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Traditionsreich, aber sicher nicht verstaubt ist das Familienunternehmen Balzer Garten- und Landschaftsbau in Dautphetal. Mit etwa 150 Jahre Firmengeschichte im Rücken blickt es selbstbewusst in die Zukunft. Denn Inhaber Frank Balzer ist ein Vorreiter in Sachen Digitalisierung und setzt auf hochmoderne Arbeitsmittel wie eine Drohne für Vermessungen.

Die Bezeichnung „Traditionsbetrieb“ ist für Balzer Garten- und Landschaftsbau im hessischen Dautphetal alles andere als übertrieben. Schon 1872 gründete Johann Balzer das Unternehmen am selben Ort, an dem es noch heute aktiv ist. Seitdem ist es immer in der Familie geblieben, über mittlerweile fünf Generationen. Heute führt Frank Balzer, der Ur-Ur-Enkel von Johann Balzer, den Betrieb.

Tradition heißt jedoch nicht altmodisch, jedenfalls nicht im Fall von Balzer Garten- und Landschaftsbau. Denn Frank Balzer wird niemals müde, Innovationen auszutüfteln, die den Betrieb noch effizienter und leistungsfähiger machen. Dabei setzt er auf Digitalisierungsprozesse und technische Hilfsmittel – seit 2018 zum Beispiel auf eine Profidrohne, mit der regelmäßig Vermessungen durchgeführt werden.

Das Unternehmen wurde 1872 am selben Ort gegründet, an dem es heute noch aktiv ist.

Frank Balzer

Frank Balzer entwickelt immer neue Innovationen, die den Betrieb noch effizienter und leistungsfähiger machen.

Die Drohne kommt auf ganz unterschiedlichen Baustellen zum Einsatz. Denn Balzer bietet nicht nur das gesamte Leistungsspektrum des Garten- und Landschaftsbaus für private, öffentliche und gewerbliche Kunden an, sondern darüber hinaus auch den Kanal- und Tiefbau sowie Erdarbeiten – mit teilweise riesigen Erdbewegungen bis 40.000 m3. Eine weitere Spezialität des Betriebs ist die Renaturierung und Rekultivierung von Bachläufen und Biotopen. Insbesondere in den größeren Projekten spart der Drohneneinsatz dem Balzer-Team viel Zeit und Aufwand. Das hat auch die Jury des Taspo Awards 2019 überzeugt: Balzers Konzept zum Einsatz der Profidrohne wurde in der Sparte „Bestes Digitalkonzept“ ausgezeichnet.

Spezialdrohne mit vielen Vorteilen

Mit der Drohne werden Aufmaße und Ähnliches erheblich schneller, effizienter und zudem präziser erstellt, als es bei der herkömmlichen Vermessung von Hand, mit Tachymetern und GPS-Geräten möglich ist. Ein weiterer großer Vorteil: Anhand der Bilder, die mithilfe der Drohne erzeugt werden, lassen sich die Leistungen des Unternehmens exakt dokumentieren. Zum Beispiel kann eine Baustelle vor, während und nach den Bauarbeiten beflogen werden, so dass sich die geleisteten Arbeiten gegenüber den Auftraggebern jederzeit nachweisen lassen. Außerdem können die auf der Baustelle ab- und aufgetragenen Massen an Erde leicht ermittelt werden.

„In manchen Fällen bedeutet das bares Geld für uns“, so Frank Balzer. „Denn es kommt immer wieder vor, dass Auftraggeber im Lauf des Projekts ‚vergessen‘, welche Arbeiten tatsächlich ausgeführt wurden. Gerade bei Tiefbauarbeiten lässt sich das nachträglich nicht mehr so leicht rekonstruieren. Dank der Drohnenaufnahmen können wir jetzt alles mit Bildern und Daten belegen.“

Für Balzer lohnt sich die Investition also gleich in mehrfacher Hinsicht. Das ist sogar schon wissenschaftlich bewiesen worden – im Rahmen einer Bachelorarbeit, die im Betrieb durchgeführt wurde. Die Vorteile für den eigenen Arbeitsalltag waren auch der Hauptgrund für die Anschaffung. „Die Technik hat enorme Vorteile und wird in ein paar Jahren Standard sein“, ist Frank Balzer überzeugt. Allerdings lohnt es sich nicht für jeden, eine eigene Drohne anzuschaffen. Deshalb bietet Balzer die Drohnenvermessung neuerdings auch anderen Unternehmen als Dienstleistung an: für Arbeiten im Garten- und Landschaftsbau, aber auch zum Beispiel für Steinbrüche, für die Inspektion von Bauwerken und vieles mehr.

