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Warum muss sich Albrecht Bühler von „Baum und Garten“ in Nürtingen nicht um Nachwuchs sorgen? Vor allem deshalb, weil sein Betrieb exzellente Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen bietet und dafür bekannt ist. Weil die Menschen hier in ihrer Einzigartigkeit wahrgenommen werden. Und weil die unterschiedlichen Persönlichkeiten zusammen ein starkes Team ergeben.

Menschen einen guten Ausbildungs- und Arbeitsplatz zu bieten, sie in ihrer Entwicklung zu unterstützen, das bezeichnet der gelernte Sozialpädagoge, Landschaftsgärtner und Baumpfleger als einen wichtigen und sinnstiftenden Teil seines Lebens. In den 25 Jahren, die der Betrieb besteht, hat er darin immer mehr Erfahrung gesammelt.

Jedes Jahr bis zu 140 Bewerbungen

Wie gut es ihm gelingt, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass sein Unternehmen keine Nachwuchsprobleme kennt. Jedes Jahr gehen 100 bis 140 Bewerbungen ein, von Führungs- und Fachkräften ebenso wie von Interessenten für die Ausbildung.

„Gefunden werden ist das neue Suchen“, sagt Bühler selbstbewusst. Bewerber/-innen finden das Unternehmen, weil sich der Ruf als exzellenter Arbeitgeber herumspricht, aber auch weil die Stärken aktiv und klar kommuniziert werden: Die Website informiert lebendig und transparent und macht Lust auf das Team. Zudem taucht das Unternehmen mit seinen innovativen Arbeitgeberkonzepten regelmäßig in der Lokal- und Fachpresse auf. Außerdem leitet Bühler Seminare für Ausbilder/-innen, engagiert sich im Verband und unterhält zahlreiche Bildungspartnerschaften mit Schulen und einer Kita in der Region. All das macht den Betrieb und seine Vorzüge weithin sichtbar.

Über offene Stellen bei Baum und Garten wird auch auf traditionellen Wegen informiert, etwa in der Jobbörse der Agentur für Arbeit und in den Stellenbörsen des Verbands sowie der IfA (Initiative für Ausbildung) und IFGA (Initiative für Gute Arbeit). Der Inhaber verrät noch einen zusätzlichen Trick: Bei Google wird der Betrieb unter anderem deshalb bestens gefunden, weil er den neuen Google-Service „Jobs“ geschickt nutzt.

Weil er seine Stärken aktiv und klar kommuniziert, hat Albrecht Bühler keine Nachwuchssorgen: Bis zu 140 Bewerbungen treffen in seinem Betrieb jährlich ein.

Gemeinsame Auswahl der Neuen

Bei der Auswahl neuer Teammitglieder vertraut Albrecht Bühler auf seine Menschenkenntnis – und auf die seiner Mitarbeiter/-innen. Alle entscheiden gemeinsam, indem sie per Ampelsystem ihre Einschätzung abgeben. So werden neue Kolleg/-innen gefunden, die fast immer perfekt ins Team passen, weil sie große Motivation, Teamfähigkeit, Selbstverantwortung und eine freundliche Art mitbringen.

Hohe Qualifikationen im klassischen Sinne sind dagegen nicht zwingend notwendig, um zum Vorstellungsgespräch geladen zu werden. „Es lohnt sich immer, auch Bewerberinnen und Bewerber einzuladen, die auf dem Papier weniger qualifiziert erscheinen“, so Bühlers Erfahrung. Denn er hat ein besonderes Talent, jedem genau die Art und Menge an Unterstützung zu geben, die sie oder er benötigt, um so die individuellen Fähigkeiten zu stärken. Absolvent/-innen der Förderschule sind genauso willkommen wie die Einser-Abiturient/-innen, und Albrecht Bühler kann jede Menge Geschichten darüber erzählen, wie sich die oder der Einzelne auf ganz unterschiedliche Weise als Teil der Gemeinschaft bewähren.

Zum Beispiel berichtet er über zwei junge Azubis mit „auditiver Wahrnehmungsstörung“. Eine von den beiden meisterte alle Herausforderungen ohne große Probleme, der andere musste mehr gefördert werden, da er sich insbesondere in der Schule schwertat. „Aber er war menschlich sehr nett, und wir haben uns für den Menschen entschieden“, unterstreicht Albrecht Bühler.

