Pflege, Pflanzen und Plantagen

Mit seinem Fokus auf Pflege und Pflanzen sieht sich Ulf-Peter Schilling von „Garten- und Landschaftsbau Schilling“ in Leipzig ein bisschen als „Sonderling“. Das stört ihn aber nicht weiter, denn nach den eigenen Vorstellungen und Werten zu handeln, ist für ihn selbstverständlich. Und so kommen viele spannende Projekte zustande, unter anderem der Eukalyptusanbau für Koalas.

Ulf-Peter Schilling hat etwas Mitreißendes: Er ist eloquent, sprudelt über vor Ideen und sagt geradeheraus, was er denkt. Wenn er erzählt, geht eine enorme positive Energie von ihm aus. „Ich bin wahnsinnig dankbar dafür“ ist ein Satz, der immer wieder vorkommt. Oder auch: „Da habe ich ganz viel Glück!“

Am bekanntesten ist sein Betrieb „Garten- und Landschaftsbau Schilling“ für die Pflege des Leipziger Zoos und dafür, dass er Eukalyptus für die dort lebenden Koalas anbaut. Darüber wurde schon in den verschiedensten Medien berichtet, unter anderem sendete der Deutschlandfunk ein einstündiges Interview mit Schilling, Zeitschriften wie „DEGA Gartenbau“ und das Wirtschaftsmagazin „brand eins“ brachten lange Artikel. Ulf-Peter Schilling nennt das den „Disney-Faktor Koala“.

Die Geschichte um die Koalas und die Eukalyptus-Pflanzungen ist in der Tat spannend, und wir werden gleich darauf zurückkommen. Zunächst soll es aber um Besonderheiten des Betriebs gehen, die noch etwas weniger bekannt sind.

„Ich versuche, mich in die Kundinnen und Kunden hineinzuversetzen, mit ihren Augen zu sehen, auch auf sich ändernde Wünsche einzugehen“

Ulf Peter Schilling

Ganz besondere Nische: „Zoogärtner“. Geschäftsführer Ulf-Peter Schilling von „Garten- und Landschaftsbau Schilling“ betreut mit seinem Team 365 Tage im Jahr den Leipziger Zoo gleich nebenan .

Fast reiner Pflegebetrieb

Ungewöhnlich ist zum Beispiel, dass sich das Unternehmen fast vollständig auf die Pflege konzentriert. Es war eine bewusste Entscheidung Ulf-Peter Schillings, aus dem „diffusen Wettbewerb von Tiefbauern und Landschaftsgärtnern“ auszusteigen. Der Preiskampf war einer der Gründe, die immer extremere Beschwerdekultur ein weiterer. „Ich habe mal sechs Jahre lang über eine Splittfuge gestritten, die mit der Zeit vom Regen ausgewaschen war“, erzählt er. „Das ging bis vors Gericht. Ich habe zwar Recht bekommen, aber es war trotzdem sehr belastend.“ Er ist „wahnsinnig dankbar“ dafür, damit nichts mehr zu tun zu haben.

Zumal es auch an Pflegearbeiten riesigen Bedarf gibt. Der Betrieb wird „geradezu überrannt“, so Schilling. Die hochwertigen Pflegeprojekte liegen zu je etwa einem Drittel im privaten, gewerblichen und öffentlichen Bereich. Je nach Anforderungen gibt es ganz unterschiedliche Modelle: Rahmenverträge für Gärten und Grünanlagen, die regelmäßig betreut werden, aber auch spontane Einsätze für GartenbesitzerInnen, die vorübergehend mit der Pflege überfordert sind.

Das Erfolgsrezept: „Ich versuche, mich in die Kundinnen und Kunden hineinzuversetzen, mit ihren Augen zu sehen, auch auf sich ändernde Wünsche einzugehen“, erklärt Schilling. Gute Beratung macht ihm Spaß. Er mag das Gespräch mit den Menschen und legt Wert darauf, sie immer ehrlich und transparent zu informieren.