Drohne von Frank Balzer

Mit der Drohne werden Aufmaße und Ähnliches erheblich schneller, effizienter und präziser erstellt, als es bei der herkömmlichen Vermessung von Hand, mit Tachymetern und GPS-Geräten möglich ist.

„Die Technik hat enorme Vorteile und wird in ein paar Jahren Standard sein.“

Fotogrammetrie für präzise Aufnahmen

Wie funktioniert so eine Vermessung aus der Luft? Die in der Drohne verbaute Kamera ist auf eine Technik namens „Fotogrammetrie“ ausgelegt. Sie nimmt hochauflösende Vollformat-Fotos auf und kombiniert sie noch während des Flugs mit weiteren Daten. Dabei orientiert sie sich an Markern in der Landschaft, die im Vorfeld per GPS eingelesen werden. Mittels spezieller Software werden dann aus den gesammelten Daten georeferenzierte 3D-Modelle und maßstabsgetreue Luftbildaufnahmen (Orthofotos) erzeugt. Die zentimetergenauen Fotos und 3D-Modelle können später miteinander verglichen werden – eine Voraussetzung für die exakte Dokumentation des Arbeitsfortschritts.

Natürlich will der Umgang mit der Drohne gelernt sein. Frank Balzer und fünf Mitarbeiter haben den sogenannten Drohnenführerschein gemacht, der für das Fliegen von Drohnen dieser Größenordnung vorgeschrieben ist. Im Alltag arbeiten drei Mitarbeiter regelmäßig mit der Drohne, die sich besonders gut mit der Technik auskennen, darunter auch ein Azubi. Da Balzer ein recht junges Team beschäftigt, finden sich glücklicherweise immer genug Mitarbeiter, denen es Spaß macht, sich mit technischen Innovationen auseinanderzusetzen.

Balzer bietet die Drohnenvermessung neuerdings auch anderen Unternehmen als Dienstleistung an.

Steuerung der Drohne

Fünf Mitarbeiter haben den sogenannten Drohnenführerschein gemacht, der für das Fliegen von Drohnen dieser Größenordnung vorgeschrieben ist.

Modernisierung und Digitalisierung in allen Unternehmensbereichen

Frank Balzer hat selbst eine große Affinität zu Technik und digitalen Lösungen. Man merkt, dass er Freude daran hat, immer wieder neue Konzepte zu entwickeln, um die Unternehmensabläufe zu optimieren. So hat er von Anfang an die Digitalisierung im Unternehmen vorangetrieben, unterstützt von einem externen IT-Experten, der auch die gesamte IT-Infrastruktur bei Balzer aufgebaut hat.

Ein Modernisierungsprojekt folgt auf das andere: Seit 2005 hat der Betrieb eine digitale Aufmaßstation, seit 2006 ein professionelles Dokumentenmanagementsystem, seit 2007 werden Tagesberichte digital erstellt. Die Zeiterfassung erfolgt direkt auf der Baustelle. Zuerst wurden dafür Laptops eingesetzt, jetzt sind es Tabletcomputer. Seit 2014 ist eine digitale Maschinensteuerung im Einsatz, vor allem im Erd- und Tiefbau.

Individuelles Kundenberatungssystem

Aktuell wird ein Kundenberatungssystem in Form eines Extranets aufgebaut. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um eine Datenbank mit hersteller- und produktneutralen Materialbeschreibungen, die in Zukunft die Beratungsgespräche unterstützen soll. Verschiedenste Arten von Materialien lassen sich während des Gesprächs per Mausklick aufrufen. Zum Beispiel kann zunächst ein Mauersystem ausgewählt werden, dann verschiedene Varianten des Systems und im nächsten Schritt unterschiedliche dazu passende Natursteine.