Ganz bewusst schlug er dem jungen Mann nicht die Fachwerkerausbildung vor, sondern unterstützte ihn dabei, die Vollausbildung abzuschließen. Das gelang – mit ein wenig Ringen, aber gleich im ersten Anlauf.

„Wir entscheiden uns für den Menschen.“

Engagement für Geflüchtete

Unterstützung gab es auch für zwei junge Männer, die aus Syrien beziehungsweise Eritrea nach Deutschland geflüchtet waren. Einer der beiden, Gevara Abdallah, wurde schon 2016 ein Mitglied von Baum und Garten. Er hatte in Syrien bereits ein Studium im Gartenbau abgeschlossen, lernte in seiner neuen Heimat fleißig Deutsch und absolvierte im Betrieb zunächst die Einstiegsqualifizierung und dann die Ausbildung zum Landschaftsgärtner. Schnell zeigte sich, dass er nicht nur ein toller Kollege und begabter Baumpfleger, sondern auch ein echtes Kommunikationstalent ist: Schon ein halbes Jahr nach seinem Einstieg in den Betrieb sprach er gemeinsam mit Albrecht Bühler auf einer Zukunftskonferenz des BGL zum Thema Geflüchtete. Später unterstützte er als Flüchtlingslotse andere junge Menschen bei der Eingliederung. Seine Geschichte erhielt viel Medienecho und diente anderen Verbandsmitgliedern als Vorbild.

Engagement, Entfaltung und Vielfalt ausdrücklich gewünscht.

Geschätzt und gefördert: die Auszubildenden bei Baum und Garten.

Gesellschaftliche Verantwortung als Unternehmer: Dinge umsetzen, die anstehen

Die Entscheidung, mit Geflüchteten zu arbeiten, fällte Bühler ganz bewusst. Als 2015 viele Menschen nach Deutschland flüchteten, wollte er seinen Teil zu ihrer Integration beitragen. „Meine Aufgabe als Unternehmer ist es, Dinge umzusetzen, die anstehen“, betont er. In diesem Fall hieß das, jungen Geflüchteten eine gute Ausbildung zu ermöglichen, dabei notwendige Ausgaben, etwa für PKW- und LKW-Führerscheine, zu übernehmen und sogar zeitweise eine Wohnung für Neuankömmlinge anzumieten.

Er bot auch seinem eritreischen Azubi Yassin früh eine Perspektive im Betrieb an, so dass er seine Familie nachholen konnte. Das jüngere seiner beiden Kinder sah der junge Mann bei der Familienzusammenführung zum ersten Mal – ein bewegender Moment, so Bühler. Er ist froh, dass er zu diesem schönen Ereignis beitragen konnte – und natürlich darüber, in Yassin einen hervorragenden Auszubildenden gewonnen zu haben.

Heute suchen kaum noch geflüchtete Menschen eine Ausbildung, weil immer weniger von ihnen in Deutschland bleiben dürfen. „Der Kuchen ist weitgehend verteilt“, sagt Bühler. Er setzt sich nun gemeinsam mit anderen Arbeitgeber/-innen in Baden-Württemberg dafür ein, dass gut integrierte Flüchtlinge in Arbeit oder Ausbildung nicht abgeschoben werden.

Albrecht Bühler

„Ich bin für dich da, ich kümmere mich, und ich habe Lösungen.“

Individuelle Entfaltung und Sicherheit

Für Bühler sind Fälle wie die geschilderten keine übermäßige Herausforderung: „Wer gut ausbildet, kann auch Geflüchtete und Menschen mit Einschränkungen gut ausbilden“, so lautet sein Motto. Es kommt ihm immer darauf an, die Menschen so intensiv wie nötig zu begleiten, aber auch Herausforderungen anzubieten. „Laufen müssen sie selber,“ sagt er. „Aber ich signalisiere zu jeder Zeit: ‚Ich bin für dich da, ich kümmere mich, und ich habe Lösungen‘“. Das gibt allen im Unternehmen, ob Praktikant, Azubi oder Führungskraft, ein starkes Gefühl von Sicherheit. Auf dieser Basis kann sich eine große Selbstständigkeit entwickeln. Manche Auszubildenden setzen zum Beispiel ganz eigenständig Projekte im Rahmen der Bildungspartnerschaften mit Schulen oder Kitas um.