Ulf Peter Schilling

Eukalyptus in (fast) allen Lebensphasen – bei „Garten- und Landschaftsbau Schilling“ dominiert das Koala-Futter das Bild.

„Das Multikulturelle passt zu uns, da wir ein toleranter, weltoffener Betrieb sind, und das aus tiefster Überzeugung“

Zoo und andere öffentliche Anlagen

Der prominenteste und mit Abstand größte Kunde im öffentlichen Bereich ist der Zoo Leipzig, in dem das Unternehmen alle landschaftsgärtnerischen Pflegearbeiten ausführt, darunter Grünflächenmanagement, Tropenhauspflege, Baummanagement und Winterdienst. Ein siebenköpfiges Team ist an 365 Tagen im Jahr im Zoo aktiv. Viele Aufträge kommen auch von Hochschulen, für die der Betrieb zum Beispiel bunte, blühende Staudenflächen pflegt. Typische Gewerbeflächen mit viel Beton und Stein entsprechen seiner Ausrichtung dagegen gar nicht, die Pflanze steht immer im Mittelpunkt.

„Für uns ist es völlig selbstverständlich, dass Menschen verschiedener Herkunft und Religion zusammenarbeiten. Und diese Normalität will ich mit solchen Projekten fördern.“

Mittarbeiter von Ulf Peter Schilling

„Öfter mal was Neues“ – wer bei Ulf-Peter Schilling arbeitet, mag dieses Motto. Der Chef schätzt Menschen, die selbstständig arbeiten und Verantwortung übernehmen. Der Betrieb ist weltoffen und multikulturell.

Ein internationales Team

Der Betrieb ist multi-ethnisch, multi-kulturell. Zum Beispiel hatte Schilling im Rahmen eines Förderprogramms drei spanische Auszubildende eingestellt, von denen einer nach seinem erfolgreichen Abschluss nun ein fester Teil des Teams ist. Ein syrischer Flüchtling wurde ebenfalls im Betrieb ausgebildet und dann übernommen; vor ein paar Monaten hat er ein Studium begonnen. „Das Multikulturelle passt zu uns, da wir ein toleranter, weltoffener Betrieb sind, und das aus tiefster Überzeugung“, so Schilling. „Für uns ist es völlig selbstverständlich, dass Menschen verschiedener Herkunft und Religion zusammenarbeiten. Und diese Normalität will ich mit solchen Projekten fördern.“

Internationalen Zuwachs heißt Schilling auch deshalb willkommen, weil er zusätzliches Personal immer gebrauchen kann. Daher empfand er zum Beispiel das europäische Förderprogramm MobiPro als eine gute Idee, mit dem zukünftige Arbeitskräfte aus Ländern mit hoher Jugendarbeitslosigkeit in deutsche Betriebe als Azubis vermittelt wurden. Doch leider haperte es an der Durchführung. So wurden die EU-Fördergelder wieder heruntergefahren, weil mangels Werbung die wenigsten Betriebe von dem Programm wussten und die Gelder nicht abgerufen wurden.

Zudem scheiterten viele der Jugendlichen, die nach Deutschland kamen, weil sie von den Organisatoren zu wenig beim Lernen der Sprache und beim Einleben in das neue Umfeld unterstützt wurden. Entsprechend demotiviert waren sie. „Zwei der Spanier konnte ich da nicht rausholen“, sagt Schilling. Sie verließen den Betrieb wieder. Umso dankbarer ist er aber, dass der dritte sich als reiner Glücksgriff erwies.