Frank Balzer lädt Privatkunden schon zum ersten Beratungsgespräch gerne in seinen Showroom ein, was manche Kunden überrascht, letztlich aber überzeugt. Denn hier kann er auf einem großen, in die Wand eingelassenen Bildschirm Beispielgärten präsentieren, um die Verständigung zu erleichtern. Außerdem besteht die Möglichkeit, den Kunden bestimmte Pflanzen und Materialien im Mustergarten gleich nebenan zu zeigen. Das neue Kundenberatungssystem passt perfekt in dieses Konzept.

Die neue Lösung ist bereits fertig programmiert, wird zurzeit mit Daten gefüttert und soll ab 2020 einsatzbereit sein.

Mustergarten Frank Balzer

Im Mustergarten können sich die Kunden verschiedene Pflanzen und Materialien anschauen.

Perfekte Kleingeräteverwaltung mit Digitalschlössern

Auch zur Organisation des Equipments wird eine Neuerung eingeführt: Auf dem Firmengelände entsteht gerade ein Anbau, in dessen Kellerräumen ein Kleingerätelager mit einem Digitalschlosssystem eingerichtet wird. Das Prinzip: Die Nutzer autorisieren sich mit einem Chip und das Schloss wird freigegeben. Wenn das Gerät wieder an den Stecker angeschlossen wird, gilt es als zurückgegeben. Ein cleveres System, mit dem die Geräte rund um die Uhr ausgeliehen werden können. Die Mitarbeiter freuen sich schon darauf, die Geräte dann holen zu können, wenn es in ihren Tagesablauf passt. Denn da die Baustellen oft weit verstreut liegen, ist es für sie nicht immer sinnvoll, morgens zunächst auf den Betriebshof zu kommen.

Die Mitarbeiter freuen sich schon darauf, die Geräte dann holen zu können, wenn es in ihren Tagesablauf passt.

Frank Balzer vor Baustelle

Frank Balzer vor der Baustelle des Anbaus, in dessen Keller das Kleingerätelager mit Digialschlössern eingerichtet wird.

Vernetzung aller Prozesse

Die Entwicklung geht immer weiter. Frank Balzer ist schon dabei, die nächste Innovation zu konzipieren: ein innerbetriebliches Informationssystem, das den Informationsfluss im Unternehmen zukünftig optimieren soll. Es wird Daten und Infos aus allen Bereichen des Unternehmens zusammenführen, um noch mehr Effizienz und Transparenz zu ermöglichen.

Betrieliches Informationssystem

Zukünftig haben die Bauleiter direkt auf der Baustelle alle für das Projekt relevanten Informationen auf ihrem Tablet. Die Daten bleiben jedoch auf dem Unternehmensserver.

Ein neues innerbetriebliches Informationssystem soll den Informationsfluss optimieren.

Schwieriger Start in den Traumberuf

So geordnet die Geschäftsprozesse heute ablaufen, so schwierig war Frank Balzers Einstieg als Geschäftsführer im Jahr 2003. Er studierte damals noch Landschaftsmanagement in Weihenstephan, als sein Vater tödlich verunglückte. Frank Balzer unterbrach vorübergehend sein Studium und übernahm von heute auf morgen den Betrieb mit seinen schon damals 50 Mitarbeitern – eine harte Zeit.

Dennoch hatte Frank Balzer nie Zweifel daran, dass er im Garten- und Landschaftsbau arbeiten wollte. „Ich bin damit groß geworden, es kam gar nichts anderes in Frage“, sagt er mit viel Nachdruck. Er identifiziert sich mit dem GaLaBau und findet es wichtig, dass durch den Verband die Branchenziele zentral vertreten und kommuniziert werden. Seinen Beruf würde er jederzeit wieder ergreifen, „weil er so vielseitig und spannend ist“. Und spannend bleibt es ganz bestimmt – allein schon, weil Balzer die innovativen Ideen nie ausgehen.

Veröffentlicht am 11.12.2019
2020-01-14T08:52:11+01:00