Auszeichnungen für Ausbildung

Für die gute Ausbildung erhält der Betrieb regelmäßig Auszeichnungen, darunter verschiedene TASPO Awards, der Innovationspreis Ausbildung der IHK Region Stuttgart und viele weitere. 2018 belegte er beim bundesweiten „Schule-Wirtschaft-Preis“ den ersten Platz im Bereich Berufsorientierung. Auch die Auszubildenden selbst gewinnen immer wieder Preise in regionalen und überregionalen Wettbewerben.

Die hohe Bedeutung, die der Ausbildung beigemessen wird, spiegelt sich in den Zahlen wider: Es sind immer 12 Auszubildende im Betrieb, insgesamt 51 junge Menschen hat Albrecht Bühler mittlerweile ausgebildet. 24 von ihnen wurden übernommen, 10 arbeiten bis heute im Unternehmen, drei davon in Führungspositionen. Bühler Azubis schließen im Durchschnitt mit der Gesamtnote 2,2 ab, und ein Drittel qualifiziert sich regelmäßig für den Landschaftsgärtner-Cup – obwohl in ganz Baden-Württemberg nur sechs Teams zugelassen werden. 75 Prozent seiner Auszubildenden absolvieren nach der Lehre eine weiterführende Ausbildung – ein Studium, die Meister- oder Technikerschule oder eine Fortbildung im Bereich Baumpflege. Bühler ist stolz darauf, diese jungen Menschen „für die Branche gewonnen“ und sie bei der Entfaltung ihrer Potenziale begleitet zu haben.

Albrecht Bühler

In Bühlers Betrieb sind immer 12 Auszubildende, ein Drittel qualifiziert sich regelmäßig für den Landschaftsgärtner-Cup.

„Ich bin stolz darauf, junge Menschen für die Branche gewonnen zu haben.“

Vielfalt ausdrücklich erwünscht

Geschätzt und gefördert werden natürlich auch die, die von Beginn an stark und eigenverantwortlich arbeiten können. So war es zum Beispiel bei Melina Handte. Die Abiturientin bewarb sich Ende 2003 für ein Praktikum. Die anschließende Ausbildung schloss sie mit der Gesamtnote 1,3 ab, später wurde sie Landesmeisterin in Baden-Württemberg und Bundessiegerin beim Landschaftsgärtner-Cup. Albrecht Bühler staunt noch heute darüber, dass die anderen 11 Betriebe, bei denen sich Melina beworben hatte, diese Traumkandidatin noch nicht einmal einluden. „Sie war eine Frau, und sie hatte Abitur, war also praktisch zweifach gehandicapt“, erklärt er kopfschüttelnd. Gegenüber Frauen und vermeintlich überqualifizierten Kandidat/-innen gibt es in der grünen Branche immer noch Vorurteile, weiß Bühler, und dadurch entgehen vielen Betrieben aus seiner Sicht echte Chancen.

Bei „Baum und Garten“ wird Vielfalt hingegen als wertvolle Ressource geschätzt. „Es ist mir sehr wichtig, dass die Menschen, die bei uns arbeiten, unterschiedlich alt sind, verschiedene Schulabschlüsse, Lebenshintergründe und Kulturen haben, und dass sowohl Männer als auch Frauen dabei sind“, erklärt der Unternehmer. „Die Vielfalt stärkt die Verbundenheit, weil man sich gegenseitig unterstützt und die Erfahrung macht, gemeinsam ans Ziel zu kommen.“

Der Frauenanteil liegt deutlich über dem Branchendurchschnitt. Das wirkt sich gemäß Bühlers Erfahrung positiv auf die tägliche Zusammenarbeit in dieser klassischen Männerbranche aus, da es Verhaltensmuster wie Respekt, Rücksichtnahme und gegenseitige Fürsorge stärkt.

Mitarbeiterfreundliche Arbeitszeiten

Dass der Betrieb äußerst flexible Arbeitszeiten anbietet, macht ihn sehr familienfreundlich. Die sogenannte „lebensphasenorientierte Arbeitsorganisation“ ist Teil des strukturierten Konzepts, auf dessen Grundlage Ausbildung und Arbeit im Betrieb organisiert werden.