Mitarbeiter von Ulf Peter Schilling

20 Beschäftigte hat das Unternehmen Schilling Garten- und Landschaftsbau heute.

„Es ist schwere Arbeit, man ist auch bei Wind und Regen draußen, man hat dreckige Fingernägel.“

Viel Herzblut und eine schwierige Unternehmensübergabe

Ulf-Peter Schilling ist bewusst, dass der Beruf LandschaftsgärtnerIn nicht für jeden Menschen attraktiv ist. „Es ist schwere Arbeit, man ist auch bei Wind und Regen draußen, man hat dreckige Fingernägel.“ Trotzdem möchte er nichts anderes machen: „Für mich kann ich nur sagen: Es macht mich glücklich! Und ich ärgere mich, dass ich 80 Prozent meiner Arbeitszeit am Schreibtisch verbringe. Das mit den dreckigen Fingernägeln lebe ich dafür auf meiner Dachterrasse aus!“

Der grüne Beruf wurde ihm sozusagen in die Wiege gelegt, denn die Liebe zum Garten- und Landschaftsbau liegt bereits seit 1967 in der Familie. Damals übernahm der Vater, Peter Schilling, mit nur 24 Jahren, als Meister den Gartenbezirk der Stadt Leipzig, zu dem auch der Zoo gehörte. 1990, gleich nach der Wende, machte er sich dann selbstständig.

2008 ging der Betrieb dann an Ulf-Peter Schilling über. Die Zeit der Unternehmensübergabe bezeichnet er rückblickend als die schlimmste Zeit seines Lebens. Heute verstehen sich Vater und Sohn besser denn je, aber damals prallten Welten aufeinander, es gab erbitterten Streit. „Es knallte, es explodierte. Das lag daran, dass die Herausforderung so groß war“, sagt Schilling. „Wir sind beide mit so viel Herzblut dabei und hatten so unterschiedliche Perspektiven. Das ist ganz normal: Die Eltern haben Angst, die Kinder könnten scheitern, weil sie es anders machen wollen und weil sie noch unerfahren sind. Ich nehme das meinem Vater heute kein bisschen übel.“

Nach der Übergabe änderte sich vieles: Neue Technologien wurden eingeführt, das Unternehmen wuchs von damals sechs Mitarbeitern auf heute über 20; das Büro wurde papierlos, für Imagepflege und Mitarbeitergewinnung werden heute auch Facebook und Instagram genutzt und vieles mehr. Dabei ging es dem Sohn nie darum, aus Prinzip alles anders zu machen, sondern vielmehr darum, alle Geschäftsbereiche unvoreingenommen anzuschauen und neu zu bewerten.

Er findet es wichtig, so offen über die Konflikte zu sprechen, die sein Vater und er durchgestanden haben, um anderen Mut zu machen: „Ich kann mir vorstellen, dass das Thema in vielen Familien totgeschwiegen wird oder dass die Übergabe teilweise gar nicht klappt.“

Mut zur Großinvestition: 2019 investierte Schilling einen großen Betrag auf dem Gelände nahe dem Leipziger Flughafen in zusätzliche Gewächshäuser.

Nahrung für vier Koalas im Leipziger Zoo und weitere hungrige Tiere

Die Entwicklung des Betriebs ist für Ulf-Peter Schilling nie endgültig abgeschlossen. 2015 erschloss er zum Beispiel mit dem Eukalyptusanbau ein ganz neues Geschäftsfeld – und damit sind wir beim „Disney-Thema Koala“ angelangt. Hintergrund ist, dass im Mai 2016 erstmals eines der niedlichen Tiere im Leipziger Zoo einzog und mit seiner einzigen Nahrung, nämlich Eukalyptus, versorgt werden musste. Zoos, die Koalas halten, sind verpflichtet, verschiedene Eukalyptus-Arten, ausreichend für mindestens eine Woche, vorzuhalten. Außerdem müssen sie eine Notfall-Plantage haben oder ersatzweise mit Firmen zusammenarbeiten, die eine regelmäßige Lieferung garantieren.

In Leipzig trat der Zoodirektor an Ulf-Peter Schilling heran und fragte, ob er Lieferant für dieses spezielle Futter werden könne. Der schlief zwei Nächte darüber und sagte dann zu. „Das ist das Problem bei mir“, sagt er selbstironisch. „Ich denke immer: ‚Ach, das geht schon!‘“.

