissen, was sie wollen.“

Alle ziehen an einem Strang

Was war denn das Besondere?

Maria Daxauer: Dem Geschäftsführer sind naturnahe Gestaltung und Artenvielfalt wichtig. Das Unternehmen beauftragte einen Berater für Biodiversitäts-Planung, den Biologen Dr. Philipp Unterweger, und erstellte gemeinsam mit ihm ein Konzept. Bei der Umsetzung kamen wir ins Spiel. Was vor allem besonders war: Der Geschäftsführer holte von Beginn an seine Mitarbeiter*innen ins Boot.

Wie hat er sie einbezogen?

Maria Daxauer: Bei Mitarbeiterversammlungen berichtete er über jeden Schritt im Projekt, und die Mitarbeiter*innen konnten sich mit eigenen Ideen einbringen. Eine Gruppe wollte etwas für Insekten tun. Also hängten wir Nisthilfen auf und erklärten, dass es zusätzlich Kahlstellen im Boden braucht.

Blick auf die Natur schärfte sich

Wir haben gemerkt: Der Blick der Mitarbeiter*innen auf den Firmengarten und auf die Natur um sie herum schärfte sich, weil sich auf ihrem Gelände etwas entwickelte. Der Geschäftsführer hat dann initiiert, dass jeder Bereich, der umgestaltet wurde, Hinweisschilder bekommt, mit QR-Codes. Nun können Mitarbeiter*innen und Besucher*innen abrufen: Was ist dort gepflanzt worden, warum wurde es gepflanzt, welche Auswirkungen hat es?

„Wir haben gemerkt: Der Blick der Mitarbeiter*innen auf den Firmengarten und auf die Natur um sie herum schärfte sich, weil sich auf ihrem Gelände etwas entwickelte.“

15 Mitarbeiter*innen sind im Team Daxauer. „Wer sich bei uns bewirbt, steht hinter den Prinzipien, die wir vertreten“, sagt Oliver Daxauer.

Erster Schritt: Pflege umstellen, Bestand erkennen

Welche Elemente gehören auf jeden Fall in naturnahe Firmengärten?

Oliver Daxauer: Das lässt sich unserer Meinung nach nicht pauschal sagen. Wir gehen so vor, dass wir in einem ersten Schritt die Pflege umstellen. Dann schauen wir, was sich durch die extensive Pflege auf den Flächen entwickelt. Dabei zeigte sich beispielsweise bei der Firma in Roding: Es war bereits ein erstaunlicher Pflanzenbestand vorhanden. Erst nach dieser Bestandsaufnahme pflanzten wir zusätzliche einheimische Bäume und Hecken und legten naturnahe Staudenbeete an. So war die naturnahe Gartengestaltung für das Unternehmen kein kostenintensives Projekt.

Den Wert von Grünflächen anerkennen

Was ist Ihr Wunsch für die Zukunft einer naturnahen Landschaftsgestaltung?

Oliver Daxauer: Mein Wunsch ist, dass sich alle Verantwortlichen wirklich über den Wert von Grünflächen bewusst werden – ob nun die Bürgermeisterin, der Firmeninhaber, der Gärtner, der die Anlagen pflegt, oder die Nutzerin von fünf Quadratmetern Garten oder Balkon. Jede Grünfläche hat einen ökologischen Wert, beeinflusst das Klima und sie macht die Umgebung schöner. Wir dürfen froh sein, dass es sie gibt.

„Mein Wunsch ist, dass sich alle Verantwortlichen wirklich über den Wert von Grünflächen bewusst werden.“

Das Team auf einer Baustelle

Die Daxauers und ihr Team arbeiten mit Baustoffen aus der Region. Am liebsten verwenden sie wiederverwertbare Materialien: Alte Steine oder vorhandenen Erdboden setzen sie für die Neugestaltung naturnaher Gärten ein.

Oliver Daxauer

Daxauer - Naturnahe Landschaftsgestaltung: Von der Bankfiliale zum Gartenbau

Der gelernte Bankkaufmann Oliver Daxauer, Jahrgang 1969, stieg 1998 in den Betrieb seines Vaters im niederbayerischen Baierbach ein. 2015 übernahm er ihn und richtete ihn auf naturnahe Landschaftsgestaltung  aus. Mittlerweile arbeiten 15 Männer und Frauen im Team Daxauer. Oliver Daxauer hält Vorträge, gibt Schulungen und berät zur naturnahen Landschaftsgestaltung. Seine Frau Maria Daxauer, Jahrgang 1973, ist gelernte Schneidermeisterin. Seit 2016 arbeitet sie mit im Betrieb. Sie betreut unter anderem die Internetseite und die Social-Media-Kanäle, organisiert Seminare und Workshops für Garten-Fans. Die Daxauers haben vier Kinder.

Unter dem Motto „Naturnahe Einblicke“ laden die Daxauers zu Gartenführungen ein: Sie besuchen Gärten, die sie geplant und umgesetzt haben, beschreiben die Besonderheiten eines Naturgartens und die Ideen hinter jeder einzelnen Gartenplanung.

Autorin: Kirsten Lange

Fotos: Martin Rottenkolber

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Carsten Peters2026-02-03T12:25:00+01:00
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