Hinter dem etwas sperrigen Begriff verstecken sich unzählige Angebote und Möglichkeiten. So können verschiedene Teilzeitmodelle eingerichtet werden, auch temporär, wenn zum Beispiel Familiennachwuchs oder längere Reisen geplant sind oder Familienangehörige pflegebedürftig werden. Ein Ehepaar teilt sich seit der Geburt des ersten Kindes eine Führungsposition, ein Baumpfleger arbeitet auf einer 90-Prozent-Stelle und kann dadurch fünf zusätzliche Urlaubswochen nehmen, um Klettertouren zu leiten. Beispiele wie diese gibt es viele bei Baum und Garten.

Das Konzept zur „lebensphasenorientierten Arbeitszeit- und Arbeitsplatzgestaltung“ wird, wie die Ausbildung und das soziale Engagement des Betriebs, immer wieder mit Auszeichnungen bedacht. Auch die Mitarbeiter wissen Freiheiten wie diese sehr zu schätzen. Albrecht Bühler erhält manchmal noch Jahrzehnte nach ihrem Ausscheiden Briefe von ehemaligen Mitarbeitern, in denen sie ihre Dankbarkeit ausdrücken.

Albrecht Bühler

Menschen zusammenbringen und begeistern, das gelingt Bühler auch bei seiner ehrenamtlichen Verbandsarbeit.

„Man gewinnt, wenn man bereit ist, etwas zu geben.“

Aktiv im Verband

Menschen zusammenbringen und begeistern, das gelingt Albrecht Bühler auch im Rahmen seiner ehrenamtlichen Verbandsarbeit, die er seit 12 Jahren leistet. Zunächst war er Regionalvorsitzender in der Region Stuttgart und schaffte es regelmäßig, 100 bis 160 Mitglieder in die Regionalversammlungen zu locken – mit guten Referenten, leckerem Essen und einem angenehmen Rahmen für den Austausch.

Heute, als Präsidiumsmitglied des Landesverbandes Baden-Württemberg, bringt er sich unter anderem als „Vorstand Ausbildung“ ein. „Wir haben ein starkes Wir-Gefühl im Verband, eine Kultur des Miteinanders“, betont er. Der Verband gibt ihm zudem die Möglichkeit, seine innovativen Ansätze in der Ausbildungs- und Arbeitsorganisation mit andern zu teilen. Zum Beispiel initiierte er die App azubi.help, über die Auszubildende in Notlagen Ansprechpartner/-innen finden können. Sie wird mittlerweile in den meisten Landesverbänden eingesetzt. Der Ball wurde aufgegriffen, und ein anderer Landesverband entwickelt nun eine Hilfs-App für Ausbilder/-innen. So ergeben sich aus neuen Konzepten immer wieder weitere positive Dinge. „Man kann gute Ideen einbringen und sehen, wie sie wachsen. Das ist ein bisschen, wie wenn man einen Baum pflanzt“, freut sich Bühler.

Positiver Ausblick

Es geht also mit Sicherheit kreativ und sozial engagiert weiter bei „Baum und Garten“ in Nürtingen. Für 2027 hat Albrecht Bühler seinen Ruhestand geplant, doch es gibt schon eine klare Perspektive für die Zeit danach: Daniel Mayr, der vor 15 Jahren seine Ausbildung im Betrieb absolviert und danach BWL studiert hat, ist Bühlers Nachfolger. Er führt den Betrieb schon seit einigen Jahren Seite an Seite mit dem Gründer, so dass er in seiner Führungsrolle bestens eingearbeitet und akzeptiert ist. Sein Werdegang im Betrieb, vom Auszubildenden bis zum Geschäftsführer, ist eine der vielen Erfolgsgeschichten bei „Baum und Garten“ – und ein weiterer Beweis dafür, wie sehr es sich lohnt, an seine Leute zu glauben und ihr Wachstum zu unterstützen. Oder, wie Albrecht Bühler es ausdrückt: „Man gewinnt, wenn man bereit ist, etwas zu geben.“

www.baum-und-garten.de

Veröffentlicht 03.2021
2021-03-22T15:07:43+01:00
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