Es geht auch, sehr gut sogar. Aber es ist zugleich eine große Herausforderung, immer genügend Eukalyptus verschiedener Arten vor Ort zu haben. Zumal die Anzahl der Koalas im Zoo schwankt: Aktuell lebt hier ein Koala-Paar mit Jungtier, und es könnten bald noch mehr werden. In Australien sind die Auffangstationen für die Tiere voll, dafür sorgen die Intensivlandwirtschaft, Rodungen und aktuell natürlich die verheerenden Waldbrände.

Pflanzenpflege im Zoo Leipzig – regelmäßiger Arbeitsplatz der Fachkräfte von „Garten- und Landschaftsbau Schilling“.

Eukalyptus-Lieferungen an andere Zoos

Auch die Bestellungen anderer Zoos nehmen zu. Eigene, aber kleinere Plantagen haben in Deutschland nur noch Duisburg und Dresden. Bisher hat Schilling nur sporadisch an andere Zoos geliefert, doch nun sind einige an einer regelmäßigen Versorgung interessiert. Das hängt unter anderem mit dem allgemein wachsenden ökologischen Bewusstsein zusammen. Viele Zoos ließen ihr Koala-Futter bisher aus Cornwall oder Florida einfliegen, was die Umwelt belastet und im Fall von Cornwall zusätzlich durch den Brexit erschwert wird. Schilling rechnet damit, dass aus all den genannten Gründen immer mehr Anfragen auf ihn zukommen werden.

Deshalb hat er 2019 einen hohen Betrag in die Hand genommen und auf dem Gelände nahe dem Leipziger Flughafen, auf dem sich die Eukalyptusplantagen befinden, zusätzliche Gewächshäuser gebaut. Das ist kein Wagnis, davon ist er überzeugt. Selbst wenn die Nachfrage nach der Koala-Nahrung irgendwann einbrechen sollte, hätte er Pläne für neue Anwendungen in der Schublade. Denn er rechnet fest damit, dass die regionale, nachhaltige Produktion von Pflanzen wichtiger wird. Statt Eukalyptus könnten das zum Beispiel Kräuter und Stauden für pflanzliche Arzneien sein – und vieles andere mehr.

Koala Bouddie im Eukalyptus

Koala Bouddie im Leipziger Zoo liebt Ulf-Peter Schillings Eukalyptus. (Foto: Zoo Leipzig)

Innovation gehört immer dazu

Was immer die Zukunft bringt – Ulf-Peter Schilling scheint bestens auf sie vorbereitet zu sein. „Man muss Ideen haben, über den Tellerrand schauen, auch mal was wagen“, sagt er, und es ist klar, dass dieses „Müssen“ bei ihm eine doppelte Bedeutung hat: Als Geschäftsmann tut er gut daran, schnell auf sich verändernde Rahmenbedingungen reagieren zu können. Als kreativem Menschen würde ihm aber sonst auch schlichtweg langweilig. Neue – und erfolgreiche – Geschäftsideen entstehen bei ihm wie nebenher, zum Beispiel die, im Shop des Zoos einen kleinen Pflanzenmarkt einzurichten oder für das große asiatische Restaurant im Zoo Kaffir, Zitronengras und Koriander „in rauen Mengen“ anzubauen.

„Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die schon lange dabei sind, wissen, was los ist: Immer was Neues“, erzählt er lachend. „Die meisten haben sich darauf eingestellt, sind offen, arbeiten sehr selbstständig und übernehmen Verantwortung. Damit bin ich sehr glücklich und zufrieden.“ Gleichzeitig akzeptiert er es aber auch, dass manchen Menschen ständige Veränderung zu viel Stress bereitet: „Die bringen sich dann anders ein, das ist super.“

Exzellente Voraussetzungen also für weitere spannende und inspirierende Projekte, und wir freuen uns schon darauf, von ihnen zu hören!

https://www.galabau-schilling.de/

2021-06-16T10:55:45+02:00
Nach oben